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28.10.2014 Presseaussendung

"GEMEINWOHL-GALLIEN" SÜDTIROL - EINE REPORTAGE

Ein wunderschöner Blick über eine Südtiroler Alm mit zwei Almhütten. Im Hintergrund das Gebirge.

Wie wirtschaftet man nach Gemeinwohl-Prinzipien? Eine Delegation aus Salzburg lernte in Südtirol zehn Gemeinwohl-Betriebe kennen. Eine Reportage.

Äußerlich ist der Drumlerhof ein Hotel, wie es viele gibt im Alpenraum: Vier Sterne-Qualität und Holz soweit das Auge reicht. Doch kaum hat man die Schwelle ins erste Haus am Platz von Sand in Taufers überschritten, merkt man, dass da ein besonderer Geist weht. „Unser Motto lautet: Dem Nächsten zum Wohl“, wird Hausherr Stefan Fauster den Gästen aus Salzburg seine Philosophie später erklären. Auf Initiative von Cyriak Schwaighofer, dem GRÜNEN Landtags-Klubchef, fuhr eine Delegation von Gemeinwohl-Interessierten Ende September zwei Tage lang durch Südtirol zu Betrieben und Institutionen wie dem Drumlerhof. Insgesamt lernten die Salzburger zehn Beispiele kennen, wie es sich nach Gemeinwohl-Prinzipien lebt. Der Tenor war einhellig: Es ist ein idealistischer Weg, aber er macht zufriedener.

 

Drumlerhof-Chef Fauster meint: „Lasst uns endlich über Ethik reden statt immer nur über Sachen und Geld.“ Mithilfe des Gemeinwohl-Instituts Terra aus Brixen sowie mit gleichgesinnten Partnerbetrieben hat er 2012 eine erste Gemeinwohlbilanz erstellt. Darin werden 17 Kriterien bewertet wie interne Menschenwürde,

 

Solidarität, Ökologie, soziale Gerechtigkeit, Demokratie und die Beziehungen zu Lieferanten, Kunden, Banken und dem sonstigen Umfeld. Der Drumlerhof kam auf 431 von tausend möglichen Punkten. Mehr als 500 Punkte hat keiner der besuchten Betriebe bisher vorzuweisen – ein Ansporn, den Prozess zu mehr Enkeltauglichkeit weiterzugehen. Fauster sagt, die Ehrfurcht vor den Nächsten und vor der Natur müsse ein gelebtes Herzensanliegen sein und kein Marketinggag. „Eine ehrliche Gemeinwohlbilanz ist kein Gütesiegel, das man sich bei Agenturen kaufen kann.“

SÜDTIROL, DAS GEMEINWOHL-GALLIEN EUROPAS

Südtirol gilt als das „Gemeinwohl-Gallien“ Europas. Die Asterix-Rolle dabei hat Günter Reifer inne. Der gelernte Betriebswirt und Ex-Topmanager eines italienischen Möbelriesen hat vor viereinhalb Jahren mit seinem damals neugegründeten Terra-Beratungsinstut begonnen, die Gemeinwohl-Ideen von Christian Felber in Südtirol Praxis werden zu lassen. Inzwischen haben sich 50 Partner seiner Bewegung angeschlossen, darunter Betriebe aller Art, Banken, Gemeinden und Schulen. „Meine Vision ist, Südtirol zur Gemeinwohlregion zu entwickeln. Es ist da ein richtiger Sog entstanden bis hinauf zur Landesspitze. Wir diskutieren über eine generelle Gemeinwohlpolitik im Land“, sagt Reifer, seines Zeichens auch Obmann von Italiens Gemeinwohlverband L’economia del bene comune Italia.

 

Dass es bisweilen Mut braucht, sich zu Gemeinwohlprinzipien zu bekennen, beweist die Hanns Engl Werkzeugbau OHG im Bozener Industriegebiet. Der Zulieferer von Fiat und anderen Autoherstellern kauft möglichst ökologisch ein und führt die Mitarbeiter basisdemokratisch-sozial. „Anfangs galt ich in meinem Umfeld als Exot. Doch man kann mit ethischen Kriterien auch dort bestehen. Mit der Zeit punktet man als ehrlich und qualitätsbewusst“, sagt Firmenchef Johannes Engl.

 

Dass der Gemeinwohl-Prozess wirtschaftlich kein Hemmschuh ist, bestätigen alle Gesprächspartner der Salzburger Delegation in Südtirol. Trotz der in Italien allgegenwärtigen Rezession sei es ihnen gelungen, die Finanzergebnisse zu steigern. Ein Grund seien das Medieninteresse und der Imagegewinn. „Langlebigkeit und Nachhaltigkeit werden zentrale Konsumkriterien. Konsumieren mit gutem Gewissen wird zum Wachstumsmotor. In die Richtung wollen wir als Vorbild gehen“, meint Johanna Torggler von der Südtiroler Marketinggesellschaft (vergleichbar der SLTG).