PSYCHISCHEN ASPEKTEN DER PANDEMIE STÄRKER RECHNUNG TRAGEN
"Es braucht dringend einen besseren Zugang zu leistbaren therapeutischen Angeboten sowie mehr Informationen, um das Thema ‚psychische Erkrankung‘ aus der Tabuzone zu holen."
Dass sich im Gesundheitsministerium nun ein eigener Beraterstab speziell mit den psychischen Folgen der Pandemie befasst, wertet LAbg. Kimbie Humer-Vogl, Klubchefin der GRÜNEN im Salzburger Landtag, als „wichtige Maßnahme, mit der den psychischen Erkrankungen jener Stellenwert zugestanden wird, den dieser Bereich der Gesundheit mehr denn je braucht.“ Humer-Vogl erneuerte die Forderung der GRÜNEN nach besserer Zugänglichkeit zu leistbaren psychologischen Angeboten etwa durch Kassenverträge sowie nach mehr Informationen, „damit Betroffene sich überhaupt trauen, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen“.
„Finanzielle Probleme, Sorgen um die eigene bzw. die Gesundheit der Angehörigen, dazu Jobverlust, Einsamkeit und Zukunftsängste – es gibt in der aktuellen Situation wahrlich genug potenzielle Auslöser für psychische Probleme“, betont die Klubchefin. Die gestern (Mittwoch) von der Donau-Uni Krems veröffentlichte Studie, wonach jeder zweite Befragte zwischen 18 und 24 Jahren angab, unter depressiven Symptomen zu leiden, kommt für Humer-Vogl – im Zivilberuf als klinische Psychologin tätig – wenig überraschend. „Wir erleben auch in Salzburg seit Monaten ein massives Ansteigen an psychischen Erkrankungen.“ Alarmierend sind auch die Angaben der Christian-Doppler-Klinik, wonach schwere Angststörungen und Depressionen in den vergangenen Monaten „auffallend zugenommen“ hätten – auch bei Kindern und Jugendlichen. Darauf weisen auch steigende Kontaktaufnahmen von Beratungs- und Therapieeinrichtungen hin. Für Unterstützungen hat das Land vorgesorgt. 700.000 Euro zusätzlich sind für psychosoziale Hilfen von Familien in der Kinder- und Jugendhilfe zur Bewältigung der COVID-Krise für dieses Jahr budgetiert.
Vor diesem Hintergrund sei die Einrichtung eines eigenen Beraterstabes im Gesundheitsministerium „ausdrücklich zu begrüßen“, so Humer-Vogl. „Damit wird die psychische Dimension der Pandemie wieder in den Vordergrund gerückt.“ Zu hoffen sei, dass die Maßnahmen auch zur dringend notwendigen Entstigmatisierung beitragen: „Nach wie vor gibt es viele Vorurteile über Menschen mit psychischen Erkrankungen. Viele Betroffene trauen sich deshalb nicht, jene Hilfe in Anspruch zu nehmen, die sie eigentlich dringend benötigen. Indem die psychischen Aspekte der Pandemie breiter thematisiert werden, können wir dieses Thema aus der Tabuzone holen.“