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am 25. April 2014

Ehrenzeichen des Landes Salzburg für Karl-Markus Gauß

Heinrich Schellhorn - Schellhorn: Brillante Schreibe und hohe politisch-gesellschaftliche Intelligenz / Verteidiger Salzburgs gegen die Arroganz der Metropolen

Der Salzburger Schriftsteller Karl-Markus Gauß bekam heute, Freitag, 25. April, im Stefan Zweig Center Salzburg mit dem "Ehrenzeichen des Landes" eine der höchsten Auszeichnungen des Landes Salzburg verliehen. "Ohne Zweifel ist Karl-Markus Gauß eine der profiliertesten intellektuellen Persönlichkeiten Salzburgs. Seine Bücher, Essays, Glossen oder Erzählungen sind ein sprachlicher und ein politischer Genuss. Die Symbiose aus brillanter Schreibkunst, hoher politischer und gesellschaftlicher Intelligenz, präziser Beobachtung und ausgeprägte Neugier ist in Österreich äußerst rar. Gauß hat etwas zu sagen und er kann das niederschreiben", so Kulturreferent Landesrat Dr. Heinrich Schellhorn bei der Überreichung des Ehrenzeichens an Gauß.

Verdienste um den Literaturstandort

Schellhorn betonte, jedes einzelne Buch von Gauß mit Gewinn und Vergnügen gelesen zu haben. Er persönlich finde auch die immer wieder durchscheinenden lokalpatriotischen Seiten des Schriftstellers schön: "Gauß ist ein kritischer Salzburger, aber er verteidigt Salzburg immer wieder gegen so manche pseudointellektuelle Arroganz aus den Metropolen. Seine Motive dabei sind keineswegs plumper Lokalpatriotismus, sondern ein Sinn für Fairness und seine Ablehnung von modisch-arrogantem Geplapper oder Nachgeplapper. Karl-Markus Gauß hat sich auch als langjähriger Herausgeber der Zeitschrift Literatur und Kritik des Salzburger Otto Müller Verlags um den Literaturstandort Salzburg hervorragend verdient gemacht. Dafür bedanke ich mich als Kulturlandesrat sehr."

Respekt vor schreiberischen Leistungen

Und noch etwas zeichne Gauß sympathisch aus. Nämlich sein riesiger Respekt vor redlichen intellektuellen und schreiberischen Leistungen anderer. Schellhorn: "Gauß liebt die Sprache und alle, die sich ihrer gekonnt und redlich bedienen. Es ist kein Zufall, dass literarische Porträts von fast und zu Unrecht vergessenen Schreibern oder schreibenden Außenseitern am Anfang seiner Karriere standen. In keinem Widerspruch dazu stehen scharfe Kritik an und heftige Auseinandersetzungen mit Literaten, bei denen er diese Qualitäten nicht sieht."

Gauß begreife Europa zudem aus seiner ganzen kulturellen und sprachlichen Vielfalt heraus. Er rücke vermeintliche "Ränder" Europas ins Zentrum und in den Blickpunkt der Aufmerksamkeit. Das könne für die Leserinnen und Leser nicht nur oft verblüffend, interessant und überraschend sein. Lange bevor Themen wie etwa die beschämende Armut und Ausgrenzung der Roma in weiten Teilen Europas bei uns ankommen sind, habe Gauß schon präzise darüber geschrieben. Schellhorn: "Das ist der Blick, den Europa braucht. Gauß belässt es dabei auch nicht. Der Schriftsteller ist sich auch für Bürger-Engagement nicht zu schade."

Das Ehrenzeichen des Landes Salzburg

Die Verleihung des "Ehrenzeichens des Landes Salzburg" erfolgt durch die Landesregierung nach Beschluss der Landesregierung. Das Ehrenzeichen ist eine der höchsten Auszeichnungen des Landes Salzburg. Es wird für hervorragende, durch öffentliches und privates Wirken erworbene Verdienste um das Ansehen des Landes Salzburg verliehen. Karl-Markus Gauß befindet sich damit in sehr guter Gesellschaft und er bereichert ab heute diese gute Gesellschaft. Schellhorn: "Wir sind froh, dass wir ihn haben und auszeichnen können. Das ist sehr gut für Salzburg."

Lebenslauf, Preise und Publikationen

Karl Markus Gauß wurde am 14. Mai 1954 in Salzburg geboren, wo er mit seiner Familie lebt. Er studierte Germanistik und Geschichte in Salzburg, ist freiberuflicher Autor, Kritiker und Essayist, schreibt unter anderem für die Süddeutsche Zeitung, Neue Zürcher Zeitung, Die Presse und den Standard. Seit 1991 ist er Herausgeber der Literaturzeitschrift "Literatur und Kritik". Karl-Markus Gauß erhielt unter anderem 1987 den Internationalen Preis von Portoroz für Essayistik, 1988 das Staatsstipendium für Literatur, 1994 den Österreichischen Staatspreis für Kulturpublizistik, 1997 den Europäischen Essaypreis "Charles Veillon", 2005 den Manès Sperber-Preis, 2007 den Mitteleuropa-Preis, 2009 den Großen Kunstpreis des Landes Salzburg und viele mehr. Gauß publizierte unter anderem folgende Werke: 1986 "Wann endet die Nacht. Über Albert Ehrenstein. Ein Essay, Verlag Edition Moderne", 1988 "Tinte ist bitter. Literarische Portraits aus Barbaropa", Verlag Wieser, 1989 "Der wohlwollende Despot. Über die Staatsschattengewächse", Verlag Wieser, 1997 "Das Europäische Alphabet", Verlag Zsolnay, 1999 "Vom Abkratzen. Nestroy und Raimund – zwei Dichter", Verlag Edition Thanhäuser, 2001 "Die sterbenden Europäer", Zsolnay Verlag, 2004 "Die Hundeesser von Svinia", Verlag Zsolnay, 2005 Wirtshausgespräche in der Erweiterungszone", Verlag Otto Müller, 2006 "Die versprengten Deutschen", Verlag Zsolnay oder 2013 "Das Erste, was ich sah", Verlag Zsolnay und viele mehr.

Seine Werke wurden ins Bulgarische, Französische, Italienische, Kroatische, Polnische, Rumänische, Slowakische, Slowenische, Spanische, Tschechische und Ungarische übersetzt.