2. JULI 1944 IN GOLDEGG – 70 JAHRE DANACH
Die mediale Berichterstattung lässt für differenzierte Zwischentöne keinen Raum, entsprechend verkürzt spiegelt sich die Debatte um die Aufarbeitung der NS-Zeit in Goldegg wieder. Eine Klarstellung von Cyriak Schwaighofer, Obmann des Kulturvereins Goldegg und Klubchef der Salzburger Grünen im Landtag.
Klares Bekenntnis zur Aufarbeitung der NS-Zeit und zum Gedenken an die Opfer: „Den Opfern des unsäglichen NS-Terrors muss würdig gedacht werden, Goldegg hat sich hier seiner Geschichte zu stellen. Das Aufstellen eines Mahnmals kann jedoch nur Teil eines umfassenden Prozesses sein, in dessen Zentrum das Verstehen steht.“
Dialog mit der Bevölkerung: „Derzeit geht durch die Gemeinde ein tiefer Riss. Ein Mahnmal zu errichten, ohne den begleitenden Dialogprozess zu führen, würde den Graben nur vertiefen. Erfolgreiche Vergangenheitsbewältigung sieht anders aus. Es muss gelingen, die Geschehnisse von damals begreiflich zu machen, nur das wirkliche Verstehen bringt uns als Gesellschaft weiter“, ist Schwaighofer überzeugt. Und betont weiter: „Wir werden nicht alle überzeugen können. Aber möglichst viele sollten es schon sein. Ich bin überzeugt, dass es sich lohnt, die notwendige Zeit in diesen Dialog zu investieren.“
Zum Hintergrund: Am 2. Juli 1944 durchkämmte eine rund 1.000 Mann starke Todesschwadron der SS die Goldegger Gemeinde auf der Suche nach Wehrmachtsdeserteuren. Der sogenannte „Sturm“ der Nationalsozialisten forderte zahlreiche Opfer, mehrere Menschen wurden erschossen, andere in Konzentrationslager gebracht und ermordet. Insgesamt verloren damals 14 Menschen ihr Leben.
Bis heute fehlt sowohl eine wirklich fundierte Aufarbeitung der damaligen Ereignisse – zahlreiche Mythen stehen einer seriösen Bewertung der Geschichte entgegen – als auch ein würdiges dauerhaftes Gedenken an ALLE Opfer der seinerzeitigen Geschehnisse.
Der Kulturverein Schloss Goldegg – von der Gemeinde damit betraut, dieses dunkle Kapitel aufzuarbeiten – erachtet es als wichtig, dass der 70ste Jahrestag des SS-Sturms zum Anlass genommen wird,
- die Geschehnisse von damals und die Schicksale von Betroffenen nach den aktuellen Erkenntnissen und Recherchen von Historiken neu zu bewerten,
- die Erfahrungen und Erzählungen von Zeitzeugen und GoldeggerInnen in die Aufarbeitung der Geschehnisse miteinzubeziehen,
- daraus abgeleitet die Ortschronik von Goldegg in maßgeblichen Passagen zu diesen Ereignissen völlig neu zu verfassen, damit sie den Hintergründen und Folgen des 2. Juli 1944 gerecht werden,
- als Abschluss der Dialogprozesse diesen für ganz Österreich wichtigen Aktionen des Widerstands und seinen Opfern einen dauerhaften, würdigen Gedenk-Platz zu geben.
Folgende Veranstaltungen sind bereits fixiert bzw. geplant:
DI, 3. Juni:
Start des Dialogprozesses mit der Bevölkerung, Info-Abend über den Ablauf des Prozesses
MI, 2. Juli:
Uraufführung des Films „Unterdorf“ (AT) von Gabriele Hochleitner mit Expertengesprächen
DO, 3. Juli:
Salzburg-Premiere des Films „Deserteur“ von Gabriele Neudecker mit Expertengesprächen
September 2014: :
Geplanter Start eines wissenschaftlichen Projektes mit der Universität Salzburg zu den Ereignissen rund um den 2. Juli 1944
Ab 29. September 2014:
Vortrag zum Thema „Kriegstraumata“ im Rahmen der Goldegger Bildungswoche
17.-19. Oktober 2014: 13. Goldegger Herbstgespräche zum Thema „Widerstand“
Weitere Gespräche, Veranstaltungen etc. sind geplant und finden in den Zeiträumen zwischen den oben angeführten Terminen statt. Laufende Dokumentation des Dialogprozesses