GRÜNE fordern Nachbesserungen beim Pestizid-Aktionsplan
Die Belastung des Salzburger Grundwassers mit der langlebigen und gesundheitsgefährdenden Chemikalie TFA steigt. Trotzdem bleiben PFAS-Pestizide, die unteranderem TFA enthalten, im Entwurf des Nationalen Aktionsplans über die nachhaltige Verwendung von Pflanzenschutzmitteln ab 2027 völlig unerwähnt. Die GRÜNE Klubobfrau Martina Berthold kritisiert diese Lücke und will mit einer Landtagsanfrage klären, wie sich Salzburg in die Erarbeitung des Aktionsplans eingebracht hat. „Unser Grundwasser ist keine Müllhalde für Chemikalien. Aktuelle Messdaten zeigen, dass TFA auch in Salzburg ein ernstes Problem ist. Trotzdem fehlt im neuen Pestizid-Aktionsplan jeder konkrete Ansatz, um diese Ewigkeitschemikalie an der Quelle zu stoppen. Das ist fahrlässig und gefährdet die Gesundheit der Salzburger:innen“, kritisiert Berthold.
TFA-Werte in Salzburg haben sich mehr als verdoppelt
Die Auswertung behördlicher Daten durch Global2000 brachte alarmierende Zahlen hervor: An der einzigen Salzburger Grundwassermessstelle, die sowohl 2018/19 als auch 2024 untersucht wurde, stieg die TFA-Konzentration im unteren Salzachtal von 0,318 auf 0,650 Mikrogramm pro Liter. Das ist mehr als eine Verdoppelung. In Wals-Siezenheim wurden 2024 sogar 2,60 Mikrogramm pro Liter gemessen. Gleichzeitig wurden im selben Jahr lediglich fünf Salzburger Grundwasserstandorte auf TFA untersucht und zwar alle im Unteren Salzachtal. TFA entsteht unter anderem beim Abbau von PFAS-haltigen Pflanzenschutzmitteln. Die Chemikalie ist extrem langlebig und fortpflanzungsgefährdend. „Wenn sich die Belastung an einer Messstelle innerhalb weniger Jahre mehr als verdoppelt und wir gleichzeitig nur einen kleinen Teil Salzburgs untersuchen, darf es keine Entwarnung geben. Wir brauchen Vorsorge, bevor noch mehr von dieser schädlichen Chemikalie in unser Wasser gelangt“, so Berthold.
Pestizid-Aktionsplan lässt entscheidende Fragen offen
Der Nationale Aktionsplan soll ab 2027 die Risiken und Auswirkungen von Pflanzenschutzmitteln auf Mensch und Umwelt verringern. Im aktuell vorliegenden Entwurf fehlen jedoch konkrete Maßnahmen zur Reduktion von PFAS-Pestiziden, verbindliche Reduktionsziele und ein langfristiges, standortgleiches Monitoring der TFA-Belastung. Auch eine österreichweite Pestizid-Anwendungsdatenbank ist nicht als konkrete Maßnahme vorgesehen, obwohl der Rechnungshof eine zentrale Sammlung und Auswertung der Anwendungsdaten empfohlen hat. „Der vorliegende Entwurf für den neuen Pestizid-Aktionsplan ist in seiner jetzigen Form völlig unzureichend. Die Belastung durch die Ewigkeitschemikalie TFA in unserem Grundwasser steigt, doch der Plan ignoriert diese große Gefahr für unser Trinkwasser. Wir brauchen einen verbindlichen Ausstiegsplan für PFAS-Pestizide. Unser Wasser und unsere Gesundheit dürfen nicht länger den Interessen der Pestizidindustrie untergeordnet werden“, fordert Berthold.
Landesrat Aigner muss Salzburgs Interessen vertreten
Die Bundesländer waren an der Erarbeitung des Aktionsplans beteiligt. Berthold kündigt deshalb eine Landtagsanfrage an: „Wir wollen wissen, wie sich Salzburg in den Prozess eingebracht hat, welche Position die Landesregierung zu PFAS-Pestiziden und TFA vertreten hat und warum diese Problematik im Entwurf keine Rolle spielt.“ Landesrat Maximilian Aigner sei gefordert, sich für den Schutz der Salzburger:innen einzusetzen und auf konkrete Reduktionsziele zu drängen. Die öffentliche Begutachtung des Entwurfs läuft noch bis 16. November 2026.