LEHRLINGSMONITORING: PROBLEME NEHMEN NICHT AB
Talent soll Beruf bestimmen, nicht Arbeit der Eltern
„Die aktuelle Lehrlingsbefragung bestätigt: In einigen Branchen ist es eher ein Zufall als die Regel, eine gute Ausbildung zu bekommen. Qualitätskontrolle und -sicherung seitens der zuständigen Wirtschaftskammer findet kaum statt. Auch der Umgang mit Lehrlingen lässt immer wieder zu wünschen übrig. Flächendeckend ist das System Duale Ausbildung alles andere als in einem befriedigendem Zustand,“ kommentiert Birgit Schatz, ArbeitnehmerInnensprecherin der Grünen, das aktuell präsentierte Lehrlingsmonitoring.
„Minister Mitterlehner hat auch auf Drängen der Grünen hin einige Initiativen in Richtung Qualitätssicherung gestartet. Doch ohne Verbindlichkeit sind leider Betriebe, denen einen gute Ausbildung und ein fairer Umgang mit Lehrlingen kein Anliegen ist, nicht bereit sich weiterzuentwickeln,“ weiß Schatz. Sie fordert eine bessere Ausbildung der AusbildnerInnen, eine dichtere Begleitung von Ausbildungsbetrieben und eine unabhängige Qualitätssicherung.
Ein besonderes Anliegen ist den Grünen die Verbesserung der Ausbildungssituation im Hotel- und Gastgewerbe. „Das Hotel- und Gastgewerbe hat am meisten offene Lehrstellen. Dass für diese Berufe nur wenige junge Leute zu begeistern sind, hat Gründe, wie auch die aktuelle Befragung bestätigt. Die Ausbildung selbst verläuft häufig unbefriedigend und selbst Gesetzesbruch etwa bei den Arbeitszeiten gehört fast zur Regel. Schließlich sind auch die nach Abschluss der Lehre zu erwartenden Arbeits- und Entlohnungsbedingungen wenig attraktiv. Die Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen im Hotel- und Gastgewerbe müssen sich unbedingt verbessern.
Der Jugendsprecher der Grünen, Julian Schmid, ergänzt: „Die Durchlässigkeit unseres Bildungssystems ist viel zu gering. Es kommt viel mehr darauf an, was die Eltern arbeiten, als welche Talente und Vorstellungen ein junger Mensch mitbringt. Zudem bestimmt die Herkunft die Zukunft viel zu stark.“ Nur ca. sechs Prozent der Kinder aus Akademikerhaushalten machen eine Lehre. Zum Vergleich andersrum: Nur acht Prozent der Kinder aus Arbeiterhaushalten gehen auf die Universität. Für den Grünen muss es schon in der Schule anfangen. „Die Schule muss also jedes einzelne Kind besser fördern und nach seinen Talenten fordern. Im Rahmen dessen muss auch über alle möglichen Bildungswege aufgeklärt werden – im Gymnasium auch über Lehre, in den Pflichtschulen auch über Matura, Höherer Schule & Universität.“
Weiters setzt sich Schmid dafür ein, dass Lehrlinge eine Meisterprüfung kostenfrei ablegen können. „Beim Studium setzen wir uns für einen freien Zugang ein – die Lehre sollte auch frei werden.“