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09.03.2014 Presseaussendung

HAUS DER NATUR: AUFARBEITUNG NS-MITTÄTERSCHAFT

Ein Flugsaurier fliegt durch einen Wald

Schellhorn bei Eröffnung der Sonderausstellung: „Leider sehr, sehr spät.“

„Es gibt nichts zu beschönigen. Wir müssen uns ehrlich zu begangenem Unrecht und zur Mittäterschaft dieses Hauses bei den Verbrechen des Nationalsozialismus bekennen.“ Dies betonte Kulturlandesrat Heinrich Schellhorn in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Kuratoriums des Haus der Natur anlässlich der Eröffnung der Sonderausstellung „Das Haus der Natur 1924 – 1976“.

 

Als ressortzuständiger Politiker des Landes Salzburg steht Schellhorn „hundertprozentig hinter allen Schritten in Richtung Aufarbeitung, Aufklärung und, soweit irgend möglich, Wiedergutmachung.“

So habe das Kuratorium des Haus der Natur einstimmig beschlossen, dass das Restitutionsgesetz, das an sich für geraubte Kunstwerke gedacht ist, sinngemäß auch Bestände des Haus der Natur anzuwenden ist, die während der NS-Zeit geraubt wurden. 900.000 Objekte des Museums wurden durchforstet. Zahlreiche geraubte Gegenstände aus jüdischem oder kirchlichen Besitz, sowie aus Frankreich, Polen und der damaligen Sowjetunion konnten identifiziert und zurückgeben werden. Schellhorn. „Wir können heute davon ausgehen, dass damit nun die letzten in der NS-Zeit unrechtmäßig angeeigneten Objekte erfasst und zurückgegeben wurden.“

NS-Ideologie, Herrschaft und Raub

Die Sonderausstellung beleuchtet umfassend die mit der Person seines Gründers Eduard Paul Tratz untrennbar verbundene Geschichte des Haus der Natur. Der historisch und politisch brisanteste Aspekt ist mit Sicherheit die Verstrickung des Leiters und mit ihm des Museums in die nationalsozialistische Ideologie, die nationalsozialistische Herrschaft und die nationalsozialistischen Raubzüge gegenüber Juden, der Kirche und in den von Nazi-Deutschland überfallenen und besetzten Gebieten.

 

Tratz tat sich, so Schellhorn, in allen drei Punkten hervor:

– Ideologisch betätigte er sich als Propagandist des Rassenwahns.

– Organisatorisch gliederte er das Haus der Natur in die Strukturen der SS und ihrer so genannten Wissenschaftsorganisation „Das Ahnenerbe“ ein.

– Tratz beteiligte sich für das Haus der Natur aktiv am Raub von Gütern aus jüdischen und kirchlichen Beständen, sowie aus Beständen von Museen in den überfallenen und besetzten Gebieten des Ostens.“

Unerträgliche Nachsicht

Schellhorn äußert seine Genugtuung, dass die Ausstellung dies eindeutig klar stelle, aber auch über die NS-Zeit hinausgehe. Die „Ära Tratz“, dauere eben länger als die Zeit des Nationalsozialismus. Eduard Paul Tratz habe als angesehener Ehrenbürger der Stadt Salzburg noch bis 1976 als Museumsdirektor wirken können. Schellhorn: „Der insbesondere aus der Sicht aller Opfer des NS-Regimes unerträglich nachsichtige und verharmlosende Umgang der Nachkriegsgesellschaft mit den NS-Tätern trifft voll und ganz auch auf Eduard Paul Tratz zu. Das war ein Versagen der ganzen Gesellschaft, kein Alleinstellungsmerkmal des Haus der Natur. Aber auf diesen schwarzen Fleck der Nachkriegsdemokratie weist die Ausstellung klar hin. Die Aufarbeitung kommt entsprechend spät. Sehr, sehr spät. Für Salzburg ist sie wichtig. Und abgeschlossen – im Sinne von entsorgt – ist sie nie.“

Umfassendes Forschungsprojekt

Die Sonderausstellung ist Teil eines umfassenden Forschungsprojektes zur Aufarbeitung der Geschichte des Haus der Natur. Kulturlandesrat Schellhorn gratuliert allen Verantwortlichen zu den dabei nun erzielten Fortschritten. Schellhorn bedankt sich beim wissenschaftlichen Team dieses Projekts. Univ. Prof. i. R. Dr. Robert Hoffmann (Salzburg), Univ.-Prof. Dr. Maria Teschler-Nicola (Wien), Dr. Susanne Köstering (Land Brandenburg) und Univ.-Prof. i. R. Dr. Alfred Goldschmid (Salzburg), sowie bei der Leitung und den MitarbeiterInnen des Haus der Natur, Direktor Dr. Norbert Winding, Sammlungsleiter Dr. Robert Lindner und Archivarin Mag. Sonja Frühwirth. Bei den beiden Letzteren lag der Hauptteil der Arbeit der Provenienz Forschung.

 

 

Nähere Informationen zum Geschichtsprojekt des Haus der Natur finden Sie unter folgenden Links:

http://www.hausdernatur.at/geschichtsprojekt.html

http://www.hausdernatur.at/zeittafel.html

http://hausdernatur.at/provenienzforschung.html

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