KÜRZERE ARBEITSZEITEN ALS SCHUTZ VOR PSYCHISCHEN BELASTUNGEN
Erste Maßnahmen im Arbeitsschutzgesetz nicht weitgehend genug
„Es war ein guter Schritt im Arbeitsschutzgesetz erste Maßnahmen gegen den enormen Anstieg der arbeitsbedingten psychischen Erkrankungen festzuschreiben. Doch heute wie damals ist klar, das alleine kann den enorm gestiegenen Belastungen nicht entgegen wirken. Es war ein Tropfen auf den heißen Stein. Für wirkliche Verbesserungen der Arbeitssituation vieler Menschen braucht es ein viel weitgehenderes Maßnahmenpaket“, erklärt Birgit Schatz, ArbeitnehmerInnensprecherin der GRÜNEN.
Es braucht keine unzähligen Studien und Gegenstudien um zu erkennen, dass viele ArbeitnehmerInnen unter enormen Druck stehen, der zu negativem Stress und oft auch psychischen und physischen Erkrankungen führt. Häufig geht es um die Angst um den Arbeitsplatz und damit drohenden Wohlstandsverlust, aber auch ein schädliches Konkurrenz-und Wettbewerbsklima in Unternehmen und Organisationen. Nicht zu unterschätzen ist auch die immer stärker werdende „Entgrenzung“ von Arbeit, die Erholungs- und Regenerationsphasen immer kürzer und unterbrochener werden lässt. „Viele Unternehmensführungen erwarten von ihren MitarbeiterInnen viel mehr Flexibilität und Arbeitsbereitschaft als vertraglich vereinbart. Doch wenn jemand ohne entsprechende Zeit zum Wieder-auf-tanken regelmäßig über seine Grenzen geht, hat das gesundheitlich sicher negative Folgen. Von den sozialen Folgen ganz abgesehen. Letztlich zeigen die meisten Belastungserkrankungen dramatisches Führungsversagen im Unternehmen auf“, erläutert Schatz.
Die grüne ArbeitnehmerInnensprecherin fordert neben der Weiterentwicklung der diskutierten Arbeitsschutzmaßnahmen auch Initiativen in anderen Bereichen. Die Mehrheit der Unternehmen aber auch die BeraterInnen sind überfordert oder auch nicht kompetent genug, um Belastungsfaktoren zu erkennen und effizient einzudämmen. Oft haben Unternehmensführungen darüber hinaus einen Interessenskonflikt in der Sache: Wieviel ist der einzelne Mitarbeiter tatsächlich wert? „Psychische Belastungen in den Griff zu bekommen kann kurzfristig finanzielle Mehrbelastungen verursachen. Mittelfristiges und langfristiges Denken verliert angesichts jährlichen Gewinndrucks leider oftmals an Bedeutung. Wir brauchen also mehr Bewusstseinsbildung der Unternehmen, kompetente BeraterInnen und nötigenfalls auch höhere Strafen bei Verweigerung“, fordert Schatz.
Schatz fordert auch eine Gesetzes-Änderungen bei der Arbeitszeit: „Immer mehr Menschen führen ‚doppelte‘ Arbeitszeitaufzeichnungen, weil die Anforderungen des Unternehmens dem Arbeitszeitgesetz nicht entsprechen würden. Doch auch die von den MitarbeiterInnen gewünschte Flexibilität findet oft rechtliche Schranken. Hier braucht es eine Weiterentwicklung der Arbeitszeitgesetzgebung. Sie muss einen Rahmen für moderne Arbeitsrealitäten schaffen, der Gesundheit und soziales Leben schützt und über die Arbeitsvorstellung der 70er-Jahre des vorigen Jahrhunderts hinaus geht. Generell muss es in Richtung kürzerer tatsächlicher Arbeitszeit gehen. Ich bin überzeugt, dass das für den Einzelnen, die Unternehmen und die Gesellschaft ein guter Weg ist, um die aktuelle Belastungs-Wahnsinnsspirale zu bremsen“, hält Schatz fest.