Housing First: GRÜNE bringen Lösungsansatz in Landtag ein
Die GRÜNEN fordern die Salzburger Landesregierung auf, ein „Housing First“-Programm speziell für junge Erwachsene zwischen 18 und 27 Jahren zu entwickeln. Der Antrag von Kimbie Humer-Vogl, Sozialsprecherin der Grünen, wird kommenden Mittwoch im Ausschuss diskutiert.
Hintergrund sind tragische Vorfälle rund um den Salzburger Hauptbahnhof, wo junge Mädchen mit der Aussicht auf Drogen von erwachsenen Männern in Wohnungen gelockt, gefügig gemacht und zu sexuellen Handlungen genötigt werden. Caritas und Kinder- und Jugendpsychiatrie berichten von etwa 30 sehr jungen Menschen, die von der Kinder- und Jugendhilfe nicht ausreichend erreicht werden und einer ungewissen Zukunft entgegensehen.
„Das ist kein abstraktes Problem. Das sind junge Menschen, die nach ihrer Volljährigkeit buchstäblich auf der Straße landen, wo Drogen, Alkohol und Gewalt zur Alltäglichkeit werden“, sagt Humer-Vogl. „Wir müssen diesen jungen Menschen eine echte Perspektive geben, bevor es zu spät ist.“
Was ist Housing First?
Housing First bedeutet ein Paradigmenwechsel: Statt, dass wohnungslose Menschen zuerst mehrere Betreuungsstufen durchlaufen müssen oder ihre „Wohnfähigkeit“ nachweisen müssen, bekommen sie direkt Zugang zu eigenem, dauerhaftem Wohnraum. Daneben gibt es freiwillige, bedarfsorientierte Unterstützung aber ohne Wohnen und Betreuung zu verkoppeln. Dieser Ansatz wird in vielen Bundesländern längst erfolgreich umgesetzt.
Die Lücke in Salzburg
In Salzburg gibt es bereits Erfahrungen mit Housing First, insbesondere durch VinziDach. Allerdings richten sich bestehende Projekte vor allem auf wohnungslose Menschen mit Sucht- oder psychischen Erkrankungen. Ein spezielles Angebot für junge volljährige Menschen ohne diese Schwerpunkte fehlt völlig.
Das wurde auch deutlich, als alle Landtagsparteien die Jugendnotschlafstelle ExitNova besuchten: Ab 18 Jahren können diese Einrichtungen die jungen Menschen nicht mehr betreuen und es gibt kaum Alternativen. Sie landen auf der Straße.
Der Grüne Forderung
Die Landesregierung wird in dem Antrag ersucht zu prüfen, wie ein Housing First Ansatz für diese Zielgruppe unterstützt werden kann. Innerhalb von sechs Monaten soll dem Landtag ein Bericht vorgelegt werden.
„Housing First ist kein teures Experiment, sondern eine bewährte, kosteneffiziente Lösung“, betont Humer-Vogl. „Die Alternativen sind deutlich teurer: Polizeieinsätze, Notfallmedizin, Justiz. Und vor allem: Menschliches Leid.“
Die Salzburger Grünen erwarten von der Landesregierung, diese Chance zu ergreifen.