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am 21. Dezember 2017

KLARTEXT: Nockstein als Natura-2000-Gebiet

GRÜNE Salzburg - Die 380-kV-Freileitung hat uns in den vergangenen Tagen medial und im Landtag beschäftigt. Konkret geht es um den Vorstoß der SPÖ (basierend auf einem Vorschlag der Landesumweltanwaltschaft), das Gebiet um den Nockstein wegen Amphibienvorkommens als Natura-2000-Schutzgebiet auszuweisen.

Ziel dieser Unterschutzstellung ist, dadurch die Freileitung zu verhindern und eine Verkabelung zu erzwingen. Klingt gut, ist es aber leider nicht.

Denn tatsächlich sind – zumindest nach den bisher vorliegenden Expertisen - weder Kammmolch noch Gelbbauchunke geeignet, die Freileitung zu verhindern. Wir wollen trotzdem nichts unversucht lassen, weshalb Astrid Rössler nun im Ressort intensiv prüfen lässt, wie das Nockstein-Gaisberg-Areal doch als Schutzgebiet nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie sowie als Natura-2000-Gebiet ausgewiesen werden kann. Und natürlich wird dabei auch – neuerlich! - geprüft, ob und welche Auswirkungen eine solche Schutzgebietsausweisung auf das Genehmigungsverfahren der Leitung hat. Bis 31. Jänner soll der Prüfbericht vorliegen, dann wissen wir mehr. Darüber hinaus wird Astrid Rössler die Gemeinde Koppl einladen, sich mit ihr und den von einer Schutzgebietsausweisung betroffenen Grundbesitzern an einen Tisch zu setzen. Wir bleiben also dran!

Nachfolgend haben wir euch einige Hintergrundinfos darüber zusammengestellt, warum die von der SPÖ entdeckten Amphibien keine tauglichen „Leitungsverhinderer“ sind. Auch interessant in der Debatte: Mit welcher Doppelbödigkeit einer der prominentesten „Schutzgebietskämpfer“ in der Vergangenheit ausgerechnet dort gegen Schutzgebietsausweisungen aufgetreten ist, wo seine ganz persönlichen Interessen berührt waren!

Die SPÖ entdeckt Kammmolch und Gelbbauchunke.

In all den Jahren im Landtag war die SPÖ praktisch nie ein Partner für unsere Umwelt- und Naturschutzanliegen, schlimmer noch: Wo immer Fledermäuse, Nachtfalter oder andere seltene Tiere einem Projekt im Wege standen, wurde von der SPÖ die Arbeitsplatz- und Wirtschaftswachstumskeule geschwungen. Und jetzt plötzlich entdecken die Sozialdemokraten den Kammmolch und die Gelbbauchunke als schützenswerte Wesen? Hier fehlt schlichtweg jedwede Glaubwürdigkeit!

Amphibienschutz würde Kabelprojekt unmöglich machen.

Gerade wegen ihrer Unkenntnis in Sachen Naturschutz, setzt die SPÖ wohl auch auf das falsche Getier. Denn bei Kammmolch und Gelbbauchunke handelt es sich um Amphibien, deren Lebensraum von der Freileitung nicht beeinträchtigt ist. Das haben jedenfalls jene Autoren der Netzwerk-Natur-Studie, auf die sich Landesumweltanwaltschaft und in weiterer Folge SPÖ beziehen, bereits im Rahmen der Umweltverträglichkeitserklärung sowie des Verfahrens beim Bundesverwaltungsverfahren festgestellt.

Sehr wohl betroffen wären die am Boden lebenden Molche und Unken allerdings von einem Kabelprojekt durch den Nockstein: Die umfassenden Grabungsarbeiten, die für eine Verkabelung notwendig sind, wären mit dem Amphibienschutz nicht vereinbar. Das Kabelprojekt wäre damit verhindert, was keinesfalls in unserem Sinne ist.

Molch und Unke: zu geringe Vorkommen für ein Natura-2000-Gebiet.

Beide Arten sind lediglich auf zwei kleinen Teilflächen des angepeilten „Natura-2000-Wunschgebietes“ zu finden: Ein repräsentatives Vorkommen des Kammmolchs kommt in einem engen Bereich – bei den Eisteichen in Guggenthal – vor. Gelbbauchunkenvorkommen gibt es zwar am Nockstein (Soriat-Steinbrüche), aber auch an anderen Stellen des Flachgaus und zwar dort mit wesentlich dichteren Populationsgrößen (etwa an den Hängen des Haunsbergs). Aus dem bescheidenen Vorkommen am Nockstein lässt sich jedenfalls keine Verpflichtung zur Ausweisung eines Natura2000-Gebietes ableiten.

Das wesentliche Vorkommen des Kammmolchs befindet sich übrigens nicht im Nahbereich der geplanten 380-kV-Leitung, mit einem Schutzgebiet wäre somit ohnehin nichts gewonnen.

Doppelbödigkeit und Egoismus bei selbst ernanntem Naturschützer.

Unerträglich wird die Doppelbödigkeit, mit der sich angebliche Naturschützer wie Hans Kutil öffentlich äußern. Der Kurzzeit-Präsident des Salzburger Naturschutzbundes fordert im Gebiet um den Nockstein öffentlichkeitswirksam die Ausweisung eines 1.100 ha großen Gebiets als Natura-2000-Schutzgebiet. Pikantes Detail am Rande: Im Jahr 2012 war geplant, einen kleinen Teil der nun geforderten Fläche – konkret etwa 58 ha bei den sogenannten „Eisteichen“ – als Schutzgebiet auszuweisen. Dieses Vorhaben wurde damals von sieben Einzelpersonen beeinsprucht, darunter das Ehepaar Kutil, dessen Baugrund betroffen gewesen wäre! Ausgerechnet „Natura-2000-Befürworter“ Hans Kutil, der keine Gelegenheit auslässt, im Zusammenhang mit der 380-kV-Leitung über angebliche Grüne Versäumnisse im Naturschutz herzuziehen, boykottiert Schutzgebiete dort, wo sie seine ganz persönlichen (finanziellen) Interessen tangieren.


Die rote Linie markiert das im Landtag debattierte Schutzgebiet Die lila Fläche zeigt jenen Teil, der bereits 2012 als Schutzgebiet geplant gewesen wäre, dann aber am Einspruch von Grundbesitzern (darunter Hans Kutil) gescheitert ist.

Noch ein Detail am Rande: Die Landtagsparteien stimmten heute einhellig zu, dass das aktuelle Naturschutzgesetz den Naturschutz keineswegs – wie oft behauptet – „käuflich“ gemacht hat. Einstimmig wurde festgehalten, dass „Naturalmaßnahmen“ im Vollzug – so wie im Gesetz vorgesehen (!) – absoluten Vorrang haben. Geldleistungen kommen – dies wurde von uns schon zigmal klargestellt – lediglich dann zum Einsatz, wenn das Land die verordnete Ausgleichsmaßnahme selbst in Auftrag gibt und dann vom Projektbetreiber die Kosten dafür eintreibt.

Wer sich die Landtagsdebatte ansehen möchte, hier der Link (Runterscrollen zu 15:10 5.)​​