DIE STADT SALZBURG BRAUCHT LEISTBARE BETREUUNGSPLÄTZE!
Eltern in der Stadt Salzburg bezahlen im Schnitt drei Mal so viel für einen Krabbelgruppenplatz wie Eltern in den ländlichen Bezirken. Die Grünen fordern nun, dass diese Ungerechtigkeit bei den Tarifen beseitigt wird. Außerdem soll eine Servicestelle zur Unterstützung der Eltern eingerichtet werden.
„Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren müssen auch in der Stadt Salzburg leistbar sein“, das fordern die GRÜNEN FamiliensprecherInnen von Stadt und Land LAbg. Barbara Sieberth und Gemeinderat Bernhard Carl in einem gemeinsamen Pressegespräch. Sie kritisieren, dass Eltern in der Stadt Salzburg im Schnitt drei Mal so viel für einen Krabbelgruppenplatz bezahlen müssen wie Eltern in den ländlichen Bezirken.
Die GRÜNEN fordern die Stadt nun auf, entsprechende Maßnahmen zu setzen, um die Tarife für Krabbelgruppen auf Stadtgebiet jenen in den Umlandgemeinden anzugleichen. Ebenso fordern sie eine Servicestelle, die Eltern von unter Dreijährigen beim Finden einer geeigneten Betreuungseinrichtung sowie beim Anmeldungsprocedere unterstützt.
TARIFE FÜR KRABBELGRUPPEN IN DER STADT AM TEUERSTEN
Während bei den Kindergärten landesweit die Tarife relativ einheitlich sind, gibt es bei den Krabbelgruppen einen eklatanten Preisunterschied zwischen Stadt und Land. Aus den von der Landesstatistik erhobenen Tarifen sämtlicher Betreuungseinrichtungen aller Salzburger Gemeinden geht deutlich hervor: die Krabbelgruppenplätze in der Stadt Salzburg sind landesweit am teuersten.
Während Eltern in der Stadt Salzburg für einen Krabbelgruppenplatz durchschnittlich 385 Euro bezahlen müssen, schlägt sich ein Betreuungsplatz im Flach- und Tennengau mit nur 116,5 Euro und im Lungau, Pongau und Pinzgau im Schnitt mit 133 Euro zu Buche. Damit ist der Tarif in der Stadt Salzburg im Schnitt dreimal so hoch wie in den ländlichen Bezirken.
| Bezirk/Gemeinde | Elterntarif |
| Stadt Salzburg | Ø 385 € |
| Tennengau/Flachgau | Ø 116,5 € |
| Lungau/Pongau/Pinzgau | Ø 133 € |
| Wals-Siezenheim | 116 € |
| Grödig | 117 € |
Abb. 1: Durchschnittstarife für Krabbelgruppen in der Stadt Salzburg und den Landbezirken sowie Tarife in den städtischen Umlandgemeinden Wals-Siezenheim und Grödig.
„Wie soll ich Eltern erklären, warum sie in der Stadt Salzburg für dieselbe Leistungen – also einen Betreuungsplatz für ihr Kind – bis zu dreimal so viel zahlen wie etwa Eltern im wenige hundert Meter entfernten Wals“, sagt LAbg. Barbara Sieberth. Eine Recherche in den Umlandgemeinden der Stadt ergab, dass die Krabbelgruppentarife dort deutlich unter dem Niveau der Stadt liegen: In Wals bezahlen Eltern für einen Ganztagesplatz 116 Euro und in Grödig 117 Euro (alle Tarife ohne Essen).
„Dieser enorme Preisunterschied zwischen Stadt und Land ist für Eltern nicht nachvollziehbar. Die Lebenshaltungskosten in der Stadt Salzburg sind ohnehin sehr hoch, da kann ein Krabbelgruppenplatz schnell zu einer Belastung werden, die kaum mehr zu stemmen ist“, kritisiert die Landtagsabgeordnete.
„Die Stadt Salzburg hat sich vor einigen Jahren dazu entschieden, keine eigenen Krabbelgruppen zu betreiben, sondern diese Aufgabe privaten Trägern zu überlassen“, erklärt Gemeinderat Bernhard Carl. Zwar würden auch in den Landgemeinden Krabbelgruppen oft von Privaten geführt, allerdings zu wesentlich günstigeren Tarifen: „Wie die Zahlen der Landesstatistik und unsere eigene Recherche in Salzburger Umlandgemeinden zeigen, bieten viele Gemeinden leistbare Krabbelgruppenplätze an. Das schaffen sie unter anderem, indem sie Synergien im Bereich Personal und Infrastruktur innerhalb der Gemeinde nutzen“, erklärt er, und fordert: „Was viele Landgemeinden vorbildlich schaffen, muss auch in der Stadt möglich sein!“ Allerdings gab es bisher von Seiten der Stadt keine erkennbaren Ambitionen, die Elterntarife auf diese Weise zu stützen. Das soll sich nun ändern!
Carl kündigt deshalb an, im Gemeinderat einen Antrag einzubringen: Darin fordert er die Stadt Salzburg auf, „durch entsprechende Maßnahmen (wie zB. Miet- und oder Personalkostenzuschüsse) sicherzustellen, dass die Elternbeiträge in Krabbelstuben auf Stadtgebiet – bei vergleichbarem Angebot – ähnlich jenen der Umlandgemeinden sind.“
MEHR PLANUNGSSICHERHEIT: GRÜNE FORDERN SERVICESTELLE FÜR ELTERN
Die GRÜNEN sehen aber nicht nur bei den Tarifen Handlungsbedarf, sondern auch was die Vergabe der Krabbelgruppenplätze anbelangt. Derzeit ist für Familien in der Stadt nicht transparent nachvollziehbar, wo und wie viele freie Plätze in den Krabbelgruppen verfügbar sind und nach welchen Kriterien diese vergeben werden. Die Stadt hat nämlich nicht nur die Betreuung sondern auch die Planung und Vergabe der Krabbelgruppenplätze an die privaten Träger ausgelagert.
LAbg. Barbara Sieberth kritisiert, dass es keine übergeordnete Koordinationsstelle von Seiten der Stadtverwaltung gibt, denn: „Für Eltern, die auf einen Betreuungsplatz angewiesen sind, ist das erfahrungsgemäß mit viel Unsicherheit und Stress verbunden. Es gibt derzeit keine Platzgarantie und auch keine klaren Kriterien, wer warum einen Platz erhält oder eben nicht“, weiß sie.
Zum Teil seien auch die Vorlaufzeiten, um überhaupt einen Platz zu erhalten, sehr lang. Sieberth kann etwa von zahlreichen Fällen berichten, bei denen die Anmeldung für die Krabbelgruppe schon während der Schwangerschaft erfolgt war, damit das Kind schließlich im Alter von 1,5 Jahren einen Platz bekam. Hätten die Eltern sich erst später darum bemüht, wäre die Chance auf einen Platz sehr gering gewesen.
Dass die Stadt den Eltern sehr wohl Planungssicherheit bieten kann, beweist sie im Kindergartensystem. Dort gibt es bereits ein koordiniertes Vorgehen, das erfahrungsgemäß und zur Zufriedenheit vieler Eltern gut funktioniert.
Ein ähnlich koordiniertes Vorgehen fordern Sieberth und Carl nun auch für den Krabbelgruppenbereich: „Die Stadt soll eine zentrale Servicestelle schaffen, die Eltern beim Finden eines geeigneten Betreuungsplatzes in einer Krabbelgruppe behilflich ist“, so Bürgerlisten-Gemeinderat Bernhard Carl. Konkret soll diese Stelle ein transparentes und einheitliches Anmeldeprocedere gewährleisten und Eltern auch bei einer etwaigen Absage unterstützen. Eine Möglichkeit wäre etwa, diese Stelle beim BürgerInnenservice anzusiedeln.
GR Bernhard Carl wird auch dazu einen entsprechenden Antrag in den Gemeinderat einbringen.
ZAHLEN & FAKTEN: KRABBELGRUPPEN IN DER STADT SALZBURG
Für 2017 hat die Stadt Salzburg sechs Millionen Euro für die Kinderbetreuung budgetiert. Diese Zahl geht allerdings davon aus, dass sämtliche Krabbelgruppenplätze belegt sind, und zwar ganztags. Tatsächlich werden die vorgesehenen Mittel nie zur Gänze verbraucht. Das realistische Bild aus 2016: Budgetiert waren (nur für Krabbelgruppen) 5,6 Millionen. Tatsächlich gebraucht wurden 4,41 Millionen. Hinzu kommen aber noch Mittel für private Kindergärten (1,6 Millionen) und Mittel für Tageseltern.
Im Jahr 2016 waren in den 50 Krabbelgruppen der Stadt Salzburg insgesamt 829 Kinder eingeschrieben. 3.276 waren es in 64 Kindergärten, 590 in alterserweiterten Gruppen.
In den 18 Horten wurden 881 Kinder betreut, in den vier Schulkindgruppen 58 Kinder.
Mindestbeiträge: In der Tagesbetreuungs-Verordnung der Salzburger Landesregierung ist geregelt, dass die Rechtsträger für die Kinderbetreuung Kostenbeiträge einzuheben haben. Dabei dürfen für eine ganztägige Betreuung 116 Euro für Kinder bis zum vollendeten 3. Lebensjahr nicht unter-, sowie 440 Euro nicht überschritten werden. Für eine kürzere Betreuung sind die Mindest- und Höchstbeträge im Verhältnis zum Beitrag für die ganztägige Betreuung festzulegen. Für Betreuungen über 40 Wochenstunden hinaus kann ein zusätzlicher Beitrag festgelegt werden.