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26.01.2016 Presseaussendung

DER SALZBURGER INTEGRATIONSWEG: ZIELE & MASSNAHMEN

"Integration bezieht beide Seiten ein: die neu Ankommenden und die hier lebenden Menschen." - Salzburg investiert in Deutschkurse, Ausbildung und Zusammenleben.

Salzburg ist im Jahr 2016 besonders gefordert, die Integration anerkannter Flüchtlinge zu unterstützen. Unter dem Motto „Integration von Anfang an“ setzt Landesrätin Martina Berthold jedoch auch auf integrative Angebote für asylsuchende Kinder, Frauen und Männer. Derzeit warten rund 4.850 Flüchtlinge auf die Entscheidung in ihrem Asylverfahren und wohnen in 85 der insgesamt 119 Salzburger Gemeinden und Städte organisierten Quartiere oder in Privatwohnungen. Im Bundesland Salzburg erhielten 2015 insgesamt 714 Menschen einen positiven Asylbescheid, 2014 waren es 300.

INTEGRATION ALS DIALOG

Integration ist ein Prozess, der beide Seiten aktiv einbezieht: die neu Ankommenden und die hier lebenden Menschen. Auf Basis gegenseitigen Respekts geht es darum, Information und Orientierung zu den unverhandelbaren Grundlagen der österreichischen Gesellschaft (zum Beispiel Gleichstellung der Geschlechter, Meinungs-, Gewalt- und Religionsfreiheit) zu geben und gleichzeitig andere Lebensweisen sowie Werthaltungen zu akzeptieren. Integration ist dann erfolgreich, wenn alle Menschen aktiv am sozialen, kulturellen und beruflichen Leben teilhaben können und sich als Teil der österreichischen Gesellschaft sehen beziehungsweise gesehen werden. Daher ist es wichtig, dass Integration als Dialog verstanden wird, als Geben und Nehmen.

MASSNAHMEN, DIE IM JAHR 2016 UMGESETZT WERDEN

Heuer liegt der Schwerpunkt bei den Integrationsmaßnahmen in den Bereichen Sprache und Grundlagen der österreichischen Gesellschaft, Ausbildung, Wohnen und Zusammenleben. Verstärkt werden dabei auch die Angebote zur Beschäftigung von Asylsuchenden beziehungsweise die Integration der anerkannten Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt. Ausgebaut werden die Unterstützung der freiwillig Helfenden und die Professionalisierung der Freiwilligennetzwerke.

STEIGERUNG DES INTEGRATIONSBUDGETS

Insgesamt stehen 2016 für Integrationsangebote 755.200 Euro zur Verfügung. Im Vergleich zum Vorjahr ist das eine Steigerung um 386.000 Euro oder ein Plus von 170 Prozent. Zusätzlich werden rund 300.000 Euro in Deutschkurse für Asylsuchende investiert. Darüber hinaus wird derzeit in vielen anderen Bereichen der Schwerpunkt auf Integration gelegt: in der Kinderbetreuung, Jugend- und Frauenarbeit und Erwachsenenbildung.

BESSERE KOORDINATION VON BUND, LÄNDERN UND GEMEINDEN

Integration ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die in den Städten und Gemeinden stattfindet und von Ländern und dem Bund unterstützt werden muss. Absolut notwendig ist hierbei eine enge Abstimmung der Integrationsmaßnahmen. Als ersten Schritt haben die für Integration ressortzuständigen Landesrätinnen und Landesräte der österreichischen Bundesländer im Dezember 2015 in Eisenstadt mit Bundesminister Sebastian Kurz eine 15a-Vereinbarung zwischen Bund und Ländern zur Integration abgeschlossen. „Diese müssen wir rasch umsetzen. Durch diese Vereinbarung werden Zuständigkeiten und Kostentragungen geklärt. Unser Ziel ist, dass wir sowohl für Asylsuchende als auch anerkannte Flüchtlinge Integrationsangebote – allen voran Deutschkurse – setzen“, betonte Berthold heute, Dienstag, 26. Jänner, bei einem Informationsgespräch im Chiemseehof. Gleichzeitig befürwortet die Integrationslandesrätin den Vorschlag des Bundes und der Länder beim vergangenen Asylgipfel, in eine Integrationsplattform auch die Städte und Gemeinden mitaufzunehmen.​

„Integration bezieht beide Seiten ein: die neu Ankommenden und die hier lebenden Menschen.“
Landesrätin Martina Berthold

DIE VIER STATIONEN DES SALZBURGER INTEGRATIONSWEGES

Die vier Stationen des Salzburger Integrationsweges umfassen Sprache und Grundlagen der österreichischen Gesellschaft, Ausbildung und Arbeit, Wohnen sowie Zusammenleben und Respekt.

1. SPRACHE UND GRUNDLAGEN DER ÖSTERREICHISCHEN GESELLSCHAFT

Deutsch als gemeinsame Sprache – von Anfang an: Das Erlernen der deutschen Sprache ist wesentlich für den Integrationsprozess. Sprachkurse werden in Salzburg bewusst bereits Asylsuchenden zur Verfügung gestellt. Die Salzburger Volkshochschule (VHS) bietet im Auftrag des Landes die Deutschkurse dabei sowohl den Bewohnerinnen und Bewohnern der organisierten Flüchtlingsquartiere als auch den insgesamt 735 privat wohnenden Asylsuchenden an.

 

Salzburg hat sich hier zum Ziel gesetzt, den Asylsuchenden den Abschluss des Grundzertifikats (A1-Grundstufe) zu ermöglichen. Dieses befähigt zur Kommunikation in einfachen Alltagssituationen. Damit ist auch die Grundlage für die Integration in den Arbeitsmarkt gelegt, denn das Arbeitsmarktservice übernimmt nur die Menschen in Betreuung, die ein A1-Zertifikat vorweisen können. So werden nicht nur Selbstwert und Kommunikationsfähigkeit gestärkt, sondern auch die Selbsterhaltungsfähigkeit. Damit kann die Dauer des Mindestsicherungsbezugs möglichst gering gehalten werden.

 

2015 wurden 1.348 Asylsuchende in mehr als 130 Kursen in die deutsche Sprache eingeführt. Für heuer sind rund 200 Kurse geplant, dafür werden aus dem Budget der Grundversorgung 300.000 Euro investiert.

 

Zusätzliche Sprachtrainings

Deutsch wird nicht nur durch zertifizierte VHS-Lehrpersonen vermittelt, sondern auch durch zahlreiche engagierte Salzburgerinnen und Salzburger. Unter dem Titel „Sprachtraining im Freiwilligennetz“ bildet das Diakoniewerk Salzburg im Auftrag von Stadt und Land ehrenamtliche Sprachtrainerinnen und -trainer aus.

An sechs Lehrgangsmodulen werden Deutsch als Fremdsprache, Integration und Migration, Asylrecht und die psychologischen Hintergründe von Flucht und Trauma behandelt. Für die Sprachtrainings stehen einheitliche Lernmaterialien, die freiwillig Engagierte kostenlos herunterladen können, zur Verfügung. Rund 130 Sprachtrainerinnen und -trainer sind bisher ausgebildet worden, die meisten sind bereits im Einsatz. War das Angebot bisher noch auf die Stadt Salzburg und den Zentralraum beschränkt, so wird dieses Netzwerk 2016 auf das gesamte Bundesland ausgeweitet und heuer mit insgesamt 180.000 Euro gefördert.

 

Neue Kurse für Flüchtlinge werden zudem an der Universität Salzburg über das Programm „More4refugees“ angeboten. Und auch die Fachhochschule Salzburg öffnet ab 2016 ihre Deutschangebote für Flüchtlinge.

Wesentlicher Teil der VHS-Deutschkurse und der Sprachtrainings sind Informationen zu den Grundlagen der österreichischen Gesellschaft, zum Alltagsleben und zum Umgang der Geschlechter. Diese werden von den Lehrenden anhand konkreter Fragestellungen erläutert und besprochen. Erfahrungen zum Beispiel aus dem Diakonie-Flüchtlingsquartier in Liefering zeigen, dass großer Bedarf und Interesse an diesen kulturellen Orientierungen bestehen.

 

„Die Menschen, die zu uns geflüchtet sind, wollen sich bei uns schnell zurechtfinden und selbstständig werden. Dafür brauchen sie unsere Unterstützung. Wir müssen sie über die unverhandelbaren Grundlagen unserer Gesellschaft informieren, die Gleichstellung von Frauen und Männern, Gewalt-, Meinungs- und Religionsfreiheit sowie die Gleichrangigkeit von hetero- und homosexuellen Lebensformen. Gleichzeitig ist es wichtig, ihnen zu helfen, ihren Platz mitten in unserer Gesellschaft – und nicht am Rande – zu finden“, betonte Berthold.

 

Integration in Kindergärten

Viele Kinder flüchten mit ihren Familien nach Salzburg. Derzeit sind rund 120 von ihnen zwischen drei und sechs Jahre, und viele besuchen einen Kindergarten. Landesrätin Berthold hob als positive Beispiele Gemeinden wie zum Beispiel Seekirchen am Wallersee hervor, „die Flüchtlingskinder nicht nur im verpflichtenden letzten Kindergartenjahr, sondern bereits früher mit offenem Herzen in Gemeindekindergärten aufnehmen und finanziell unterstützen“.

 

Auseinandersetzung mit Flucht und Migration in Elementarbildung

Auch in der Fortbildung der Kindergartenpädagoginnen und -pädagogen wurde rasch auf die aktuellen Bedarfe reagiert. Das Zentrum für Kindergartenpädagogik des Landes bietet gemeinsam mit der kirchlichen pädagogischen Hochschule Edith Stein fünf Seminare zu Flucht-Trauma-Migration an. Landesrätin Berthold schätzt die professionellen Angebote: „Die in den Seminaren vermittelten Hintergrundinformationen führen zu einem besseren Verständnis für herausfordernde Situationen im Kindergartenalltag und zeigen Möglichkeiten für die konkrete pädagogische Arbeit mit Flüchtlingskindern auf.“

 

Integrationsarbeit ist bereichernd, aber auch sehr fordernd. Daher werden Kindergartenpädagoginnen und -pädagogen mit ihren Fragen und Unsicherheiten nicht alleine gelassen. Die Beratungsstelle Fokus des Zentrums für Kindergartenpädagogik bietet Beratung und Coaching für Einzelpersonen und Betreuungsteams.

2. AUSBILDUNG UND ARBEIT

Die Arbeitsmöglichkeiten für Asylwerbende sind durch die derzeitige gesetzliche Lage stark eingeschränkt. Möglich sind lediglich Saisonarbeit in Tourismus oder Landwirtschaft, Hilfsarbeiten in den Asylquartieren, gemeinnützige Beschäftigung oder selbstständige Erwerbsarbeit. Jugendlichen und jungen Flüchtlingen stehen Lehrausbildungen in Mangelberufen offen.

 

Gemeinden, Bund und Länder können Asylwerbende gemeinnützig beschäftigen. In der Stadt Salzburg gehören Asylsuchende bereits zum vertrauten Bild. Sie helfen mit bei der Pflege von Parks und Grünflächen, bei der Reinigung der Straßen oder des Christkindlmarkts. Rund 180 Personen wurden 2015 gemeinnützig beschäftigt. Auch Gemeinden und Städte wie Krimml, Mittersill, Tamsweg, Annaberg-Lungötz, Zell am See oder Mauterndorf haben 2015 Asylwerbenden Beschäftigung geboten. Das Land Salzburg wird 2016 Beschäftigungen anbieten.

 

Intensive Betreuung für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge – also Kinder und Jugendliche, die ohne Begleitung geflüchtet sind – brauchen besonderen Schutz und intensive Unterstützung. „Dazu zählen Intensiv-Deutschkurse und eine klare Tagesstruktur mit Ausbildungs-, Freizeit- und Beschäftigungsmöglichkeiten. In dem Zusammenhang ist die Ausbildungspflicht bis 18 Jahre, die der Bund ab Herbst einführen will, positiv. So werden Bildungsabbrüche und damit oft das Abgleiten in prekäre Arbeitsverhältnisse verhindert. Ein Schul- oder Lehrabschluss wird in Österreich zum Standard für alle Jugendlichen. Davon profitieren auch Flüchtlinge“, so Berthold.

 

Derzeit werden mehr als 220 unbegleitete Kinder und Jugendliche in insgesamt zwölf Landesquartieren von SOS Kinderdorf, Verein Einstieg, Verein Menschen.Leben sowie von Rettet das Kind betreut. Weitere mehr als 200 Flüchtlinge, die unter 18 Jahre alt sind, sind im Bundesquartier in Wals-Siezenheim untergebracht. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, neue Plätze für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge zu schaffen. Das große Containerquartier in Wals-Siezenheim kann nur eine Notlösung sein. 100 neue Plätze für jugendliche unbegleitete Flüchtlinge werden bis Ende Februar geschaffen“, informierte Landesrätin Berthold.

 

Angebote für unbegleitete und auch begleitete junge Flüchtlinge

Zusätzlich zu Deutschkursen aus der Grundversorgung werden ab 2016 für unbegleitete junge Flüchtlinge auch aus dem Budget der Kinder- und Jugendhilfe Unterrichtseinheiten finanziert.

 

Basisbildungs- und Pflichtschulabschluss-Kurse stehen allen jungen Flüchtlingen auch 2016 in unvermindertem Ausmaß zur Verfügung. Diese werden aus dem Bereich der Erwachsenenbildung finanziert.

Noch viel zu wenige jugendliche Flüchtlinge steigen in einen Lehrberuf ein. Daher werden heuer gezielte Ausbildungsprojekte für Flüchtlinge bis 25 Jahre umgesetzt. Gemeinsam mit dem Arbeitsmarktservice, der Wirtschaftskammer und vor allem Tourismusbetrieben werden hier Win-Win-Situationen geschaffen.

Im Frühjahr 2016 startet die Unterbringung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in Gastfamilien. Die zentralen Vorbereitungsarbeiten dazu wurden von der Kinder- und Jugendanwaltschaft übernommen. Über das Projekt „Open Hearts“ wurden interessierte Familien auf die Beziehungsarbeit mit jungen Flüchtlingen vorbereitet.

3. WOHNEN

Nach der Freude über den positiven Asylbescheid stehen anerkannte Flüchtlinge vor der nächsten großen Herausforderung: Sie können nur mehr vier Monate in den betreuten Grundversorgungsquartieren bleiben und müssen sich eine eigene Wohnung suchen. Das vom Land Salzburg mitfinanzierte Projekt „INTO“ des Diakonie-Flüchtlingsdienstes bietet in der Stadt Salzburg und in Bischofshofen Unterstützung und Beratung bei der Wohnungssuche. 2015 wurde für 285 Personen in Land und Stadt Salzburg Wohnraum vermittelt: für 140 Personen private Wohnungen und für 145 sogenannte Integrationsstartwohnungen. Im Jänner 2016 konnten bereits 45 Personen wohnversorgt werden. Dennoch warten in der Stadt Salzburg und Umgebung aktuell 235 Personen auf eine Wohnung.

 

Ausbau der Wohnberatung: Wohnen in den Bezirken

Um den Zuzug in die größeren Städte abzufedern, wurde im September 2015 mit Landesgeldern eine zweite Wohnvermittlungsstelle in Bischofshofen eröffnet. Bis Jänner 2016 wurden hier 24 Personen wohnversorgt, für weitere 30 Personen sind Wohnungen für den kommenden Monat anvisiert. Auf der Warteliste sind derzeit 79 Personen registriert.

 

Um anerkannte Flüchtlinge landesweit unterstützen zu können, wird die Wohnberatung im heurigen Jahr auf alle südlichen Bezirke ausgeweitet.

4. ZUSAMMENLEBEN UND RESPEKT

Viele Salzburgerinnen und Salzburger helfen freiwillig und mit großem persönlichem Einsatz. Aber auch die Helfenden benötigen Unterstützung, Austausch und Anregungen. Daher stand bei der Veranstaltung „Salzburg hilft“ in Neumarkt am Wallersee im Oktober 2015 die Hilfe für Helfende im Mittelpunkt. „Die Arbeit mit Flüchtlingen ist bereichernd, kann aber auch sehr belastend sein. Helfende erleben die eigenen Grenzen und Ohnmacht angesichts des unfassbaren Leids oder auch Ärger, wenn Dankbarkeit nicht so gezeigt wird, wie erwartet. Vor allem der Austausch der Erfahrungen und die Reflexion der Erlebnisse sind wichtig für die Helfenden“, so Landesrätin Berthold.

 

Die Angebote werden im laufenden Jahr weiter ausgebaut. Im Auftrag des Landes bietet daher das Salzburger Bildungswerk Freiwilligeninitiativen regionale Fortbildungen und Austausch an. Unter dem Titel „Hilfe, Menschen sind in unsere Gemeinde geflüchtet! Hilfe und Koordination im Asylbereich – so geht’s“ fand am 22. Jänner die erste Veranstaltung in Golling statt. Die Fortbildung richtet sich an Gemeinden, Freiwilligenkoordinatorinnen und -koordinatoren, Freiwillige sowie Quartiergeberinnen und Quartiergeber.

INTEGRATIONSPLATTFORM ALS BERATERIN DER POLITIK

Im Dezember 2015 wurde die Salzburger Integrationsplattform eingerichtet, diese berät die Landesregierung in Migrations- und Integrationsangelegenheiten. Die erklärten Ziele sind es, neue Wege der Integration aufzuzeigen, die zugewanderte Bevölkerung aktiv zu beteiligen und ein generelles, integrationsbejahendes Klima in Politik und Gesellschaft zu schaffen. Im Frühjahr 2016 wird die Integrationsplattform ihr Arbeitsprogramm präsentieren und ihre Arbeit aufnehmen.

 

Die Integrationsplattform umfasst 13 Mitglieder. Das sind neben Personen aus Vereinen, Communities und Selbstorganisationen auch Vertretende aus Stadt, Land und dem Österreichischen Integrationsfonds.

 

EMPFEHLUNGEN DES BÜRGERRATS FÜR INTEGRATION WERDEN ÜBERNOMMEN

Im November 2015 wurden mit der Methode des Bürgerinnen- und Bürgerrats nach Zufallsprinzip 16 Salzburgerinnen und Salzburger ausgewählt. Diese haben sich zwei Tage damit beschäftigt, wie Integration in Salzburg gelingen kann. Nach durchaus kontroversen Diskussionen wurden konkrete Empfehlungen an die Politik gerichtet. Unter anderem wurde der Wunsch nach mehr Kommunikation und Bürgerinnen- und Bürgerbeteiligung formuliert und gefordert, dass permanent informiert werden solle – und zwar über angenehme und auch unangenehme Fakten. Durch Begegnung und Kontakt soll Angst genommen werden. Die Ergebnisse dieses Bürgerinnen- und Bürgerrats werden mit Asylsuchenden und anerkannten Flüchtlingen diskutiert werden. Parallel dazu wird die Integrationsplattform um Stellungnahme gebeten. Die Ergebnisse dieser Auseinandersetzungen fließen sowohl in die laufenden Projekte ein, als auch in die „Charta zur Integrationspartnerschaft“. Diese wird bis März erarbeitet und gibt sowohl für Flüchtlinge als auch für Salzburgerinnen und Salzburger Orientierung, wie Integration gelingen kann.

 

LANDESJUGENDBEIRAT SETZT PRIORITÄTEN

Auch der Salzburger Landesjugendbeirat hat für das heurige Jahr den Schwerpunkt auf Integration gelegt. Dabei haben sich die engagierten Vertreterinnen und Vertreter von Jugendzentren und Jugendverbänden zum Ziel gesetzt, Kinder und jugendliche Flüchtlinge in ihre konkreten Aktionen und Projekte in den Bezirken einzubeziehen.

 

SALZBURG STARTET 2016 INTEGRATIONSPROJEKT HEROES

Noch in diesem Frühjahr startet das Land Salzburg das Integrationsprojekt Heroes, das seit 2008 sehr erfolgreich in Berlin durchgeführt wird. „Bei Heroes werden junge Männer mit Migrationshintergrund zu Botschaftern für eine geschlechtergerechte und gewaltfreie Gesellschaft ausgebildet. Sie gehen mit ihren Botschaften in Schulen und Jugendzentren, aber auch in Quartiere für junge Flüchtlinge“, erläuterte Landesrätin Berthold.

 

FÜR EINEN RESPEKTVOLLEN UMGANG MIT FRAUEN

Auf Anregung des Landes wird die Salzburger Beratungsstelle Männerwelten in die Arbeit mit erwachsenen männlichen Flüchtlingen einsteigen. Die Berater der Männerwelten, die Männern seit vielen Jahren bei der Bewältigung und gewaltfreien Lösung von Krisen zur Seite stehen, starten kommenden März ein Projekt, bei dem Männer mit Migrations- und Fluchterfahrungen als Multiplikatoren ausgebildet werden, um in Asylquartieren oder bei Veranstaltungen und Festen mit männlichen Flüchtlingen die Themen respektvoller Umgang mit Frauen, Gleichbehandlung, Nähe und Distanz besprechen.

 

GEWALTSCHUTZZENTRUM: GESPRÄCHSRUNDEN IN ASYLQUARTIEREN

„Jeder Mensch hat das Recht auf körperliche und psychische Unversehrtheit. Gewalt in der Familie und Gewalt im sozialen Umfeld sind keine Privatsache.“ So lautet das Credo des Salzburger Gewaltschutzzentrums. Auf das Ersuchen des Landes hin wird die anerkannte Salzburger Opferschutzeinrichtung ab Februar in Asylquartieren aufklärend und gewaltpräventiv tätig werden. Im Zentrum der Gesprächsrunden stehen der respektvolle und gleichberechtigte Umgang von Frauen und Männern.

 

„Die sexuellen Übergriffe, denen Frauen in der Silvesternacht in Köln und auch in Salzburg ausgesetzt waren, sind durch nichts zu rechtfertigen. Jede Art von Gewalt, egal von wem sie ausgeht, ist ohne Wenn und Aber zu verurteilen“, stellte Frauen- und Integrationslandesrätin Berthold klar. „Gleichzeitig ist es absolut abzulehnen, alle asylsuchenden Männer als Gewalttäter darzustellen. Viele Flüchtlinge sind durch die Vorfälle sehr verunsichert. Daher ist beides notwendig: klares Aufzeigen der Grenzen und die Orientierung im respektvollen Umgang mit Mädchen und Frauen.“​

Martina Berthold

Klubobfrau der GRÜNEN im Landtag, GRÜNE Landessprecherin Salzburg

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