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27.12.2015 Presseaussendung

ÖFFNEN WIR UNSERE HERZEN UND TÜREN

Drei Hände unterschiedlicher Hautfarbe vor der Europaflagge

Herbergssuche in Zeiten von Krieg und Terror. Weihnachten mit dem strahlenden Christbaum ist Symbol für Licht, Hoffnung und Neubeginn. Weihnachten erinnert uns auch an die Geschichte einer Herbergssuche und an die Verletzlichkeit und Schutzbedürftigkeit der Welt in Form eines kleinen Kindes.

Seit Monaten machen sich hunderttausende Flüchtlinge auf den Weg nach Europa. Sie sind auch nach Mattsee gekommen. Hier suchen sie Schutz vor Hass, Folter, Unterdrückung und Krieg. Rücken wir zusammen und teilen wir mit ihnen, die außer ihrem Leben nichts mehr haben.

 

50 TAGE AUF DER FLUCHT

 

Zu Fuß über Berge und Felder, in ständiger Angst, erwischt und zurückgeschickt zu werden. Auf dem längsten Abschnitt in einem geschlossenen, finsteren, stickigen Kastenwagen, eingepfercht zwischen anderen. Nach 6.091 Kilometern, die zwischen Behsud, südwestlich von Kabul in Afghanistan, und Mattsee liegen, hat die Flucht ein Ende. Zumindest ein vorläufiges.

Das junge Ehepaar Narges (28) und Shabir (30) hat sich gemeinsam mit den Eltern auf die Flucht gemacht, nachdem Shabirs Bruder von den Taliban getötet wurde und auch sie mit dem Tod bedroht wurden. Die Familie gehört der ethnischen Minderheit der Hazara an, die persischsprachig und Teil der schiitischen Glaubensgemeinschaft ist. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung beträgt etwa neun Prozent. Aufgrund ihrer ethnischen und religiösen Zugehörigkeit werden die Hazara in Afghanistan verfolgt, gefoltert und gezielt getötet.

 

WANN IST EINE FLUCHT WIRKLICH ZU ENDE?

 

Wenn der Mensch, der die Heimat verlassen musste, weil er um sein Leben bangte, an einem sicheren Ort angekommen ist, an dem er betreut und versorgt wird? Wenn er die Gewissheit hat, dass er an einem Ort bleiben kann, weil er geduldet ist? Wenn er als Asylwerber anerkannt wurde und in eine Gesellschaft entlassen wird, von der er kaum mehr als eine vage Vorstellung hatte, als er sich auf die Flucht machte? Wenn er Arbeit findet und eine Bleibe? Wenn er lachen kann und Freude empfindet? Wenn er sich traut, an die Schrecken vor und während der Flucht zu denken? Wenn die Bilder dieser Schrecken blasser werden und nach und nach in den Hintergrund treten? Wenn das neue Leben das alte zurückdrängt? Wie lange das alles dauert, hängt von vielen Faktoren ab. Narges und Shabir leben seit kurzem als Gäste in einem Mattseer Privathaushalt. Sie sind vor den Taliban geflüchtet, die ihr Haus niedergebrannt und gedroht haben, sie zu töten. Sie mussten alles verkaufen – auch ihre Eheringe, um die Flucht und den Transport bis zur österreichischen Grenze bezahlen zu können. Von den Eltern wurden sie unterwegs getrennt und haben seither keinen Kontakt mehr zu ihnen. Gefragt nach ihrem Befinden, antworten sie, dass es in Österreich Sicherheit gibt und sie endlich wieder ruhig schlafen können. Dafür sind sie mehr als dankbar. Auch für das Zuhause hier in Mattsee, wenn es auch nur ein vorübergehendes ist.
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Es ist ein Zuhause, das nicht nur Tisch und Bett, sondern auch die Teilhabe am Alltag mit seiner Routine und an den besonderen Anlässen bietet. Vor allem ist es auch ein Herantasten an eine neue Lebenswirklichkeit, an die deutsche Sprache und an die Kultur des österreichischen Lebens mit Salzburger Prägung und Flachgauer Besonderheiten. Butterkipferl mit Marillenmarmelade oder Sauerkraut haben die beiden schon gekostet und Mozart durften sie auch schon erleben. Betreut werden Narges und Shabir in der Stadt Salzburg vom Verein VIELE, wo sie jeden Tag Deutschunterricht nehmen.

Wie gesagt, das alles ist vorübergehend, was aber nicht wesentlich ist. Wesentlich ist das Glück, eine offene Türe und offene Arme, Augen und Ohren gefunden zu haben. Das Erlebnis dieser Gastfreundschaft vermittelt Sicherheit und Zuversicht und stellt eine Brücke in die Zukunft dar. Sie ist ein bedeutender Mosaikstein auf dem Weg in ein neues Leben. Etwas, worauf Hoffnung bauen kann.

 

Wer längerfristig EINE PRIVATE UNTERKUNFT zur Verfügung stellen kann, melde sich bitte bei Christine Schöchl unter Tel. 0699/ 10 10 23 98 oder unter [email protected]

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