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04.05.2022 Presseaussendung

DIE LANDSCHAFT GEHÖRT UNS – AUCH OHNE BESITZ

Der verschneite Untersberg in Grödig

Gastkommentar von Winfrid Herbst, Naturschutzbund Salzburg

 

Man liegt nicht weit daneben, wenn man die Wiesen, Moor- und Feuchtflächen im Schatten des Untersberges vom göttlichen Funken angehaucht glaubt. Die Fluren rund um Grödig, die in hartem Ringen mit den Naturkräften durch Willen, Kraft und Axt, Schaufel und Pflug allmählich in eine Nährlandschaft umgestaltet worden sind und sich uns heute so schön, so vielseitig, so ruhig und so beruhigend zeigen.

 

Da spiegelt sich die eigene Vergangenheit noch immer in den Flurnamen, den Wiesen und Waldrändern. In jedem Wegerl, Graben, oder Wäldchen steckt sie noch. Hier hat die Buntheit und Vielfalt überdauert, die wir nach den trockenen Stunden am Computer oder hinter der Supermarktkasse, dem lärmenden Verkehr oder Fließband bitter nötig haben. Hier, wo uns der Wind umschmeichelt und das bunte Grün Augen und Geist beruhigt.

 

Wir brauchen diese Landschaft mit Ge- schichte, mit unserer Geschichte. Wir können uns darin erkennen und nicht bloß Geld, das uns entgeht, wenn wir sie unter Beton verschwinden lassen (so wie täglich 120.000 m2 anderswo in Österreich). Landschaft ist nichts Dahergelaufenes, kein beliebiger Flecken, es ist ein Teil von uns, verleiht uns Mut und Kraft. Wenn wir das alles oder auch nur zu viel davon aufgeben, verlieren wir uns selbst. Denn ihre Früchte müssen unsere Körper nähren, und ihre Farben die Psyche.

 

Aber wieso sehen wir dem Verlust der Wiesen und Äcker rund um uns so unbewegt, so ungerührt zu? Mit der teilnahmslosen Preisgabe von Landschaft und landschaftlicher Vielfalt durch

uns werden erst diejenigen die Opfer bringen müssen, die in Zukunft davon zu wenig haben. Es ist an der Zeit, dass wir uns engagieren, Projekte hinterfragen, diskutieren und mitzuentscheiden lernen. Wir sollen mit unserer Kritik an Landschafts- und Naturverbrauch andere Wege denkmöglich machen, wie wir trotzdem gut und erfüllt leben können. Nicht blind verhindern, aber klug in Frage stellen.