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27.03.2016 Presseaussendung

GELD ALS MITTEL UND NICHT ALS ZWECK

Das Projekt Bank für Gemeinwohl wirbt um Mitglieder.

Sabine Lehner war beim Stammtisch der GRÜNEN Mattsee zu Gast und hat über den Stand der Dinge im Gründungsprozess der Bank für Gemeinwohl berichtet. Dieses Projekt soll aus der Zivilgesellschaft heraus entstehen. Ziel ist es, zurück zur Realwirtschaft zu kommen und Spekulationsgeschäfte zu vermeiden. Von den notwendigen sechs Millionen Euro, um eine Banklizenz beantragen zu können, ist erst gut ein Drittel gezeichnet.

 

Die Grünen Mattsee laden jeweils am 21. des Monats zum Stammtisch. Es ist deshalb der 21., erläutert Grünen-Sprecherin Christine Schöchl, „weil es unser erklärtes Ziel ist, bei den nächsten Gemeinderatswahlen die 21 Prozent-Marke zu erreichen“. Und sie fügt hinzu, „Information ist eine wesentliche Aufgabe des Stammtisches. Deshalb laden wir regelmäßig Fachleute zu unterschiedlichen Schwerpunkten und aktuellen Themen ein.“

 

Am vergangenen Montag stand das Thema Geld, genauer: alternatives Geldmanagement auf der Tagesordnung. Sabine Lehner, Regionalbeauftragte der Bank für Gemeinwohl, hat die interessierte Runde über Struktur und Philosophie der ethisch ausgerichteten Alternativbank informiert. Wobei der Richtigkeit halber hinzugefügt werden muss, dass sich die genossenschaftlich ausgerichtete Bank noch im Gründungsprozess befindet. Erst wenn sechs Millionen Euro gezeichnet sind, kann eine Banklizenz beantragt werden. Trotz des alternativen Ansatzes, wonach auf Zinsen weitgehend verzichtet werden soll und die ethische Ausrichtung im Mittelpunkt steht, ist die Bank den Vorschriften der Finanzmarktaufsicht, FMA, verpflichtet. Die Geschäftstätigkeit beginnt laut Lehner ohnedies erst, wenn der Kapitalstock 15 Millionen Euro umfasst. Gefordert von der FMA wären lediglich 6 Millionen Euro. Wie kommt diese Summe zusammen? Indem Bürgerinnen und Bürger Mitglieder der Genossenschaft werden und Anteile zeichnen, möglich ist dies mit Beträgen zwischen 200 und 100.000 Euro. Wobei sich das Stimmrecht nicht nach der Höhe der Einlage richtet. Das Ein-Kopf-Stimmrecht soll Interessen- und Kapitalkonzentration verhindern. Die Einlage bleibt unverzinst, was die Zuhörerinnen, die übrigens deutlich in der Mehrheit waren, angesichts der aktuellen Zinsentwicklung auf dem Kapitalmarkt durchaus noch geschluckt haben, schließlich geht es um einen alternativen Ansatz. Dass die Einlage jedoch nicht wertgesichert ist, hat dann doch aufhorchen lassen und zu Nachfragen geführt. Dass inflationsbedingt am Ende des Tages weniger zurückkommt als eingezahlt wurde, scheint durchaus ein Hemmschuh zu sein, um Genossenschaftsanteile zu zeichnen. Vielleicht nehmen die Verantwortlichen das Murren ernst und denken über eine Wertsicherungsklausel nach.

 

Was will die Bank für Gemeinwohl leisten und worin unterscheidet sie sich von den klassischen Banken und Sparkassen? Im Grundsatz geht es darum, Geld als Teil der Realwirtschaft zu sehen und nicht um die selbstzweckhafte Mehrung durch höchstmögliche Zinserträge, was letztlich für den Crash 2008/09 verantwortlich war. Es geht um nachhaltige Veränderung, Förderung der Realwirtschaft, Transparenz der Mittelverwendung, basisdemokratische Prozesse und einen fairen Umgang mit Kunden und Mitarbeitern, kurzum um die Leitlinien der Gemeinwohl-Philosophie, aber auch um einen Bildungsauftrag.

Zukünftige KundInnen können bei der Bank für Gemeinwohl zwar ein Girokonto einrichten, Spareinlagen tätigen und den Zahlungsverkehr abwickeln, aber für Konsumkredite oder Wohnbaudarlehen werden sie weiterhin die eigene Hausbank brauchen. Kredite werden – zumindest mittelfristig – nur an Projekte vergeben, die regionalwirtschaftlich, ökologisch und nachhaltig ausgerichtet sind.

 

Am Ende der Diskussion blieb offen, ob die derzeitige Situation des globalen Finanzmarktes, die auch die österreichische Bankenlandschaft erheblich verändern wird, dem Gründungsprozess der Gemeinwohl-Bank eher nützt oder schadet.

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