FRAUENPOLITIK MUSS CHEFSACHE WERDEN
Anlässlich des 15. Jahrestags des Frauenvolksbegehrens müssen wir eine triste Zwischenbilanz ziehen. Frauenpolitik muss endlich zur Chefsache werden!
Es war einmal ein Volksbegehren – 1997 war das, um genau zu sein. Progressive und visionäre Forderungen von Frauen sind dabei auf breite Unterstützung getroffen. Aber: „Von den damals elf Forderungen sind vielleicht zwei auch nur in Ansätzen erfüllt“, sagt unsere Bundessprecherin Eva Glawischnig. Einkommensdifferenzen bis zu 40 Prozent sind eine Tatsache, erklärte sie mit Hinweis auf Zahlen des Rechnungshofs (RH). Und sie halte gar nichts davon, diesen Wert um Faktoren wie etwa Teilzeitarbeit zu bereinigen. Das Herausrechnen der Teilzeit bedeute im Endeffekt nur „das Ausblenden von unbezahlter Arbeit“, so unsere Bundessprecherin. Denn Frauen gingen vor allem deswegen in Teilzeit, um familiäre Aufgaben zu übernehmen.
GRUNDSICHERUNGSMODELL IM ALTER
Das Thema Teilzeit ist indes ein zweischneidiges – ein Rechtsanspruch auf Elternteilzeit wurde damals im Volksbegehren auch verlangt und ist heute teilweise (für größere Unternehmen) umgesetzt. Frauenpolitikerinnen warnen aber mittlerweile vor der Teilzeitfalle, die spätestens im Alter ein böses Erwachen in Form einer niedrigen (Frauen-)Pension bringt.
ES GEHT UM MILLARDEN
Als eine positive Maßnahme sieht Eva Glawischnig das Gratis-Kindergartenjahr. Immer noch ein frommer Wunsch sei allerdings die damalige Forderung nach einem Rechtsanspruch auf (ganztätige) Kinderbetreuung. Glawischnig drängte weiters auf die Koppelung von öffentlichen Auftragsvergaben sowie von Wirtschaftsförderung an die Existenz von Frauenförderplänen in den jeweiligen Unternehmen. Dies wäre eine der wenigen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, in der Wirtschaft Gleichbehandlung zu fördern. Beim großen Brocken Wirtschaftsförderung, immerhin „geht es um Milliarden“, glaubt sie an ein effizientes Überzeugungsinstrument.
Generell finden wir GRÜNEN eine Frauenministerin „als Feigenblatt“ zu wenig. Frauenpolitik als Querschnittsmaterie müsste Thema für die gesamte Bundesregierung und Chefsache werden. Das Frauenvolksbegehren, das im Zeitraum von 7. bis 14. April 1997 insgesamt 644.977 Österreicher zur Unterschrift bewogen hatte, will sie auch 15 Jahre danach wieder thematisieren. Sie werde den Forderungskatalog bei der nächsten (regulären) Nationalratssitzung einbringen, kündigte unsere Bundessprecherin an.