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11.10.2013 Presseaussendung

GEMEINWOHL-ÖKONOMIE: SALZBURGER MODELLREGION

Ein Arbeitsteam klatscht sich ab. sie stehen im Büro

Wie ein „Gemeinwohl-Projekt“ für Salzburg aussehen könnte, dazu hat der GRÜNE Landtagsklub ein Gutachten bei Attac-Mitbegründer und Gemeinwohl-Experten Christian Felber in Auftrag gegeben.

Ob weltweite Wirtschaftskrise oder Salzburger Finanzskandal – angesichts der fatalen Folgen, welche wahnwitzige Spekulationsgeschäfte für öffentliche und private Haushalte nach sich ziehen, entstand in den vergangenen Jahren eine breite gesellschaftliche Debatte über die Ursachen dieser Krisen: Maßlosigkeit und Profitgier. Auch die Salzburger GRÜNEN befassen sich seit Jahren intensiv mit möglichen Lösungen wie unser Arbeiten und Wirtschaften krisensicherer gegenüber internationalen Märkten gestaltet werden kann beziehungsweise welche Weichenstellungen es braucht, um UnternehmerInnen ein Handeln zu ermöglichen, das sich weniger an den Gewinnmaximierungswünschen einiger weniger als dem Wohle vieler orientiert. Wie ein solches „Gemeinwohl-Projekt“ für Salzburg aussehen könnte, dazu hat der GRÜNE Landtagsklub ein Gutachten bei Attac-Mitbegründer und Gemeinwohl-Experten Christian Felber in Auftrag gegeben.

WIRTSCHAFTEN ZUM WOHL DER GESELLSCHAFT

„Derzeit dominieren im Wirtschaftsleben ganz andere Werte als in unserem Privatleben: Während in persönlichen Beziehungen Vertrauen, Solidarität, Teilen, Mitbestimmung und Kooperation zählen, ist das Wirtschaftsleben geprägt von Konkurrenz, Profitmaximierung und oft auch von Ausbeutung sowie Zerstörung“, analysiert Felber. Die Folgen: Statt dem Wohl der Allgemeinheit zu dienen und damit Werten wie Menschenwürde, Solidarität, Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit, Demokratie Rechnung zu tragen, begünstige das derzeitige System, dass sich viele Unternehmen auf Kosten von Menschen und Umwelt bereichern.

ALTERNATIVES WIRTSCHAFTSMODELL FÜR SALZBURG

Genau hier setzt Felbers „Gemeinwohl-Ökonomie“ an: Handeln zum Wohl der Allgemeinheit steht im Vordergrund und wird – beispielsweise durch Zusatzpunkte bei diversen Förderprogrammen – auch belohnt, was für zusätzlichen Anreiz sorgt, entsprechend zu handeln. „Das aktuelle, primär auf Gewinnmaximierung ausgerichtete System ist nicht gottgegeben sondern menschengemacht. Wenn wir als Gesellschaft entscheiden, dass der Zweck des Wirtschaftens nicht mehr länger den Profiten einiger weniger dienen darf, sondern auch die Steigerung des Gemeinwohls zum Ziel haben muss, dann werden sich die Dinge verändern“, ist LAbg. Cyriak Schwaighofer, der Klubchef der GRÜNEN im Landtag, überzeugt.

Wer mit erneuerbaren Energien produziert, wer gute Löhne zahlt, wer umweltbelastende Transportwege vermeidet und regionale Lieferanten bevorzugt, ist derzeit klar im Nachteil gegenüber Anbietern, die ihre Produkte zu Billiglöhnen und ohne nennenswerte Auflagen herstellen. Dies könnte zumindest die öffentliche Hand in ihrem Einflussbereich ändern, indem sie nachhaltig arbeitende Unternehmen bevorzugt: etwa bei Förderungen oder bei der Vergabe öffentlicher Aufträge.

Mit Felbers Gutachten wollen die GRÜNEN im Landtag nun eine Diskussion darüber anstoßen, wie am Gemeinwohl orientiertes wirtschaftliches Handeln konkret aussehen kann. Schwaighofer schlägt vor, ausgewählte landesnahe Betriebe für das Projekt Gemeinwohl-Ökonomie zu motivieren. Ziel wäre, dass diese ausgesuchten Landesunternehmen eine Gemeinwohl-Bilanz erstellen. In einer solchen Bilanz bildet sich sehr klar ab, welchen Stellenwert ökologisches und soziales Handeln im jeweiligen Unternehmen einnimmt. „Gleichzeitig wirkt sich die Befassung mit dieser Gemeinwohl-Bilanz auch auf das Denken im Unternehmen aus. Wer sich darauf einlässt, wird schnell feststellen, wie anregend und befruchtend sich dieser Weg auf die tägliche Arbeit auswirkt“, so der Klubchef der GRÜNEN.

 

Über diese Pioniergruppe könnte ein wachsender Erfahrungsschatz aufgebaut und schrittweise auf die Gesamtheit aller öffentlichen Unternehmen umgelegt werden, meint Schwaighofer. Und setzt nach: „So viele Menschen wünschen sich im Wirtschaftsleben einen anderen Kurs. Wir sollten endlich vom Reden ins Tun kommen.“

Als weiterer Schritt soll ein Modell zur Förderung der Gemeinwohl-Ökonomie in privaten Betrieben entwickelt werden, wie es auch im Arbeitsprogramm der Salzburger Landesregierung festgelegt ist.