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am 16. January

GEWALT AN FRAUEN: „Herr Kickl, handeln Sie endlich!“

Martina Berthold - Nach Frauenmorden fordert Klubobfrau LAbg. Berthold die sofortige Wiederaufnahme der „MARAC-Fallkonferenzen“ – „Der Ausstieg war höchstgradig verantwortungslos!“

In den ersten 15 Tagen des Jahres sind in Österreich vier Frauen ermordet worden. In den meisten Fällen handelt es sich um Beziehungs- oder Familientaten. „Diese Entwicklung ist alarmierend. Es ist höchste Zeit, dass der Innenminister handelt“, sagt die GRÜNE Klubobfrau und ehem. Frauenlandesrätin Martina Berthold. Sie erneuert ihre Forderung zur sofortigen Wiederaufnahme der sogenannten MARAC-Fallkonferenzen und deren Ausrollung in allen Bundesländern. Berthold hatte bereits im Juli 2018 heftig kritisiert, dass das blau-geführte Innenministerium trotz der steigenden Zahl an Tötungsdelikten an Frauen aus diesem international anerkannten und erfolgreichen Projekt ausgestiegen war.

In keinem europäischen Land ist der Anteil weiblicher Opfer bei Tötungsdelikten höher als in Österreich. Kein Ort ist für Frauen in Österreich gefährlicher als ihr eigenes Zuhause. Ziel der Fallkonferenzen ist die Verhinderung wiederholter und schwerer Gewalt, wie Vergewaltigung, schwere Körperverletzung, Mord­versuch oder Mord durch die enge Zusammenarbeit von Polizei, Justiz und anderen Einrichtungen. Zu Gewalt kommt es innerhalb einer Familie nur selten „aus heiterem Himmel“. Meist wurde davor bereits wiederholt Gewalt ausgeübt und weitere Gewalt angedroht; mitunter wurde auch schon polizeiliche Anzeige erstattet. Das Projekt wurde 2011 gestartet und wurde bis dahin bisher in Wien, Niederösterreich und Wien durchgeführt.

Scharfe Kritik an Innenminister Kickl

Der Ausstieg aus diesen Fallkonferenzen war ein schwerer Fehler des Innenministeriums und höchstgradig verantwortungslos von Innenminister Kickl! Wenn das Innenministerium jetzt eine Screening-Gruppe zu den Frauenmorden einrichtet, ist das zwar grundsätzlich zu begrüßen. Aber an der raschen Wiederaufnahme der MARAC-Konferenzen führt dennoch kein Weg vorbei“, so Berthold. Auch Gewaltschutz-ExpertInnen und zahlreichen Initiativen fordern, dass das Projekt für besonders gefährdete Gewaltopfer nicht nur wiederaufgenommen, sondern in ganz Österreich eingeführt wird.

Berthold fordert außerdem, dass neben der stärkeren präventiven Zusammenarbeit alle Tötungsdelikte im Detail analysiert werden. Damit könnten zukünftige Präventionsstrategien erarbeitet werden. „Dazu braucht es das Zusammenspiel aller beteiligter Stellen und Behörden. Wir müssen alles tun, um Gewalt zu verhindern“, so die GRÜNE Klubchefin.