SALZBURG LÄUFT SELBSTGESTECKTEN ZIELEN HINTERHERHER
Die Geschichte wiederholt sich: Salzburg hat sich in den vergangenen Jahren mehrmals dazu verpflichtet, seinen Energieverbrauch zu reduzieren. Seine Ziele hat das Land nicht erreicht. Weil die Politik es mit der Umsetzung geeigneter Maßnahmen bisher nicht allzu ernst gemeint hat.
Ganz im Gegenteil: Schon 2006 hat die Evaluierung des „Kyoto-Optionenberichts“, der im Jahr 2001 eine Reihe von Maßnahmen zur Reduzierung von CO2 vorgeschlagen hat, ergeben, dass sich der CO2 Ausstoß noch weiter erhöht hat.
Im Jahr 2009 dasselbe Bild: Eine Studie im Auftrag der Landesregierung stellte fest, dass es nicht gelungen ist, den Energieverbrauch vom Wirtschaftswachstum zu entkoppeln. Er ist weiter gestiegen und er wird sich bis 2020 um weitere 20 % erhöhen, wenn keine effizienzsteigernden Maßnahmen gesetzt werden. In der Studie werden „ambitionierte, aber realistische Ziele“ genannt, um die Trendwende endlich einzuleiten: Salzburg sollte bis 2020 seinen Energieverbrauch stabilisieren und den Anteil Erneuerbarer Energien auf die Hälfte steigern.
Was bisher gefehlt hat, war eine der wichtigsten Ressourcen, nämlich politischer Wille, um ressortübergreifend ein Bündel klimarelevanter Maßnahmen umzusetzen. Zentrale Punkte eines Masterplans umfassen fünf Bereiche: Raumwärme und Kleinverbrauch, Energieaufbringung, Verkehr und Raumordnung, Industrie und produzierendes Gewerbe sowie Abfallwirtschaft und Land- und Forstwirtschaft.
Die höchsten Energieeinsparungen können im Bereich der Energieaufbringung erzielt werden. Einen wichtigen Beitrag leisten auch der Bereich Raumwärme und Kleinverbrauch. Hier kann durch thermische Sanierung und den Umstieg auf alternative Heizsysteme viel bewirkt werden. Auch beim Verkehr, der seit Jahren die höchsten CO2-Steigerungsraten aufweist, muss dringend etwas passieren. Der Öffentliche Verkehr muss gegenüber dem Individualverkehr attraktiver gemacht werden, aber auch die Raumordnungspolitik ist hier gefragt. Die Siedlungsentwicklung muss sich endlich verstärkt am Öffentlichen Verkehr orientieren.
Für alle Politikressorts gilt, dass darauf geachtet werden muss, Förderungen und Rahmenbedingungen, die den Klimazielen entgegenlaufen, tunlichst zu vermeiden. Insgesamt können durch Maßnahmen in den genannten fünf Bereichen mehr als 1,3 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden. Dies entspricht einer Einsparung von rund 29 % der aktuellen Salzburger Treibhausgasemissionen. Dieses Ziel wäre eine positive Vision und ein echter Prüfstein für die aktuell vielbeschworene „Enkeltauglichkeit“ der Politik.