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am 12. Juni 2014

Wie 26 Tage Vollsperre der Autobahn: Deutlicher Rückgang bei Stickoxiden durch Tempo 80

GRÜNE Salzburg - LH.-Stv. Rössler: „Probebetrieb erfolgreich, Temporeduktion ist deutlich wirksamstes Mittel gegen Schadstoffbelastung“

Der Probebetrieb Tempo 80 statt 100 km/h auf der Stadtautobahn zwischen der Auffahrt Nord und dem Knoten Walserberg von Mitte Februar bis Mitte Mai hat eine deutliche Reduktion der gesundheitsgefährdenden Belastung durch Stickoxide für die AnrainerInnen gebracht.

Wie die Auswertung zeigt, sind die mittleren Fahrgeschwindigkeiten bei PKW und Motorrädern um 12 km/h auf 82 km/h zurückgegangen, jene von LKW und Bussen von 86 auf 80 km/h. Dadurch konnte eine Verringerung der Stickstoff-Immissionen von 6 bis 7 Prozent erreicht werden. „Das entspricht einer Vollsperre der Autobahn von 26 Tagen und ist somit ein klarer Erfolg“, so Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Rössler. „Durch keine andere Maßnahme, etwa LKW-Nachtfahrverbote oder Fahrverbote für bestimmte LKW-Klassen, können die Luftschadstoffe in diesem Ausmaß gesenkt werden“.

Zur Auswertung im Detail

Luftgütemessungen

Die Luftgütemessstelle „Stadtautobahn A1“, die am 17.10.2013 im Nahbereich der Westautobahn in Siezenheim aufgestellt wurde, soll die Auswirkung der Geschwindigkeitsbeschränkung auf die Schadstoffbelastung dokumentieren. Bei strikter Einhaltung der vorgegeben Geschwindigkeiten und stets flüssigem Verkehrsaufkommen sollten sich rein rechnerisch (nach dem Handbuch für Emissionsfaktoren 3.1) die Stickstoffoxide gegenüber Tempo100 um ca. 13 Prozent reduzieren. Um die Auswirkung von Tempo80 abschätzen zu können wurden daher zwei Phasen miteinander verglichen:

  • Tempo100-Phase: 17.10.2013 bis 19.02.2014 (vorwiegend im Winter)
  • Tempo80-Phase: 20.02.2014 bis 19.05.2014 (vorwiegend im Frühjahr)

Da sich die meteorologischen Bedingungen während der beiden Phasen (Winter, Frühjahr) erheblich voneinander unterscheiden, wurden auch die Messdaten der autobahnnahen Messstelle „Hallein A10“ für den Vergleich herangezogen.​


Tagesgang von NOx


Analyse der Daten

Tempo80 hat bewirkt, dass sich die mittlere Fahrgeschwindigkeit aller Fahrzeuge des Leichtverkehrs (Pkw und Lieferwagen sowie Motorräder) um 12 km/h von 94 km/h (während Tempo100-Phase) auf 82 km/h reduziert hat; beim Schwerverkehr (Busse, Lkw und Pkw mit Anhänger) erfolgte eine Reduktion von 86 auf 80 km/h.

Während der Tempo80-Phase war das Aufkommen an Leichtverkehr etwa um 2%, dasjenige des Schwerverkehrs etwa um 9% höher als während der Tempo100-Phase. An der Tauernautobahn fiel die Zunahme des Verkehrsaufkommens mit +7% beim Leichtverkehr bzw. +17% beim Schwerverkehr deutlich höher aus.

In der Tempo80-Phase fuhren deutlich mehr Fahrzeuge des Leichtverkehrs auf dem rechten Fahrstreifen 1 (FS1), hingegen weniger auf den beiden anderen Fahrstreifen. Der Schwerverkehr hat auf allen Fahrstreifen zugenommen.

Erwartungsgemäß nahmen die Geschwindigkeiten von FS1 bis FS3 zu. Die mittlere Geschwindigkeit auf dem linken Fahrstreifen FS3 lag während der Tempo80-Phase deutlich über 80 km/h. Der Schwerverkehr ist auf allen Fahrstreifen ungefähr gleich schnell gefahren wie der Leichtverkehr.

Die meteorologischen Verhältnisse (Inversionen) und der Wind waren in Hallein und Salzburg während beider Phasen sehr ähnlich und damit vergleichbar. Da sowohl emissionsseitige als auch meteorologische Einflussgrößen die Immissionsänderungen zwischen den beiden Phasen bestimmt haben, wurden zum Vergleich auch die Verkehrs- und Immissionsdaten der Messstelle „Hallein A10“ herangezogen.

Zur Abschätzung des „Tempo80-Effektes“ betreffend Emissionen und Immissionen wurde daher für jeden Tag das Verhältnis der NOX-Emissionen und der NOX- Immissionen zwischen den Messstellen Siezenheim A1 und Hallein A10 gebildet. Diese Verhältnisse sind bei gleichen Ausbreitungsbedingungen im Mittel gleich. Während der Tempo100- und während der Tempo-80-Phase war das Verhältnis von Emissionen zu Immission aufgrund der vergleichbaren Meteorologie gleich.


Vergleich der NOx-Werte


Diese Gleichheit der Messwerte in der Tempo-80-Phase stellte sich dann ein, wenn die Emissionsreduktion 70 Prozent des theoretisch erwarteten Wertes erreichte. Für die fehlenden 30 Prozent führt Ökoscience zwei Hauptgründe an:

Einerseits die neue Verkehrssituation, an welche sich die Verkehrsteilnehmer erst gewöhnen müssen, sowie am vermehrten Spurwechsel vom Schwerverkehr, welcher Brems- und Beschleunigungsvorgänge anderer Verkehrsteilnehmer auslöst.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass durch Tempo80 eine Reduktion der Stickstoffoxide von rund 6 bis 7 Prozent erreicht wurde. Die gefundene Immissionsabnahme entspricht etwa der Hälfte des im Vorfeld prognostizierten Wertes. Zum einen erklärt sich dies durch das Ausmaß der Geschwindigkeitsreduktion, welche „nur“ 12 und nicht 19 km/h (das ist der Unterschied gemäß Handbuch Emissionsfaktoren) betrug. Zum andern lag der Grund bei der um 30% reduzierten Wirksamkeit des theoretisch zu erwartenden Effekts von Tempo 80.


Geschwindigkeiten je Fahrstreifen


Konsequenzen und weitere Vorgangsweise

Obwohl die Reduktion der Stickstoffoxide nicht ganz so hoch ausgefallen ist wie erwartet, ist mit keiner anderen Maßnahme auf Autobahnen ein vergleichbare Reduktion der Schadstoffe zu erreichen. Tempo80 hat immerhin denselben Effekt wie eine Gesamtsperre der Autobahn an knapp 26 Tagen pro Jahr. Um den Verkehr während Tempo80 flüssiger zu halten, wäre vor allem die Einhaltung entsprechender Sicherheitsabstände beim Schwerverkehr erforderlich. Die zu geringen Abstände beim Schwerverkehr verursachen unnötige Brems- und Beschleunigungsvorgänge beim Leichtverkehr.

„Als Konsequenz aus diesem Probetrieb ist für mich ganz klar: Tempo80 wirkt zur Schadstoffreduktion und dient somit dem Gesundheitsschutz. Sowohl aus der Auswertung, als auch aus den Reaktionen vieler AutofahrerInnen wissen wir aber auch, dass der Schwerverkehr stärker kontrolliert werden muss, um das Drängeln und zu knappe Auffahren auf der Autobahn zu unterbinden“, so Rössler. „Eine weitere Konsequenz muss eine bessere europäische Abstimmung bei der Strafeinbringung sein. Es darf nicht sein, dass einzelne Raser konsequenzlos durch halb Europa fahren können. Hier müssen wir uns stärker auf EU-Ebene einbringen, um die Fahrsicherheit für alle zu erhöhen“, kündigt Rössler an.

Die Umweltreferentin will die erfolgreiche Tempo- und Schadstoffreduktion jedenfalls fortsetzen. Die Ergebnisse werden nun in der nächsten Arbeitsausschusssitzung der Regierung vorgestellt und die weitere Vorgangsweise geklärt: „Die Verkehrsbeeinflussungsanlage der Asfinag soll bis November 2014 fertiggestellt sein. Ich werde mich für eine rasche Realisierung eines flexiblen Tempo80 einsetzen. Sollte sich die Errichtung bis in die besonders schadstoffbelastete Zeit im Winter verzögern oder die Luftsituation weiter verschlechtern, dann werde ich empfehlen, eine fixe Tempo80-Verordnung zu erlassen. Angesichts des stetig steigenden Verkehrs, sind wir das den AnrainerInnen schuldig“, so Rössler.