NACHTDIENST IM CARITAS-NOTQUARTIER
"Die Gesichter der Armut in Europa."
Soziallandesrat Heinrich Schellhorn machte diese Woche einen Nachtdienst im Notquartier der Caritas in der Herrnau. Für 19 Frauen, vornehmlich „Bettlerinnen“ aus Rumänien, stehen in der Notschlafstelle Herrnau ein Raum mit Matratzen, einfache sanitäre Anlagen und eine kleine Küche zur Verfügung.
„Der Dienst selbst war total unproblematisch. Die Hoffnung auf ein paar Euro von morgendlichen Passantinnen und Passanten treibt die Frauen bei jedem Wetter früh hinaus “, berichtet der Soziallandesrat.
„Aber man sieht in die Gesichter einer schrecklichen Armut in Europa. Es kann kein Ziel europäischer Sozialpolitik sein, dass Menschen in reichere Regionen fahren um dort zu betteln. Es ist eine Notlösung, mit der wir human umgehen müssen.“
SCHELLHORN: „ICH KÖNNTE DAS NICHT“
Welcher Eindruck bleibt sonst noch? „Menschen, die mit so wenig Ressourcen und einem oft sehr schlechten Gesundheitszustand diese letzte Notlösung tapfer ergreifen, verdienen Respekt. Ich könnte das nicht.“
Das Notquartier wird von der Caritas Mitarbeiterin und geistlichen Schwester Birthe Kröncke engagiert und liebevoll geleitet. „Ich schätze diese Menschen“, sagt sie. „Sie nehmen so viel auf sich, um zu überleben. Wir werden in einer reichen Stadt wie Salzburg durch sie mit der Armut auf der Welt und in Europa konfrontiert. Das sollten wir schon aushalten.“
„AUS GANZ ARMEN DÖRFERN“
Schwester Birthe kennt die persönlichen Verhältnisse vieler Notreisender inzwischen gut. Meldungen von „organisierte Kriminalität“ kann sie nicht bestätigen. „Sie kommen aus ganz armen uns bekannten Dörfern. Sie organisieren sich meistens in den Familien zum Zweck der Reise und für das Überleben in Österreich. Das ist ganz normal. Das würde jeder so machen.“
EHRENAMTLICHE GESUCHT
Die Nachtdienste im Notquartier in der Herrnau werden von der Caritas ehrenamtlich organisiert. Der Nachtdienst muss für Eventualitäten anwesend sein, hat ein kleines Extrazimmer und ist am Morgen für das Frühstück zuständig.
Es sind immer Leute gesucht, die sich dafür bereit erklären. Informationen gibt es bei Schwester Birthe Kröncke: 0676 – 848 210 338.
Mehr Infos zur Notschlafstelle Herrnau.
Redaktion: Heinrich Breidenbach