Jede Tradition um jeden Preis erhalten?
Die Antheringer Firma Sonnenmoor zeigt vor, wie Tradition und Nachhaltigkeit Hand in Hand in eine enkeltaugliche Zukunft führen können. Man muss aber klug genug sein, unterscheiden zu können, welche Tradition es wert ist, bewahrt zu werden, und welche – wenn überhaupt – höchstens noch in einem Museum oder in Filmen zu sehen sein sollte.
Ich finde es zum „Haare raufen“, wenn ich z. B. lese, mit welchen Argumenten Bürgermeister Preuner das Oldtimerrennen durch die Altstadt und auf den Gaisberg verteidigt: „An der Tradition wird festgehalten. […] Die nächste Generation wird das ja nicht einmal mehr kennen, dass ein Motor noch stinkt.“ (SN, 22. 9. 21) Geht’s noch ignoranter?! Stinkende Motoren als eine erhaltenswerte Tradition?! Wenn Bürgermeister Preuner das ernst meint, könnte er ja in der Salzburger Altstadt eine Gerberei ansiedeln, die nach alten, traditionellen Methoden Leder gerbt – das hat früher auch ganz schön gestunken! Die Getreidegasse war im Mittelalter eine stinkende Gosse – warum wurde diese Tradition nicht erhalten? – Satire beiseite: Ich erwarte mir von Politiker*innen, dass sie vorausblickend denken und agieren und ihrer Verantwortung für die kommenden Generationen gerecht werden. Dass „Motoren noch stinken“ mag für manche ein Spaßfaktor sein. Aber, dass in der heutigen Zeit einige Wenige „ein bisschen eine Freude“ haben (Zitat Preuner) auf Kosten der Zukunft von vielen Generationen, das sollte ein verantwortungsvoller Politiker zu verhindern wissen!
Dabei geht es beim Thema Gaisbergrennen nicht nur um die Abgase und den Lärm, sondern vielmehr noch um die Frage, ob in aller Öffentlichkeit dem Auto als Kultobjekt gefrönt werden soll. Wenn der Gebrauchsgegenstand „Auto“ zu einem Life-Style-Objekt hochstilisiert und gefeiert wird, hilft uns das in Sachen zukunftsfähige Mobilität nicht weiter, im Gegenteil!
Was in der Öffentlichkeit geschieht, beeinflusst das Denken und Handeln von Menschen. Dass ein Oldtimer-Fan daran nicht denkt, ist verständlich, aber der Bürgermeister von Salzburg sollte schon so viel Weitblick besitzen!