Navigation:
am 4. Oktober

GAISSAU-HINTERSEE-PLÄNE: „INVESTITION IN NATURZERSTÖRUNG“

Kimbie Humer-Vogl - Die Auswirkungen der Klimakrise lassen sich in dieser Höhenlage nicht "weginvestieren."

„Der Klimawandel wird durch die Zerstörung dieser wertvollen Lebensräume nur noch weiter befeuert. Fördergelder für derartige Projekte sind nicht im Interesse der Bevölkerung.“ LAbg. Kimbie Humer-Vogl, Klubchefin der GRÜNEN im Salzburger Landtag, übt scharfe Kritik an den Plänen für das Skigebiet Gaißau-Hintersee. Sie sehen neben einer Zehnerseilbahn und einem Speicherteich auch 51 Schneekanonen vor. „22 Millionen Euro sollen investiert werden – Naturzerstörung inklusive.Und das obwohl die Schneedeckenstudie aus dem Jahr 2019 klare Hinweise darauf gibt, dass Skigebiete in dieser Höhenlage (unter 1500 Meter) kaum Zukunft haben.“

Unvorstellbare Zerstörung der Umwelt erwartet

Die negativen Auswirkungen solcher Projekte auf die Umwelt sind beträchtlich. Der Bau der für die Seilbahn nötigen 17 Stützen erfordert andere Fundamente als die Sesselbahn. Das Gebiet wird durch Zufahrtsstraßen zerpflügt werden. Bei der Errichtung eines Speicherteichs in diesem vor allem von Trocken- und Magerwiesen geprägtem Gebiet gehen wertvolle Lebensräume für geschützte Arten verloren“, gibt Humer-Vogl zu bedenken. „Dass ein solcher Speicherteich UVP-pflichtig ist, ist anzunehmen. Für die Errichtung der Schneekanonen würden diese wichtigen Biotope vermutlich im ganzen Skigebiet nachhaltig zerstört werden. Das Problem sind die dafür zu verlegenden Leitungen. Dazu werden sämtliche Hänge aufgeschnitten werden müssen, es wird zu riesigen Mengen Bodenaushub kommen. Den Ursprungszustand wird man kaum wiederherstellen können, nachdem diese Lebensräume nur sehr geringe Mengen Humus aufweisen“, so die Klubobfrau. Es würden ähnliche Bilder entstehen, wie jene entlang der Flying Mozart Bahn in Wagrain, die derzeit die Gemüter erhitzt. 

Naherholungsgebiet funktioniert auch ohne Naturzerstörung

Gerade in den letzten Wintern hätte sich gezeigt, dass dem Naherholungsgebiet Gaißau-Hintersee auch ohne Ski-Industrie eine wertvolle Funktion zukommt, so die Klubobfrau. „Skitourengeher*innen und Wanderer schätzen vor allem die intakte Natur und sind auch bereit, für diese zu bezahlen. Die Möglichkeit auf Naturschnee fahren zu können stellt einen weiteren Anreiz im Winter da. Die Hüttenbetriebe waren auch ohne Pistenskifahrer*innen gut ausgelastet“, argumentiert Humer-Vogl. Und weiter: „Mit unbekannten Investor*innen hat Gaißau-Hintersee eigentlich schon genug leidvolle Erfahrungen gemacht.“ Außerdem zeige die Schneedeckenstudie von 2019 eindeutig, dass die Temperaturerhöhungen jetzt schon mess- und spürbar seien. „Die Zeitfenster in denen eine Beschneiung überhaupt möglich ist, werden deutlich kürzer. Und damit natürlich auch die Skisaisonen.“ 

„In den Klimaschutz zu investieren muss die Devise sein“

Laut Humer-Vogl würde das Projekt alle Bemühungen, die Biodiversitätskrise in den Griff zu bekommen, konterkarieren. „Der Klimawandel wird durch die Zerstörung dieser wertvollen Lebensräume nur noch weiter befeuert. Fördergelder für derartige Projekte können nicht im Interesse der Bevölkerung sein“, so die Klubobfrau. Auch die Verkehrsbelastung würde massiv steigen: „Der Ausbau der Zufahrtsstraße wird möglicherweise ebenso zur Diskussion stehen, wie der Ausbau der Parkplätze. Dass ein Ausbau der Gastronomie in weiterer Folge geplant ist und damit noch mehr Fläche versiegelt wird, ist ja ohnehin den Plänen zu entnehmen.“ Und auch eine Sommernutzung stünde bereits im Raum. „Dafür werden wohl weitere Eingriffe in die Natur notwendig.“

Baubeginn 2022 undenkbar 

„Für das Skigebiet wird seit 2013 eine Biotopkartierung des Landes Salzburg angelegt“, so Humer-Vogl. „Die Rohdaten dieser Kartierung sollten übrigens bereits vorliegen. Es ist davon auszugehen, dass geschützte Lebensräume auf allen Skipisten zu finden sind.“ Sie fordert eine rasche Offenlegung der Ergebnisse und plädiert dafür, in diesem wichtigen Naherholungsgebiet den Hausverstand walten zu lassen. „Der müsste uns klar sagen, dass diese Investitionen weder langfristig gewinnbringend, noch umweltverträglich sind. Anstatt öffentliche Gelder in solche Projekte fließen zu lassen, sollten diese dazu verwendet werden, der Bevölkerung ‚ihr‘ Naherholungsgebiet zurück zu geben.“