MEHR PSYCHOSOZIALE VERSORGUNG IN PFLEGEEINRICHTUNGEN
"Bewohner*innen mit psychischen Erkrankungen sollen direkt in den Senior*innenwohnhäusern behandelt und betreut werden. Das garantiert nicht nur mehr Lebensqualität für Betroffene. Es entlastet auch die Pflegenden."
„Mit dem Modell der integrierten Versorgung konnten in Salzburg stationäre Aufenthalte in der Klinik reduziert, Wiederaufnahmen verringert und viele Zwangseinweisungen verhindert werden.“ LAbg. Kimbie Humer-Vogl, Klubchefin der GRÜNEN im Salzburger Landtag, will diesen Behandlungsansatz nun auch Menschen mit erhöhtem Pflegebedarf in Senior*innenwohnhäusern und Pflegeeinrichtungen ermöglichen. Der entsprechende Antrag wurde gestern einstimmig im Salzburger Landtag beschlossen. „Die individuelle Behandlung durch mobile Teams aus der Klinik erhöht die Lebensqualität der Betroffenen und entlastet die Pflege und die Angehörigen.“
Erfolgsmodell steht vor Erweiterung
„Das Modell der integrierten Versorgung existiert seit 2018 für psychisch schwer bzw. chronisch erkrankte Menschen“, so Humer-Vogl. „Es ist damit gelungen, die stationären Aufenthalte für diese Personengruppe um 70 Prozent zu reduzieren.“ Laut dem Vorstand der Universitätsklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Wolfgang Aichhorn, konnte auch die Zahl der Klinikaufenthalte halbiert werden und es sei gelungen, die Akutaufnahmen um 70 Prozent zu senken. „Mobile Teams aus Ärzt*innen, Pflegepersonen, Psycholog*innen und Sozialarbeiter*innen unterstützen die Patient*innen im häuslichen Umfeld und erarbeiten gemeinsam mit dem sozialen Umfeld Behandlungs- und Rehabilitationsansätze. Dazu gehören entlastende Gespräche mit Angehörigen ebenso wie aufklärende Gespräche mit dem Arbeitgeber oder die Vernetzung mit niedergelassenen Unterstützungsstrukturen (Psychiater*in, Tagesstruktur oder Ähnliches)“, so die Klubobfrau. Nun sei es an der Zeit, die Zielgruppe des Behandlungsansatzes zu erweitern.
Mobile Teams in allen Regionen und auch für Senior*innenwohnhäuser
„Menschen mit erhöhtem Pflegebedarf können von einem solchen Modell ganz besonders profitieren“, ist Humer-Vogl überzeugt. Die Mitarbeiter*innen in Langzeitpflegeeinrichtungen geraten durch das herausfordernde Verhalten von Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen immer wieder an ihre Grenzen. In solchen Fällen rücken Teams aus der Klinik aus, um die Bewohner*innen dann direkt in der Wohneinrichtung zu untersuchen. Da geht es um Diagnostik, medikamentöse Einstellung und Entlastung für die Bewohner *innen. Die Expertise aus der Klinik hilft zudem den Mitarbeiter*innen das Verhalten der Bewohner*innen richtig einzuordnen. Durch Interdisziplinäre Gespräche unter Einbeziehung des bisherigen Unterstützungsteams und durch gemeinsame Zielsetzungen kann eine Stabilisierung der psychischen Gesundheit auch ohne Klinikaufenthalte und im gewohnten Umfeld nachhaltig gelingen. Das ist ein Gewinn für alle Beteiligten!“