Navigation:
am 7. September

Raumordnung und Klimaschutz: Schluss mit den Sünden der Ver­gangen­heit!

Heinrich Schellhorn - Klimaschutzreferent Schellhorn und Stadtrat Salzmann fordern „Trendwende“ beim Umgang mit Grund und Boden: „Keine Entscheidung ohne Klima-Check“

„Extremwetterereignisse machen auch vor dem Pinzgau nicht halt, das haben wir heuer einmal mehr gesehen. Klimaschutz gehört bei allen Entscheidungen auch in Saalfelden an vorderste Stelle gerückt. Wir dürfen den Raumordnungssünden der Vergangenheit nicht noch neue hinzufügen.“ Auf diesen Nenner bringt Ferdinand Salzmann, GRÜNEN-Stadtrat in Saalfelden die politischen Weichenstellungen, die er sich für die Pinzgauer Stadt wünscht. Unterstützt wird er von Salzburgs Grünem Landessprecher LHStv. Heinrich Schellhorn: „Ob Klimaschutz gelingt, wird auch davon abhängen, welchen Stellenwert er auf kommunaler Ebene einnimmt.“

Im Saalfeldner Becken lassen sich die klimarelevanten Raumordnungsfehler der vergangenen Jahrzehnte am besten aus der Luft beurteilen. Davon konnte sich Schellhorn, in der Landesregierung für die Klimaschutzagenden ressortzuständig, am Dienstag bei einem Tandem-Paragleiterflug selbst ein Bild machen.

Tandem-Pilot Peter Dullnig, selbst ein Pinzgauer, zeigte dem Grünen-Sprecher die Raumordnungs-Altlasten aus der Vogelperspektive:

  • Rund um das Stadtzentrum und seine peripheren Zentrumsbereiche (wo Bauen durchaus sinnvoll und ressourcenschonend wäre) finden sich im Saalfeldner Becken verstreut 30 Ortschaften. Die Zersiedelung lässt grüßen.
  • Die Einkaufszentren liegen – aneinandergereiht wie auf einer Perlenschnur – an der von Norden nach Süden verlaufenden B 311.
  • Das größte Gewerbegebiet (Harham): fünf Kilometer vom Zentrum entfernt an der Gemeindegrenze zu Maishofen.
  • Die massive touristische Infrastruktur: im östlichen Saalfeldner Becken, in Maria Alm.

 

„Es sind genau solche Raumordnungssünden, die uns die Probleme bereiten“, resümiert Schellhorn nach seinem „Besichtigungsflug“. Eine derartige Zersiedelung erzeuge zwangsläufig „eine Fülle von kreuz und quer laufenden Verkehrsströmen“, die wiederum durch ihren Schadstoffausstoß massiv zur Erdüberhitzung beitrügen.

Hier brauche es dringend ein Umdenken: „Es reicht nicht, wenn das Land Klimaziele definiert, die dann auf Gemeindeebene durch derartige Fehlentwicklungen ausgehebelt werden.“ Das gemeinsame Interesse an einem intakten Klima „muss Vorrang vor den gewinnorientierten Interessen von Investoren bekommen“, fordert Schellhorn. Konsequent gedacht dürften neue Projekte „nur nach einem positiven Klima-Check umgesetzt werden“.

„Keine neuen Altlasten“

So sieht es auch Stadtrat Salzmann. Saalfelden müsse alles tun, um „neue Altlasten“ zu verhindern. Die Bewältigung der Raumordnungs-Fehler der Vergangenheit sei für Saalfelden schwierig genug. Doch dass eine derartige Fehlentwicklung in Zeiten der Klimakrise „mit hohem öffentlichen Aufwand noch unverdrossen fortgesetzt werden soll, ist unverantwortlich“, so der GRÜNEN-Stadtrat.

Konkret betreffe dies vor allem die Baulandwidmung „Bsuch-Süd“ sowie das geplante „Golfhotel Schinking‘“. Die Eckdaten der beiden Projekte:

Baulandwidmung Saalfelden Bsuch-Süd

Hier sind beträchtliche öffentliche Kosten zur Herstellung der technischen Infrastruktur notwendig (Trinkwassser, Oberflächenentwässerung), während es gleichzeitig an sozialer Infrastruktur fehlt (keine Schule, kein Kindergarten). Es gibt keinen Nahversorger, das Stadtzentrum ist fünf Kilometer entfernt, wodurch die künftigen Bewohner gezwungen sein werden ins Auto zu steigen, Klimabelastung inklusive.

Interessantes Detail: Bei der Umwidmung drängt sich der Verdacht der Baulandspekulation geradezu auf. So kaufte der Investor die Fläche um gerade einmal 24 Euro/m². 50 Prozent sind für ein Baulandsicherunsmodell reserviert, die andere Hälfte kann im freien Verkauf verwertet werden!

Die Forderung des Saalfeldener Stadtrats: „Der Wohnungsbau muss allein schon aus Klimaschutzgründen in andere Bahnen gelenkt werden. Außerdem gehört dieser Bereich der Grundstücksspekulation entzogen.“

Golfhotel Schinking (Gemeindegebiet Saalfelden nahe Gemeindegrenze Maria Alm)

Für 350 Gästezimmer als Beherbergungsgroßbetrieb gewidmet. 2021 kaufte eine verschachtelte Immobiliengesellschaft das Areal und legte zwei Projekte dem Gestaltungsbeirat vor. Die Gemeindevertretung verhängte zwar eine Bausperre, doch das landschaftszerstörende, umwelt- und klimabelastende Projekt wird fortgesetzt. Und: „Das Investorenmodell ist undurchsichtig, sodass Zweitwohnungen und Leerstände nicht ausgeschlossen werden können“, so Salzmann. Zudem liege ohnedies ein überhitztes Bettenangebot in der Region vor. „In Maria Alm – Spitzenreiter bei Zweitwohnungen im Land Salzburg – wurden erst 2018/2019 rund 600 neue Betten in klotzigen Bauten in Sichtweite des spitzen Kirchturms hingeklatscht. Zur Umwelt- und Klimabelastung kommt da noch die Ortsbildverschandelung dazu.“

Für Salzmann ist klar: „Der Bau von weiteren Gästebetten, Zweitwohnungen und Leerständen muss in den übererschlossenen Tourismusgebieten gestoppt werden. Auch dies nicht zuletzt aus Klimaschutzgründen.“   


Hintergrundinformationen und mehr Details zu den beiden Projekten:

Neues Bauland Saalfelden Bsuch-Süd

  • 2014 wurde die Fläche von 2,4 ha Grünland für 24 Euro/m² durch einen Investor von einem Landwirt gekauft
  • Privatrechtlicher Vertrag, dass 50 % der Fläche im Sinne eines Baulandsicherungsmodelles für 130 Euro/m² verkauft werden müssen
  • 2019 Umwidmung in EW/A wegen fehlendem Trinkwasser, fehlender Oberflächenentwässerung, Verkehrsengstelle und einer zu entsorgenden Abfalldeponie
  • Zwischenstand 2021:
    Hauptproblematiken:
    -Gemeinde bohrte zwar erfolgreich nach Trinkwasser, jedoch fehlen noch Brunnen und Wasserleitungen
    -Gemeinde beantragte Oberflächenwasserprojekt, noch nicht umgesetzt
    -Verkehr und Abfalldeponie ebenfalls noch ungelöst
  • Hauptproblematik: Bsuch liegt 5 km vom Stadtzentrum entfernt, fehlende technische und soziale Infrastruktur, kein Nahversorger, keine Arbeitsplätze, mangelnder öffentlicher Verkehr; daher Autozwang und damit einhergehende Klimabelastung

Alte Widmung für Beherbergungsgroßbetrieb „Golfhotel Schinking“ (Saalfelden)

  • 1999 Widmung einer 2 ha großen landwirtschaftlichen Fläche nahe der Gemeindegrenze zu Maria Alm als Beherbergungsgroßbetrieb für 250 Gästezimmer, 2005 Erhöhung auf 350 Gästezimmer; 2005 Verordnung Bebauungsplan mit 3 Geschoßen, Baumasse 3,0 für die holländische Firma „La Perla“.
  • Nicht umgesetzt, Bauplatzerklärung und Baubewilligung abgelaufen
  • Zwischenstand 2021:
    Hauptproblematiken:
    -1,4 ha wurden für 4,7 Mio Euro an eine „MHP Urslautal GmbH“ verkauft
    -Aus dem Firmenbuch sind eine Namensänderung und verschachtelte Gesellschafter ersichtlich (Mountain REM GmbH, Mountain Tourismus Group, Mountain Homes GmbH, Five Rocket GmbH, Igel Vermietung GmbH)
    -Zweimal fielen vorgestellte Projekte im Gestaltungsbeirat durch
    -Gemeindevertretung beschloss eine Bausperre
  • Hauptproblematiken:
    -Völlig undurchsichtiges Investorenmodell, bei welchem Leerstände und Zweitwohnungsnutzungen nicht ausgeschlossen werden können
    -Landschaftszerstörung auf der Urslauterrasse und Verbrauch landwirtschaftlich wertvollen Bodens
    -Überhitztes Bettenangebot in der Region – der unmittelbare Nachbarort Maria Alm hat 6000 gewerbliche Gästebetten bei 2000 Einwohner. Hinzu kommen mindestens 3000 legale und illegale Betten in Zweitwohnsitzen
    -Kaum bezahlbare Grundstückspreise für die ansässige Bevölkerung
    -Klimabelastung durch Verkehr, Raumheizung, Liftbetrieb, Schneeerzeugung, Bautätigkeit, Abfall- und Abwasserwirtschaft,…..