Autor

Birgit Schatz

16.11.2009 13:01

Mitarbeitermangel im Tourismus: Salzburgs NRAbg. Schatz zu den "unverschämten Forderungen" von Salzburgs Hotelier-Sprecher Veit

„Ich bin fassungslos. Die Dreistigkeit der Österreichischen Hoteliervereinigung in Beschäftigungsfragen ist nicht mehr zu überbieten. Statt endlich die Arbeitsbedingungen im Tourismus zu verbessern und die Löhne zu attraktivieren, sollen nun nach den Vorstellungen des ÖHV Arbeitssuchende sprichwörtlich gezwungen werden in den Hotelküchen als Abwäscher zu arbeiten." So kommentiert Birgit Schatz, Nationalratsabgeordnete der Salzburger GRÜNEN und ArbeitnehmerInnensprecherin, die jüngsten Forderungen des Salzburger ÖHV-Landesvorsitzenden Walter Veit.

Veit hatte via Aussendung "die Rücknahme der Lockerung der Zumutbarkeitsbestimmungen aus Hochkonjunktur-Zeiten" gefordert und dies folgendermaßen konkretisiert: "Man muss hinterfragen, ob diese Standards vertretbar sind. Zu überlegen sind Änderungen bei allen Kriterien, vom Berufs- und Gehaltsschutz über die Entfernung zum Arbeitsplatz bis hin zur wöchentlichen Arbeitszeit im Fall von Betreuungspflichten."

Davon hält die ArbeitnehmerInnensprecherin der GRÜNEN wenig: Die Zumutbarkeitsbestimmungen des Arbeitslosenversicherungsgesetzes seien definitiv streng genug und würden bereits jetzt viele Arbeitssuchende, vor allem Personen mit Kindern in größte Probleme bringen.  „Herr Veit möchte offenbar, dass eine Südburgenländerin mit zwei Volksschulkindern zu ihm nach Obertauern auf Saison geschickt werden kann oder eben, wenn sie diesen Job ablehnt, das Arbeitslosengeld verliert", kritisiert Schatz.

Veits Forderung sei unfassbar und erwecke zudem völlig falsche Eindrücke: "Nicht die Arbeitsunwilligkeit vieler Arbeitssuchenden ist das Problem, sondern die Qualität der Jobs im Tourismus. Eine AbwäscherIn verdient in Salzburg 1.161 Euro brutto, ein Kellner ohne Inkasso auch kaum mehr mit 1.243 Euro. In der Regel steigen saisonal Beschäftigte in den Entlohnungsstufen auch nicht auf, sondern fangen bei jedem neuen Arbeitgeber wieder in der Einstiegsstufe an", so Schatz weiter.

Seit Jahren gibt es Studien und Befragungen sowohl unter Lehrlingen wie auch den übrigen Beschäftigten, die deutlich aufzeigen, warum der Tourismus - abgesehen von den niedrigen Einkommen - als Arbeitsplatz derart unbeliebt ist. Schatz dazu: „Natürlich ist das zum einen das Problem der Arbeitszeiten. Viele Arbeitgeber gehen in der Hochsaison davon aus, dass die Beschäftigten sämtliche persönlichen Bedürfnisse zurückstellen. Das Arbeitszeitgesetz wird konsequent übergangen und Lösungsmodelle, die individuelle Lebenssituationen mitberücksichtigen, werden erst gar nicht gesucht. Das maximale ist schon ein All-in-Vertrag, der wenigstens ein paar Überstunden abgilt. Aber „all-in" heißt dann in der Praxis halt wirklich mit Haut und Haar."

Auch würde immer wieder von physischen und psychischen Übergriffen auf MitarbeiterInnen berichtet. „Ich habe es wirklich satt immer wieder von den Verantwortlichen zu hören, wir machen dieses Projekt und jene Beratung – diese Zustände gehören einfach abgedreht. Dafür sollte sich die ÖHV engagieren!" fordert die ArbeitnehmerInnensprecherin der GRÜNEN.

 





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