EU-KOMMISSION: WÖLFE SIND UND BLEIBEN STRENG GESCHÜTZT
"Es ist an der Zeit zu akzeptieren, dass der Wolf einen hohen Schutzstatus genießt – ob wir das nun befürworten oder nicht. Herdenschutzmaßnahmen sind jetzt das Gebot der Stunde. Ein Blick in die Schweiz zeigt, dass ein durchdachtes Herdenschutzprogramm das Nebeneinander von Wolf und Weidevieh ermöglicht."
Die EU hat neuerlich festgestellt: Der Wolf darf und wird bleiben – auch in Salzburg. Der zuständige EU-Umweltkommissar Virginijus Sinkevčius pocht weiterhin auf den hohen Schutzstatus der Tiere und erteilte Anfang August auch wolfsfreien Zonen in den Alpen eine klare Absage, weil sie dem geltenden EU-Recht widersprechen.
Klarer Auftrag an die Politik
LAbg. Kimbie Humer-Vogl, Klubchefin der GRÜNEN im Salzburger Landtag, sieht das als klaren Auftrag an die Politik: „Damit weiterhin Phantastereien über ‚wolfsfreie Zonen‘ zu verbreiten oder – so wie jüngst Agrarlandesrat Schwaiger – sogar Eigeninitiativen der Bauern und Bäuerinnen ins Spiel zu bringen, muss endlich Schluss sein. Anstatt in der Bevölkerung Panik zu verbreiten und den Landwirten und Landwirtinnen falsche Versprechungen zu machen, muss endlich gehandelt werden.“ Man könne die rechtlichen und politischen Fakten nicht ignorieren. „Vielmehr muss man jetzt lösungsorientiert denken und sich die Frage stellen, wie man mit den Wölfen leben kann“, so die Abgeordnete.
Herdenschutzmaßnahmen als Gebot der Stunde
„Es liegt nun in der Verantwortung der Politik den Almbauern und Altbäuerinnen jene Unterstützung anzubieten, die sie brauchen, um trotz des Wolfes ihrem Weidevieh Sicherheit bieten zu können“, ist Humer-Vogl überzeugt. Sie schlägt dazu eine Reihe von Maßnahmen vor:
- Rechtliche Grundlagen, um Hirten und Hirtinnen anzustellen und um Herdenschutzhunde einsetzen zu können: Beides fehlt derzeit noch. Es braucht Rissgutachter und -gutachterinnen, die rasch und professionell dafür sorgen, dass Bauern nach Wolfsrissen entschädigt werden.
- Gänzliche Übernahme der Kosten für Herdenschutzmaßnahmen (Beratung, Zäune, Behirtung, Hunde): Eingezäunt wird im Übrigen nicht das ganze Weidegebiet. Es braucht vor allem eine Nachtpfercht, denn der Wolf kommt in der Nacht oder bei Nebel.
- Finanzielle Unterstützung der EU: Österreich soll sich endlich auch die dafür vorgesehenen Gelder aus Brüssel abholen – das passiert derzeit noch nicht.
- Neuregelung der Hirtenausbildung: Ein vierstündiger Online-Kurs genügt nicht.
- Entwicklung eines Sicherheitskonzepts beim Einsatz von Herdenschutzhunden (Verbot der Durchfahrt mit dem Mountainbike)
- Ausbildung von Herdenschutzhunden in Österreich: Eine gewaltfreie Erziehung und eine frühe Bindung an den Menschen sind dabei besonders wichtig. Auch in weiterer Folge braucht es täglich Kontakt mit Menschen. Herdenschutzhunde arbeiten nicht allein auf den Almen, sondern mit den Hirten und Hirtinnen zusammen. Am effektivsten sind gemischte Hundetruppen (Herdenschutz- und Hütehunde).
Gelungener Herdenschutz im Tiroler Oberland und der Schweiz
„Davon dass es möglich ist Herdenschutz auch in großen Höhen zu betreiben habe ich mich kürzlich im Tiroler Oberland bei dem Wanderhirten Thomas Schranz überzeugen können“, so Humer-Vogl. „Auch ein Blick über die österreichische Grenze zeigt, dass Herdenschutz funktioniert. Ende August werde ich mir gemeinsam mit dem WWF ein Bild darüber machen, wie Herdenschutz in der Schweiz praktiziert wird. Dort gibt es gegenüber Österreich 20 Jahre Erfahrungsvorsprung.“ Und auch abseits des Wolfsschutzes hätte eine gezielte Weideführung viele Vorteile: „Artenvielfalt und Biodiversität kann befördert werden, der Bodenerosion wird entgegengewirkt, Muren und Hangrutschungen, sowie Überschwemmungen können verhindert und der Grundwasserspiegel verbessert werden“, so Humer-Vogl abschließend.