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am 15. September

PFLEGEPERSONAL: PSYCHISCHE GESUNDHEIT STÄRKER FÖRDERN

Kimbie Humer-Vogl - Viele Pflegekräfte haben während der Pandemie gekündigt. Um einen weiteren Exodus zu verhindern, wollen wir mehr psychosoziale Hilfsangebote in Kliniken und Stationen.

„Viele Pfleger*innen sind in der COVID-Pandemie mehrfach an die Grenzen ihrer Belastbarkeit geraten. Motivationsprobleme, Selbstzweifel und psychosomatische Beschwerden häufen sich.“ LAbg. Kimbie Humer-Vogl, Klubchefin der GRÜNEN im Salzburger Landtag, die den ohnehin schon durch die Pandemie und fehlende Arbeitskräfte stark beanspruchten Pflegeberuf künftig stärker schützen will. Sie bringt im heutigen Ausschuss einen Antrag ein, in dem sie mehr psychosoziale Hilfsangebote für die Pflege fordert. „Der Arbeitsalltag der Pfleger*innen muss besser werden.“

Psychosoziale Hilfsangebote schaffen

„Seit Monaten wissen wir, dass das Pflegepersonal am Limit ist. Im Zuge der Pflegereform wird es Verbesserungen der Rahmenbedingungen geben. Was es aber zusätzlich braucht, sind gezielte Entlastungsprogramme und dauerhafte Angebote zur Psychohygiene der Pfleger*innen“, so Humer-Vogl. „Supervision kann zum Beispiel direkt in den Kliniken bzw. Stationen und Senior*innenwohnhäusern stattfinden. Dabei lernt das Pflegepersonal, wie es mit spezifischen Belastungen umgehen kann.“ Das sei aber nur ein Hebel, damit betroffene Pfleger*innen langfristig wieder Freude an ihrem Beruf finden würden.

Arbeitsüberlastung darf kein Tabuthema sein 

Betroffene berichten zum Beispiel davon, dass die Diplomierten aufgrund des gestiegenen Verwaltungsaufwands sehr wenig Zeit bei den Patient*innen sind“, so Humer-Vogl. Aber gerade wegen des Kontakts zu den Menschen hätten sich viele für diesen Beruf entschieden. Die Klubobfrau wünscht sich, dass Arbeitsüberlastung in den einzelnen Einrichtungen kein Tabuthema ist: „Das ist keine Kritik an den Institutionen oder den Leitungsfunktionen. Ich glaube, dass die Erfahrungen der Pfleger*innen sehr wertvoll sind, um das System langfristig zu verbessern. Und ich habe den Eindruck, dass es nur sehr wenige Pflegekräfte gibt, die auch nach außen hin wirklich offen über die Probleme sprechen.“

Exodus aus dem Pflegeberuf verhindern

Erschreckend sei, dass immer mehr Pflegekräften die derzeitigen Bedingungen so zu schaffen machen, dass sie an einen Ausstieg denken, obwohl ihnen die Arbeit an sich eigentlich Freude bereite. „Salzburg braucht jetzt bis 2025 schon mehr als 3000 Pflegekräfte. Wir können es uns nicht leisten, dass immer mehr Pfleger*innen nun auch noch den Beruf wechselt.“ Die Pflege sei eine der sozialen Fragen des 21. Jahrhunderts. „Wenn es uns nicht gelingt, jene Menschen, die ihren Beruf eigentlich mit Freude ausüben, aber aufgrund ständiger Überlastung den Beruf wechseln wollen, dann wird es eines Tages nicht mehr genug professionelle Pflege geben“, so die eindringliche Warnung der Klubobfrau.