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04.03.2022 Presseaussendung

Anthering - eine fahrradfreundliche Gemeinde?

Fahrrad steht an einem Radweg mit Mohnblume

Ist Radfahren in und um Anthering attraktiv und sicher? Kann man 12-Jährige getrost nach Bergheim oder Salzburg in die Schule radeln lassen, ohne sich Sorgen machen zu müssen?

Professionelle Fahrradberatung 2019

Im Jahr 2019 nahm die Gemeinde Anthering die „FahrRad-Beratung“, eine Initiative des Landes Salzburg, in Anspruch. Ein Projektteam aus Vertreterinnen und Vertretern der Gemeindepolitik und der Gemeindeverwaltung sowie Alltagsradler*innen aus Anthering beschäftigte sich mit der Frage, wie in Anthering der Alltagsverkehr mit dem Fahrrad noch attraktiver gemacht werden könne. Fachlich begleitet wurde dieser Prozess von der „komobile Gmunden GmbH“.

 

Das Ergebnis der vier Veranstaltungen, zu der das Projektteam zusammenkam, war ein Umsetzungsplan mit Maßnahmen, wie der Radverkehrsanteil – also das Radeln zur Arbeit, zur Schule, zum Einkaufen oder zu anderen Terminen und Aktivitäten – gesteigert werden kann. In der Gemeindevertretungssitzung vom 6.2. 2020 (!) wurde beschlossen, dass die Maßnahmen, die im Zuständigkeitsbereich der Gemeinde liegen, umgesetzt werden.

Warum wir jetzt – 2 Jahre später – davon berichten?
Weil der Großteil dieser Maßnahmen noch immer nicht verwirklich wurde!

Welche Maßnahmen wurden umgesetzt?

Was hat sich getan? Bei den Fahrradstreifen wurden zum Teil Markierungen verbessert und einige gefährliche Randsteine rückgebaut, im Ortsgebiet eine 30kmh-Zone verordnet und im Gewerbegebiet Lebersiedlung/Aupoint Parkverbote an Stellen erlassen, die die Sicht einschränken. Einige Fahrradständer wurden aufgestellt, aber bei weitem nicht alle, die im Umsetzungsplan vorgesehen sind.

Das war’s dann auch schon…

Fahrradstraße abgelehnt

Empfohlen, aber nicht umgesetzt, wurde die Verordnung einer Fahrradstraße zwischen dem Dorf und der Leberersiedlung bzw. zwischen Frauenbachweg und Leberersiedlung. Vielmehr lehnte die Mehrheit der Gemeindevertretung dies in einer späteren Sitzung ab. Begründung: In einer Fahrradstraße haben Radfahrende Vorrang gegenüber KFZ und „es könne wohl nicht sein, dass ein Auto oder Traktor hinter einem Fahrrad herfahren muss…“ Dr. Kranewitter, der als „Alltagsradler“ bei der FahrRad-Beratung mit dabei war, ist davon sehr enttäuscht. Das angeführte Argument überzeugt ihn nicht: „Auf diesen Strecken ist die Fahrbahn so schmal, dass Autos Radler*innen ohnehin nicht überholen können bzw. dürfen – wenn man sich an die Straßenverkehrsordnung hält!“

Noch keine Lösung für Unterführung in Lehen und Querung in Siggerwiesen

Ein weiteres ungelöstes Problem ist die Unterführung der B156 bei Lehen – wo der Radweg abrupt endet. Eine Weiterführung ist im Umsetzungsplan vorgesehen – wie aber umsetzen, wenn die Fahrbahn nicht verbreitert werden kann?  Eine Möglichkeit wäre, die Unterführung für KFZ einspurig zu gestalten – mit Wartepflicht in einer Richtung (so, wie das bei engen Durchfahrten oft der Fall ist.) In Anbetracht dessen, dass von Norden kommend nur wenige Autos in Lehen ab- und Richtung Dorf weiterfahren, durchaus eine zumutbare Maßnahme, finden wir. Jedoch handelt es sich um eine Landesstraße und deshalb kann eine solche Verordnung nicht die Gemeinde erlassen. Sie könnte sich aber sehr wohl beim Land dafür stark machen – was bislang nicht geschehen ist.

Für Pendler*innen von Anthering Richtung Bergheim (und das betrifft auch Schüler*innen!) ist außerdem die Querung der Straße, die vom Kreisverkehr nach Siggerwiesen führt, völlig unzufriedenstellend, weil sehr gefährlich. Auch hier kann die Gemeinde Anthering das Problem nicht alleine lösen. Es bräuchte dringend die Zusammenarbeit mit Bergheim und dem Land Salzburg. Angedacht ist eine Unterführung – aber das wäre wohl ein längerfristiges Projekt. Wollen wir wirklich so lange warten? Warum machen wir uns nicht für eine Vorrangregelung für Radfahrer*innen gegenüber dem KFZ-Verkehr stark? Das wäre für’s Erste allemal sicherer als die jetzige Situation!

Fahrradabstellplätze

Im Dorf vermissen Antheringer Radfahrer*innen ausreichend brauchbare Abstellplätze für Fahrräder – keine „Speichenkiller“, wie sie vor 50 Jahren üblich waren, sondern Bügelständer, an denen die Fahrräder auch sicher angeschlossen werden können – möglichst auch überdacht, damit die Sättel bei Regen nicht „eingeweicht“ werden. Im Umsetzungsplan sind Stellplätze für ca. 200 Fahrräder vorgesehen – bis auf wenige Ausnahmen wurden diese noch nicht angeschafft. Auf unser Drängen hin sind die Kosten dafür nun zumindest im Gemeindebudget 2022 vorgesehen.

Fahrradanhänger fördern

Die GRÜNE Gemeindefraktion hat außerdem angeregt, dass der Ankauf von Fahrradanhängern finanziell gefördert werden soll. Auch das ist im aktuellen Budget vorgesehen, der formelle Beschluss für die Subventionierung wird (hoffentlich!) bei der nächsten Gemeindevertretungssitzung gefällt.

Unser Fazit: Die Eingangsfrage ist leider noch mit „Nein zu beantworten. Um das Prädikat „Fahrradfreundliche Gemeinde“ zu verdienen, müssen wir noch ein gutes Stück Weg zurücklegen – wir bleiben dran!

Monika Wölflingseder

Sprecherin der Grünen Anthering, Gemeinderätin

[email protected]
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