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am 21. Juli

Soziales Netz ist krisenfest

Heinrich Schellhorn - Pflege weiter ausgebaut / Rückgang bei Mindestsicherung / Corona-Folgen werden rasch und effizient abgefedert

Die Covid-19-Pandemie hat gezeigt wie angreifbar die Gesellschaft ist. Umso wichtiger sind gesicherte Strukturen, vor allem im Sozialbereich, die Ausnahmesituationen standhalten. Wie stabil diese Struktur in Salzburg ist, haben nicht nur die vergangenen Monate gezeigt. „Auch der Sozialbericht für das vergangene Jahr belegt, wie engmaschig dieses Netz die Salzburgerinnen und Salzburger in verschiedensten Lebenssituationen unterstützt“, sagte Landeshauptmann-Stellvertreter Heinrich Schellhorn heute bei der Präsentation des Berichtes.

„Wir haben ein gut funktionierendes und stabiles System und Netzwerk, dass über Jahre hinweg aufgebaut und weiter verbessert wurde. Das Sozialsystem ist immer in Bewegung und deshalb so effizient, weil ständig hingeschaut, zugehört und nachgeschärft wird. Besonders in Krisensituationen macht sich das bezahlt“, ist Landeshauptmann-Stellvertreter Sozialreferent Heinrich Schellhorn überzeugt. „Auf die noch nicht abschätzbaren Folgen der aktuellen Pandemie wird unser Sozialsystem weiterhin rasch und effizient reagieren müssen“, betont Schellhorn.

422 Millionen für soziale Sicherheit


Rund 15 Prozent der Gesamtausgaben des Landes, 422 Millionen Euro, fließen in die soziale Sicherheit. Fast die Hälfte davon in Pflege und Betreuung, ein Viertel in die Hilfe für Menschen mit Behinderungen und jeweils zehn Prozent wurden für die Kinder- und Jugendhilfe sowie für die Mindestsicherung aufgewendet. Fünf Prozent entfielen auf die Grundversorgung. „Heuer werden es rund 450 Millionen Euro sein. Im Sozialbereich wird also nicht gespart. Gerade in Krisenzeiten müssen die Menschen die Unterstützung bekommen, die sie brauchen“, versichert der Landeshauptmann-Stellvertreter. Das Jahr 2019 stand für den Leiter der Sozialabteilung, Andreas Eichhorn, „im Zeichen der Stärkung der bestehenden Strukturen, der Qualitätssicherung und Kontrolle, sowie der Vorbereitung und Schaffung neuer Leistungsangebote.“ 

Pflege hat größten Anteil am Budget


Rund 200 Millionen Euro, fielen im Vorjahr auf Pflege und Betreuung. „Aufgrund der demografischen Entwicklung bleibt der Pflegebereich sehr herausfordernd. In Zukunft werden wir die Pflegeangebote deshalb noch weiter ausbauen, um ältere und pflegebedürftige Menschen noch besser schützen und versorgen zu können“, sichert Schellhorn zu und ergänzt: „Der Trend ‚Pflege zuhause – so lange es möglich ist‘, hat sich auch 2019 fortgesetzt. Deshalb wird die bedarfsgerechte Pflege weiterhin gestärkt.“ 

Selbstbestimmung wird ausgebaut


Die Angebote zur Teilhabe von Menschen mit Behinderungen wurden ausgebaut. „Dazu zählen teilstationäre Einrichtungen, ambulante Betreuungsangebote sowie die persönliche Assistenz. Sie alle tragen wesentlich zur Selbstbestimmung und Lebensqualität von Menschen mit Behinderungen bei“, sagt Schellhorn. Insgesamt wurden 2019 im Land Salzburg 2.845 Personen durch Leistungen der Behindertenhilfe unterstützt, das sind um 70 Personen mehr als im Jahr zuvor. Unterstützt wurden damit Werkstätten, Wohnen für Menschen mit Lernschwierigkeiten beziehungsweise kognitiven und mehrfachen Behinderungen, Wohnen und Tagesstruktur für Menschen mit psychischen Erkrankungen, Heilbehandlung oder Mobilitätstraining, berufliche Ausbildung und Lohnkostenzuschüsse.

Kinder vermehrt daheim betreut


In der Kinder- und Jugendhilfe hat sich der Trend in Richtung ambulanter Angebote zur Unterstützung der Erziehung fortgesetzt, während die Zahl der Kinder und Jugendlichen in Krisenstellen oder sozialpädagogischen Wohngemeinschaften um neun Prozent gesunken ist. Diese Entwicklung wurde auch durch Einzelbetreuerinnen und -betreuer, die Kinder und Familien in ihrem Lebensumfeld unterstützen, verstärkt. Die Umsetzung des Anstellungsmodells läuft über die Sozialorganisation Rettet das Kind. „Damit schaffen wir auch für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der sozialen Arbeit gute und sichere Arbeitsplätze“, betont Heinrich Schellhorn, und ergänzt: „Auch für Bereitschaftspflegepersonen konnten wir ein attraktives Anstellungsmodell umsetzen“. Insgesamt war auch die Zahl der Pflegekinder rückläufig, bedingt durch die große Zahl an Kindern bei Pflegefamilien, die nun volljährig werden, und der aktuellen Rechtsprechung der Familiengerichte, die Wohngemeinschaften mit der Option einer Rückkehr in die Ursprungsfamilie den Vorrang gibt. 

Rechnungshof-Lob für Psychosozialen Dienst


Der Psychosoziale Dienst (PSD) ist eine wichtige Anlaufstelle für Menschen mit psychischen Erkrankungen und Suchtproblemen sowie für deren Angehörige im ganzen Bundesland. „Dies hat uns der Bundesrechnungshof im vergangenen Jahr bestätigt“, weiß Schellhorn: „Dem PSD wird ein wesentlicher Beitrag zur Qualitätsverbesserung des psychosozialen Versorgungssystems zugeschrieben“. Dem trug auch die gesetzliche Verankerung des PSD im Salzburger Teilhabegesetz im Jahr 2019 Rechnung.

Weniger Menschen in der Mindestsicherung


Wie schon in den Vorjahren ging auch 2019 die Zahl der Mindestsicherungsbeziehenden weiter zurück. Im Jahresdurchschnitt haben 7.900 Personen diese Hilfe erhalten, 800 weniger als 2018. Rund 30 Prozent davon sind Kinder und Jugendliche. Rund jeder Zehnte war erwerbstätig und benötigte aufgrund des geringen Einkommens zusätzliche Unterstützung. Offen ist allerdings, ob sich der Rückgang in diesem Bereich fortsetzt. „Aufgrund der Auswirkungen der Corona-Pandemie rechnen wir noch heuer mit einem Anstieg der Mindestsicherungs-Beziehenden. Aber unser Sozialsystem ist krisenfest. Es wurde über Jahre hinweg aufgebaut und wird ständig optimiert. Der Sozialbericht zeigt genau dieses stabile Netzwerk auf, das vom Land Salzburg und von den sozialen Dienstleistern gespannt ist“, betont Landeshauptmann-Stellvertreter Schellhorn.