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04.11.2014 Presseaussendung

EINE VISION: DER NATURPARK „SALZACH-AUEN“

Noch sieht die Salzach zwischen Anthering und Oberndorf aus wie nahezu überall: Eingezwängt in verbaute Uferschächte zieht das Gewässer – mehr Kanal als Fluss - seine begradigte Bahn. Eine Vision will das ändern: Durch umfangreiche Aufweitungsmaßnahmen wird der Fluss wieder Fluss, wird dem Wasser Dynamik und der Natur Raum gegeben. Es ist die Vision vom „Naturpark Salzachauen“.

Die Salzachauen nördlich der Landeshauptstadt Salzburg besitzen einzigartiges Potenzial wieder ein dynamischer Naturfluss zu werden – und gleichzeitig ein Naturpark für ein neues Miteinander von Natur und Mensch. – Video auf Youtube

„Hier im Zentralraum ein solches Potenzial an Naturraum zu haben, ist ein Auftrag. Dieses Potenzial, diesen Schatz zu heben, ist außerdem eine Werteentscheidung“, sagt Naturschutzreferentin Landeshauptmann-Stellvertreterin Dr. Astrid Rössler. Salzburg lebt von seinen großen Kulturbauten, sie sind identitätsstiftend für das Bundesland. Doch müssen es immer steinerne Vermächtnisse sein, die eine Generation der nächsten vererbt?

 

Mit den Salzachauen schaffen wir eine einzigartige naturnahe Flusslandschaft samt neun Quadratkilometer großem Naturpark. Es ist keine gläserne oder gemauerte sondern eine grüne Kathedrale, die wir damit unseren Nachkommen hinterlassen. 

so Rössler.

 

In seinem aktuellen Zustand weist das betreffende Gebiet gravierende ökologische Defizite auf. Der geradlinige Flusskanal der Salzach gräbt sich immer tiefer in sein Bett ein und ist von den begleitenden Auwaldresten weitgehend entkoppelt. Bei Hochwasser drohen weitere unkontrollierte Eintiefungen, die stetige Gefahr für Oberndorf und Laufen bergen. Eine Anhebung der Flusssohle und dynamische Verzahnung mit dem Auwald ist daher nicht nur in ökologischer Hinsicht von Vorteil sondern auch für den Hochwasserschutz dringend erforderlich, entstehen doch dadurch Überflutungsräume, die im Ernstfall enorme Mengen an Wasser aufnehmen können. In den zentralen Maßnahmen decken sich also die Anliegen von Hochwasserschutz und Naturschutz.

 

„Der Naturpark Salzachauen ist ein Idealfall, weil viele Interessen unter einem Dach vereint werden können: Natur- und Artenschutz ebenso wie der Hochwasserschutz. Und es entsteht ein Naturerlebnisraum im Salzburger Zentralraum, der mit der Lokalbahn und dem Radwegenetz bestens erschlossen ist. Zudem ist die Fläche ein wesentlicher Beitrag zur Nachnominierung für das EU-Netzwerk Natura 2000. Die Sicherung dieses Naturraumes ist mir ein ganz besonderes Anliegen“, so Rössler.

 

VORHER
Salzachauen_Land Sbg_K.Leidorf
NACHHER
A.Zangl

​VOM EINTÖNIGEN KANAL ZUM DYNAMISCHEN NATURFLUSS

Das Konzept aus dem Haus der Natur, das vom Land Salzburg beauftragt wurde, sieht umfassende ökologische Verbesserungen sowie eine durchdachte Zonierung für Natur und Mensch vor. Im Bereich von Flusskilometer 52 bis 56 kann durch umfangreiche Aufweitungsmaßnahmen ein dynamischer Naturflussbereich mit einer Breite von bis zu 400 Metern entstehen. Dabei werden einerseits Bereiche des Auwaldes abgesenkt und andererseits die Flusssohle angehoben und gesichert. Fluss und Au treffen einander auf einem Niveau und werden – zusammen mit renaturierten Altarmen und Aubächen – wieder miteinander verzahnt.

Vielfältig strukturierte Flussufer und Auengewässer, dynamische Schotterflächen sowie Abfolgen von weicher und harter Au schaffen ein breites Spektrum an Lebensräumen. Das bietet eine nachhaltige Lebensgrundlage für seltene und bedrohte Tier- und Pflanzenarten und zugleich ein außergewöhnliches Naturerlebnis: So kann synchron zur Renaturierung ein rund neun Quadratkilometer großer Naturpark entstehen.​

 

Naturerlebnis Salzachauen

ScienceVision

AUENWALD UND AUENWERKSTATT ALS NEUES MITEINANDER FÜR NATUR UND MENSCH

Im Naturpark Salzachauen gibt es unzählige Möglichkeiten, die Natur zu erkunden, mit ihr in Beziehung zu treten. Ein übersichtliches Netz aus Wander- und Radwegen nimmt Rücksicht auf schutzbedürftige Naturräume und verbindet gleichzeitig interessante Beobachtungspunkte: Man kann besondere Pflanzen entdecken oder Tiere beobachten und dabei ökologische Prozesse sehen und verstehen.

Panoramakanzeln und gedeckte Beobachtungsstände ermöglichen besondere Aussichten und Anblicke. Didaktisch und visuell ansprechende Informationseinrichtungen unterstützen das Naturerlebnis und vermitteln vertiefende Einblicke. Neben einem Auenzentrum soll als erste Einrichtung für Besucherinnen und Besucher eine Auenwerkstatt entstehen. Kinder und Jugendliche erhalten hier die Möglichkeit, im wahrsten Sinne des Wortes in die Au einzutauchen, geschulte Vermittlerinnen betreuen die Programme.

Mensch und Natur sind hier kein Wiederspruch. Im Naturpark Salzachauen werden neben den Schutz- und Ruhezonen für die Natur auch von Anfang an Freiräume für den Menschen eingeplant.​

 

Aulandschaft

Aulandschaft_H.Wittmann

DER ERSTE SCHRITT AUF DEM WEG ZUR VISION IST 125 HEKTAR GROS

Der erste Ausbauschritt für die Realisierung des Naturparks kann bereits im kommenden Jahr verwirklicht werden. Dieses Gebiet erstreckt sich über 125 Hektar in der Weitwörther Au. Das Life-Projekt wurde bei der EU eingereicht, im Frühjahr 2015 wird mit der Zusage gerechnet. Über die Rahmenbedingungen wurde auch das Einvernehmen mit dem Grundstückseigentümer Franz Auersperg hergestellt. Das Life-Projekt soll demnach im Herbst 2015 starten, der Kostenrahmen wird etwa 10,5 bis elf Millionen Euro betragen. Zumindest 60 Prozent dieser Summe können aus dem EU-Fördertopf lukriert werden, 40 Prozent wären vom Land Salzburg zu tragen, das sind maximal 4,4 Millionen Euro, die für diesen Zweck im Naturschutzfonds bereits angespart wurden.

Ebenfalls auf dem Programm der ersten Ausbauphase: die Auenwerkstatt. Dieses völlig energieautarke Gebäude soll als Anlauf- und Informationsplatz für Kinder und Jugendliche dienen. Mit allen Sinnen soll in der Auenwerkstatt das Verständnis für den sorgsamen Umgang mit der Pflanzen- und Tierwelt im Natura-2000-Gebiet geweckt werden. Nicht zuletzt sollen von dieser Bildungswerkstatt auch regionalwirtschaftlich positive Impulse ausgehen.

 

Die Auenwerkstatt soll aus Geldern der Ländlichen Entwicklung finanziert werden, wobei die Ko-Finanzierung voraussichtlich bis zu 80 Prozent beträgt (50 Prozent EU, 30 Prozent Bund). Das sind etwa zwei Millionen Euro. Bei geplanten Gesamtkosten von 2,5 Millionen Euro belaufen sich die Gelder des Landes Salzburg auf 500.000 Euro. Diese sind im Naturschutzfonds dafür reserviert.​

 

R.Cheng
M.Kyek
Huchen_F.Hajek
Panoramakanzel
A.Zangl