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am 4. Oktober

KLARTEXT zur Windkraft: Wir setzen auf sachliche Information und Einbindung der Lungauer Bevölkerung

GRÜNE Salzburg - Die Windkraft kämpft aktuell mit ziemlich kräftigem Gegenwind. Konkret geht es um ein mögliches Projekt im Lungau.

Wir GRÜNEN versuchen, der zunehmend aufgeheizten Stimmung mit sachlicher Information zu begegnen. Landessprecher LHStv. Heinrich Schellhorn führte dazu bereits Gespräche im Lungau, viele weitere stehen auf dem Programm. Ziel dieser Gespräche ist Information und Einbindung der Bevölkerung. Denn dies betonte der Parteichef auch öffentlich: Ein Windkraft-Projekt wird nur mit Zustimmung der Bevölkerung unterstützt, egal in welchem Bezirk! 

Die LungauerInnen – wie auch alle übrigen SalzburgerInnen – sind willkommen, sich einzubringen und damit auseinanderzusetzen, wie wir mit Erneuerbaren Energieträgern zu 100 Prozent energieautark werden wollen. Wir hoffen auf eine intensive Diskussion über eine diese Frage, die weit über ein einzelnes Windprojekt hinausgeht. Schließlich geht es dabei in letzter Konsequenz um nicht weniger als die Rettung unserer Lebensgrundlage und des Klimas. 

Zur Info haben wir nachfolgend ein paar Fakten zusammengestellt:

Das Projekt am Fanningberg – und welche Abstimmung im Lungau dazu ansteht 
Am Fanningberg in der Lungauer Gemeinde Weißpriach planen private Investoren eine Windkraftanlage. Soweit bisher bekannt ist – noch liegt kein detailliertes Projekt zur Genehmigung vor – will die Lungauwind GmbH acht Windräder errichten, die jährlich 70 GWh Strom erzeugen würden, was wiederum den Bedarf von 18.000 Haushalten decken würde. Zum Vergleich: Der Lungau hat etwa 7.200 Haushalte. Zumindest vor der Kampagnisierung stand die Gemeinde dem Projekt positiv gegenüber, es gibt einen einstimmigen Beschluss von ÖVP, SPÖ und FPÖ in der Gemeindevertretung. Widerstand kommt vor allem von den Touristikern. Die Lungauer Bürgermeister haben nun vergangene Woche beschlossen, dass die endgültige Entscheidung über die Windräder am Fanningberg nach den Gemeindewahlen von den GemeindevertreterInnen der rund 15 Lungauer Gemeinden getroffen werden sollen. Weißpriach will sich diesem Votum dann beugen.

Erneuerbare: Österreich tritt auf der Stelle  
Was viele nicht wissen: Seit 1990 stagniert in Österreich der Anteil, den die Erneuerbaren Energieträge an der Stromproduktion haben. Das, was neue Photovoltaik-, Biomasse-, Geothermie oder sonstige Erneuerbare Energieanlagen an Strom produzierten, wurde prompt vom Mehrverbrauch „gefressen“. Um das Klimaziel „100 Prozent Strom aus Erneuerbaren bis 2030“ zu erreichen, haben wir also massiven Handlungsbedarf. 

Wir importieren Strom im großen Stil 
Österreich als Strom-Exportland ist schon längst Geschichte. Tatsächlich zählen wir zu den ganz großen Strom-Importeuren. Im vergangenen Jahr hat Österreich sieben Milliarden Kilowattstunden importiert und dafür 10,7 Milliarden Euro ausgegeben. Dass der importierte Strom oft genug aus Atom- und Kohlekraftwerken stammt, sei nur nebenbei erwähnt. Ergänzend eine Zahl aus Salzburg: Pro Jahr wendet unser Bundesland knapp 800 Millionen Euro für den Import fossiler Energieträger auf.

Wind: Er weht, wenn wir ihn brauchen 
Um Strom zur Gänze aus Erneuerbaren zu produzieren, haben wir also einiges zu tun und wir können es uns im Grunde nicht leisten, auf einen Energieträger zu verzichten. Vor allem angesichts der Tatsache, dass wir in Salzburg das Potenzial der Wasserkraft bereits zu gut 90 Prozent ausgeschöpft haben. Die Windenergie hat jedenfalls das Potenzial, fünf bis acht Prozent unseres Strombedarfs zu decken, wobei das Interessante daran ihre zeitliche Verfügbarkeit ist: Windenergie ist dann nutzbar, wenn andere Erneuerbare schwächeln. 

Wenn im Winter die Flüsse wenig Wasser führen und auch der niedrige Sonnenstand wenig Stromausbeute zulässt, entsteht eine Lücke, welche die Windenergie zum Teil füllen könnte! Und das wäre mehr als notwendig: Denn gerade im Winter ist unser Importbedarf derzeit immens, im Jänner muss beispielsweise 50 Prozent des benötigten Strombedarfs aus dem Ausland zugekauft werden. Oder um es mit den Worten unseres Energie- und Umweltsprechers LAbg. Josef Scheinast zu sagen: „Wir werden die Windräder brauchen, weil wir den Strom brauchen. Deshalb sollten wir Vernunft walten lassen und nicht die Zukunft aufs Spiel setzen.“