LEISTBARES WOHNEN IN MATTSEE – GEHT DAS?
Grund und Boden ist teuer. In Mattsee ganz besonders.
Für einen Quadratmeter Baugrund in Mattsee in zentraler Lage sind mittlerweile um die 600 Euro zu berappen! Um Wohnbau wieder leistbar zu machen, plant die Gemeinde nun die Umwidmung von 20 (!) Hektar Grünland in Bauland. Doch ist das wirklich die Lösung?
Mattsee weist derzeit 7,8 Hektar gewidmetes, unbebautes Bauland auf. Das bedeutet: Eigentlich wäre genug Bauland vorhanden, bloß wird es nicht bebaut! Dabei böte das Raumordnungsgesetz durchaus Möglichkeiten, diesem „Horten“ wertvoller Baugründe entgegenzuwirken.
GÜNSTIGES BAULAND – MÖGLICH WÄR‘S
So könnte die Gemeinde bei einer Baulandausweisung sicherstellen, dass die GrundeigentümerInnen die Hälfte des gewidmeten Baulandes für den förderbaren Wohnbau zur Verfügung stellen. Es gibt einige Gemeinden im Land Salzburg, die dies sehr erfolgreich praktizieren, so für leistbares Wohnen sorgen und damit vor allem junge Familien im Ort halten!
Ehe im großen Stil umgewidmet wird, lohnt jedenfalls genaueres Hinsehen. Die von der Gemeinde angepeilten 20 Hektar Bauland ergeben sich beispielsweise aus der Annahme, dass die Bevölkerung Mattsees in den nächsten 20 Jahren um 30 Prozent zunehmen wird. Ein derart hohes Wachstum wurde in den vergangenen 14 Jahren von keiner einzigen Salzburger Gemeinde erreicht! Auch nicht von Mattsee: Hier leben heute acht Prozent mehr Menschen als vor 14 Jahren.
BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG 1981 – 2014
| Bevölkerungsentwicklung | absolut |
| 1981 | 2089 |
| 1991 | 2550 |
| 1991 | 2550 |
| 2001 | 2850 |
| 2001 | 2850 |
| 2011 | 3114 |
| 2014 | 3100 |
Q: Statistik Austria, Volkszählungsergebnisse, Statistik der Standesfälle, Datenbank POPREG.
ZZ 1724
Bevölkerungsentwicklung durch Geburten- und errechnete Wanderungsbilanz
| Wohnbevölkerung | absolut | % | Durchschnitt/Jahr in % |
| Veränderung 1981 – 1991 | |||
| insgesamt | 461 | 22,1 | 2,21 |
| durch Geburtenbilanz | 189 | 9,0 | 0,9 |
| durch Wanderungsbilanz | 272 | 13,0 | 1,3 |
| Veränderung 1991 – 2001 | |||
| insgesamt | 300 | 11,8 | 1,18 |
| durch Geburtenbilanz | 125 | 4,9 | 0,49 |
| durch Wanderungsbilanz | 175 | 6,9 | 0,69 |
| Veränderung 2001 – 2011 | |||
| insgesamt | 264 | 9,3 | 0,93 |
| durch Geburtenbilanz | 59 | 2,1 | 0,21 |
| durch Wanderungsbilanz | 205 | 7,2 | 0,72 |
Q: Statistik Austria, Volkszählungsergebnisse
DER HOHE PREIS DER BILLIGEN RANDLAGE
Würde tatsächlich in dem geplanten Ausmaß umgewidmet, hätte dies für Mattsee eine (Zer-) Siedlungsstruktur mit massiven ökologischen und ökonomischen Auswirkungen zur Folge: Der Verkehr nimmt bei Wohnanlagen in Randlagen zu, die Belastung mit Lärm und Schadstoffen steigt. Den BewohnerInnen machen hohe Mobilitätskosten zu schaffen, parallel dazu braucht es immer mehr Steuergeld, um diese Wohneinheiten mit der notwendigen Infrastruktur – sei es Energie, Kanal oder Zufahrtsstraße – zu versorgen. Die Kosten Einzelner werden dadurch auf die Allgemeinheit übertragen.
AUSGEDIENT: DAS EINFAMILIENHAUS AUF DER GRÜNEN WIESE
Bei der Frage, wie wir in Zukunft wohnen wollen, geht es um mehr als um den Grundstückspreis. Es geht auch um Nachhaltigkeit, um Ressourcenschonung, um einen sparsamen Umgang mit dem kostbaren Gut Grund und Boden. Es geht um neue Formen des Zusammenlebens, berufliche Flexibilität und auch darum, dass wir es künftig mit mehr älteren MitbewohnerInnen zu tun haben werden. All den neuen Herausforderungen gerecht zu werden, erfordert Umdenken: Neue Wohnformen in verdichteter Bauweise mit guter Architektur und Freiraumgestaltung zeigen den Weg für eine nachhaltigere Entwicklung. Das Einfamilienhaus auf der grünen Wiese wird diesen Anforderungen oftmals nicht gerecht.