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am 8. Mai 2014

"Krieg. Trauma. Kunst." im Salzburg Museum - Keine Straße für Kriegstreiber!

Heinrich Schellhorn - "Schön, dass diese Ausstellung zum 1. Weltkrieg ohne Retro-Kriegspropaganda auskommt. Eine Straße in Salzburg, benannt nach dem Kriegstreiber Conrad von Hötzendorf ist fragwürdig."

"Wir dürfen mit dem Verlauf der Geschichte hadern, wenn wir bereit sind, aus ihr zu lernen. Der Erste Weltkrieg mit seinen 17 Millionen Toten wäre vermeidbar gewesen. Aber es gab im Sommer 1914 keine politischen Strukturen, keine Persönlichkeiten und keine gesellschaftlichen Stimmungen, die der fatalen Kriegs-Dynamik etwas entgegensetzen hätten können. Der Ausbruch und Verlauf dieses Krieges war das Ergebnis eines vollständigen – auch moralischen – Versagens der politischen, diplomatischen, wirtschaftlichen, religiösen, militärischen und kulturellen Eliten." Das betonte heute, Donnerstag, 8. Mai, Kulturreferent Landesrat Dr. Heinrich Schellhorn anlässlich der Eröffnung der Ausstellung "Krieg. Trauma. Kunst." im Salzburg Museum in der Neuen Residenz.

Latenter Militarismus, ein "Patriotismus", besoffen von großen Worten und hohlen Phrasen, Kadavergehorsam, fehlende Demokratie und die arrogante mangelnde Wertschätzung für das Leben von Millionen Menschen hätten diesen Krieg erst ermöglicht. Er stehe für die schlechte alte Zeit.

In guten Händen

Kann eine Ausstellung dem Schrecken gerecht werden? Läuft letztlich nicht doch alles wieder auf eine Verharmlosung hinaus, oder wirkt die bei Ausstellungen häufige Reproduktion von Propagandamaterial sogar negativ? Kulturreferent Landesrat Heinrich Schellhorn verneint dies in diesem Fall: "Schon der Titel dieser Ausstellung setzt mit den Worten Krieg, Trauma und Kunst die richtigen Akzente. Und wenn wir nur einen Blick auf das Titelbild der Einladung zur Eröffnung der Ausstellung werfen, dann sehen wir in dem dort abgebildeten Kaiserjäger einen Menschen aus der Wirklichkeit, nicht aus der Kriegs-Propaganda. Ein verzweifelter, traumatisierter, angsterfüllter Mensch schaut uns an. Diese Ausstellung ist in guten Händen. Sie speist sich aus Kunst und Alltag und kommt ohne Retro-Kriegspropaganda und falschen Pathos aus. Dafür bedanke ich mich sehr und wünsche der Ausstellung viel Erfolg."

Stefan Zweig und die Einsamkeit der "Bei-Sinnen-Gebliebenen"

Schellhorn erinnert an einen hervorragenden Beobachter der Zeit vor und nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Der in Salzburg lebende Weltbürger Stefan Zweig habe in seiner "Welt von gestern" präzise die von der Kriegspropaganda entfachte Begeisterung in allen Bevölkerungsschichten und die furchtbare Einsamkeit der wenigen Bei-Sinnen-Gebliebenen geschildert. Schellhorn sieht darin ein Vermächtnis des großen Zeitzeugen: "Wir lernen daraus, dass es auch dann Sinn machen kann, gegen den Strom zu denken und zu schwimmen, wenn scheinbar alles verloren ist. Die Verhältnisse ändern sich oft schnell."

Eine Straße für den Kriegstreiber?

Noch einen Gedanken fügt Schellhorn an. Es gibt in Salzburg-Maxglan immer noch eine Conrad-von-Hötzendorf-Straße. Der Generalstabschef der österreichisch-ungarischen Armee war einer der schlimmsten Kriegstreiber. Ihm kommt eine zentrale Verantwortung für die mörderische Dynamik des Sommers 1914 zu. Schellhorn: "Wenn wir davon ausgehen, dass Straßennamen nicht ein wertfreier Spiegel der Geschichte sind, sondern mit Ihnen eine bewusste gesellschaftliche Ehrung verbunden ist, dann ist eine Conrad von Hötzendorf-Straße 100 Jahre nach Ausbruch des entsetzlichen Geschehens in Salzburg nicht länger akzeptabel."​