LATSCH: EINE GEMEINDE IM ZEICHEN DES GEMEINWOHLS
Das Vinschgauer Obstanbauzentrum Latsch hat vor einem Jahr die erste Gemeinwohlbilanz erstellt. Der Prozess, ökologisch und sozial besser zu werden, geht seither immer weiter.
„Gemeinwohl ist für mich ein Herzensanliegen. Es ist wichtig, dass sich alle bei uns wohl fühlen“, sagt Bürgermeister Helmut Fischer. So strebt der 5160-Einwohnerort Energie-Autarkie an. Die Gemeindebetriebe, darunter ein stattliches Schwimmbad, beziehen die Wärme zur Gänze vom örtlichen Hackschnitzel-Fernheizwerk, einem Genossenschaftsbetrieb. Den halben Stromjahresbedarf liefern gemeindeeigene Photovoltaikanlagen. Der Anteil wird laufend ausgebaut. Im Winter informiert Latsch die Bürger regelmäßig über richtiges Heizen und schickt Interessenten kostenlos einen Energieberater. Ebenso werden Mülltrennung und -vermeidung aktiv propagiert. Die Gemeinde kauft nach Möglichkeit regional ein, wobei die Arbeitsverhältnisse bei den Lieferanten wichtiger sind als der Preis. Im Kindergarten gibt es gesunde regionale Küche. Die Gemeinde hat die Köchinnen dazu eigens geschult und entsprechende Geräte angeschafft. Nicht einmal mehr zehn der 30 Gemeindemitarbeiter fahren mit dem Auto zum Dienst, alle anderen nützen Rad und Zug. Um die Bevölkerung für Gemeinwohl zu sensibilisieren, plant Latsch den Einsatz von speziellen Dorfmoderaten des KVW (Katholischer Verband der Werktätigen Südtirols).
„Besonders bemerkenswert finde ich den engagierten Beteiligungsprozess in der Gemeinde Latsch, bei dem alle Bürgerinnen und Bürger zum Mittun, zum Einbringen eigener Ideen für die laufende Verbesserung der Gemeinwohl-Bilanz aufgerufen sind – und das in allen Bereichen, vom Gemeindeamt über die öffentlichen Aufgaben der Gemeinde bis zu Schulen und sozialen Einrichtungen“, zeigt sich der GRÜNE Klubobmann Cyriak Schwaighofer begeistert.
Angepeilt ist auch ein Vinschgauer Regionalgeld in Form von Gutscheinen. Die „Währung“ soll in den vier Gemeinwohlgemeinden des Tales regionale Kreisläufe fördern. Neben Latsch soll sie in Schlanders, Mals und Laas eingeführt werden. „Das hat auch den Effekt, dass sich Banken mit uns auseinender zu setzen beginnen“, sagt Südtirols „Gemeinwohl-Papst“ Günther Reifer (Terra-Institut Brixen).