PFAS im Blut – GRÜNE präsentieren Testergebnisse
Pressekonferenz, 22. Juni 2026
Martina Berthold, Klubobfrau der GRÜNEN im Landtag
Gertrude Egger, getestete Salzburgerin
Prof. Hans-Peter Hutter, Umweltmediziner (online zugeschaltet)
PFAS sind weit über 10.000 künstlich hergestellte Chemikalien, die wasser-, fett- und schmutzabweisend wirken und deshalb in vielen Alltagsprodukten eingesetzt werden bzw. wurden – etwa in Löschschäumen, beschichteten Textilien, Lebensmittelverpackungen, Imprägnierungen oder industriellen Anwendungen. Weil sie in der Umwelt kaum abgebaut werden, werden sie auch „Ewigkeitschemikalien“ genannt. Weniger bekannt ist, dass PFAS auch in Pflanzenschutzmitteln stecken oder aus deren Abbauprodukten entstehen. So landen sie über Böden, Wasser und Lebensmittel im menschlichen Körper.
In Salzburg wurde PFAS spätestens mit der Belastung rund um den Flughafen zu einem öffentlichen Thema.Durch jahrzehntelange Verwendung PFAS-haltiger Löschschäume kam es dort zu einer erheblichen Untergrundkontamination. Betroffen waren auch private Nutzwasserbrunnen und Quellen. Der Flughafen ist aber nicht der einzige PFAS-Schauplatz. Bei zwei Salzburger Mineralwässern wurde ein PFAS-Abbauprodukt gefunden. Auch das Areal des Parkhotels Brunauer in der Elisabeth-Vorstadt war in den letzten Wochen aufgrund der PFAS-Nachweise im Boden in den Schlagzeilen. Und zusätzlich wurden in Feinstaubproben an allen drei ausgewählten Messstandorten (Lamprechtshausen, Anthering, Salzburg/Flughafen) PFAS nachgewiesen. „Wir sehen: PFAS ist in Salzburg in immer mehr Bereichen messbar. Im Boden, im Wasser, in der Luft. Nur bei den Salzburgerinnen und Salzburgern selbst gab es bisher kaum Daten. Genau deshalb haben wir das selbst in die Hand genommen“, sagt Martina Berthold, Klubobfrau der GRÜNEN im Salzburger Landtag. Die GRÜNEN haben im Herbst 2025 im Rahmen einer Informationsveranstaltung insgesamt fünf PFAS-Bluttests an Salzburger:innen verlost. Nun liegen die Ergebnisse vor.
Testergebnis: PFAS ist im Blut der Salzburger:innen angekommen
Eine der getesteten Personen ist Gertrude Egger. Sie hat sich bereit erklärt, öffentlich über ihr Testergebnis zu sprechen. „Laut Befund liegt mein PFOA-Wert bei 2,40 ng/ml und mein PFOS-Wert bei 4,61 ng/ml. Das liegt laut Human Biomonitoring Commission unter der gesundheitsschädlichen Schwelle, zeigt aber, dass ich diese Stoffe aufgenommen habe. Im Vergleich zu anderen europäischen Messergebnissen liegt mein Wert im Durchschnitt. Trotzdem beschäftigt mich das. Denn ich will wissen, woher diese Belastung kommt und wie wir verhindern können, dass noch mehr davon in unsere Körper gelangt.“
Reguliert ist bisher nur ein kleiner Ausschnitt der über 10.000 PFAS-Chemikalien, Grenzwerte gibt es nur für wenige Stoffe. Für Bluttests gibt es sogenannte Human-Biomonitoring-Grenzwerte der deutschen Human-Biomonitoring-Kommission für zwei bekannte PFAS-Stoffe: PFOA, also Perfluoroktansäure, und PFOS, also Perfluoroktansulfonsäure. Diese Orientierungswerte liegen bei 2 ng/ml für PFOA und 5 ng/ml für PFOS. Unterhalb dieses Wertes ist nach aktuellem Wissensstand nicht mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu rechnen. Klar ist aber auch: Ein einzelner Bluttest beantwortet nicht die Frage, woher die Belastung kommt. Genau deshalb braucht es mehr Daten, mehr Transparenz und einen PFAS-Stopp.
Medizinische Einordnung durch Umweltmediziner Hans-Peter Hutter
Der Umweltmediziner Assoz.-Prof. Hans-Peter Hutter von der MedUni Wien beschäftigt sich seit Jahren mit Umweltchemikalien. Er weist darauf hin, dass PFAS extrem beständig sind, sich in Wasser, Luft, Boden anreichern und schließlich in die Nahrungskette und so in den menschlichen Körper gelangen. Die Aufnahme erfolgt hauptsächlich über verunreinigtes Trinkwasser oder kontaminierte Lebensmittel (vor allem Fisch, Fleisch und Innereien). Auch über die Atemwege und die Haut können diese Stoffe in den Organismus gelangen, allerdings sind diese Aufnahmepfade von untergeordneter Bedeutung. Hutter betont auch die gesundheitliche Dimension: „Akute Effekte sind von PFAS im Alltag nicht zu erwarten. Das Problem liegt vielmehr in der langfristigen Belastung. Auch sehr kleine Mengen können so relevant sein. Betroffen sind unter anderem das Immun- und Hormonsystem sowie der Zucker- und Fettstoffwechsel. Zudem gibt es Hinweise auf eine erhöhte Krebsgefahr.“
Die Forschungseinheit an der MedUni Wien stuft PFAS als Stoffe ein, deren gesundheitsbedenkliche bis schädigende Wirkung auf Menschen und andere Organismen längst unbestritten ist. Als besonders vulnerabel gelten werdende Mütter und Kinder. Auch die Krebsfrage ist ernst zu nehmen: Die Internationale Agentur für Krebsforschung hat die Verbindung PFOA als krebserregend für den Menschen eingestuft, PFOS als möglicherweise krebserregend.
Hutter fasst zusammen: „Das Ergebnis eines einzelnen Bluttests sagt nicht automatisch, dass eine konkrete Erkrankung droht. Es sagt aber sehr wohl aus, dass man Kontakt mit diesen Stoffen hatte und davon etwas auch im Körper angekommen ist. Es zeigt eben, dass diese Chemikalien nicht nur isoliert in der Umwelt vorkommen. Daher ist es wichtig, diese Ergebnisse ernst zu nehmen und dafür zu sorgen, dass der Eintrag von Ewigkeitschemikalien in die Umwelt deutlich reduziert wird und so auch die Belastung der Menschen reduziert wird.“
Aufklärung und Schutz gefordert
Gertrude Egger steht stellvertretend für viele, die mit PFAS in Berührung kommen können: Anrainer:innen belasteter Gebiete, Konsument:innen, aber auch Landwirt:innen, die mit Pflanzenschutzmitteln arbeiten. Gerade dort, wo Pestizide gespritzt werden, geht es nicht nur um Böden und Erträge, sondern auch um die Gesundheit jener, die Tag für Tag damit umgehen. „Ich mache mir Sorgen um die Menschen, die jeden Tag mit solchen Stoffen konfrontiert sind: Landwirt:innen, junge Familien, Kinder, Anrainer:innen. Wir alle brauchen Aufklärung und Schutz“, so Egger und fordert den Stopp aller PFAS-haltigen Pestizide.
Für Berthold liegt der Ball nun bei der Landes- und Bundesregierung: „Die Testergebnisse zeigen, dass PFAS auch im Blut der Salzburger:innen angekommen sind. Jetzt braucht es umfassende Aufklärung, gezieltes Monitoring und konkrete Maßnahmen, damit diese Ewigkeitschemikalien nicht weiter in unsere Umwelt und unsere Körper gelangen.“
- PFAS-Tests für betroffene Gruppen: Das Land soll PFAS-Bluttests anbieten für besonders betroffene Gruppen wie Anrainer:innen belasteter Gebiete, Feuerwehrleute mit möglicher Löschschaum-Exposition und Landwirt:innen. „Es braucht ein umfassendes Bild, wie stark die Salzburgerinnen und Salzburg belastet sind. Betroffene Menschen haben ein Recht darauf zu erfahren, wie viel PFAS sie im Blut haben“, so Berthold.
- Konsument:innen-Schutz: Die gesundheitlichen Belastungen und Risiken der Ewigkeitschemikalien sind vielen Konsument:innen noch nicht bekannt. Hersteller drücken sich noch um transparente Informationen. „PFAS dürfen nicht weiter in unsere Körper gelangen. Im Sinne des Konsument:innen-Schutzes und der Gesundheitsprävention fordern wir die Landesregierung auf, umfassend über die Risiken von PFAS-haltigen Produkten zu informieren und Alternativen aufzuzeigen,“ fasst Berthold zusammen.
- Transparenz, Monitoring, PFAS-Management: Es braucht ein systematisches PFAS-Monitoring in Salzburg: „Das Land muss alle bekannten PFAS-Messdaten zu Boden, Wasser, Luft, Lebensmitteln und belasteten Standorten vollständig und verständlich veröffentlichen,“ so Berthold und wiederholt die Forderung nach einer PFAS-Koordinationsstelle auf Landesebene: „PFAS betrifft viele Lebensgrundlagen und damit viele Bereiche – von Gesundheit über Wasser, Umwelt bis Landwirtschaft. Für ein ganzheitliches und vor allem effizientes Management braucht es dringend eine zentrale PFAS-Koordination.“
- PFAS in der Nahrungskette stoppen: PFAS dürfen nicht weiter unkontrolliert in Umwelt, Lebensmittel und Körper gelangen. Deshalb braucht es klare Ausstiegspläne für PFAS-haltige Produkte, Pestizide, Löschschäume und industrielle Anwendungen. Die Bundesregierung muss sich auf EU-Ebene für strenge Regeln einsetzen und endlich ein Pestizidregister schaffen, das Wirkstoffe, Einsatzmengen und Regionen nachvollziehbar macht. „Nur wenn sichtbar ist, welche Pflanzenschutzmittel wo eingesetzt werden, können Gewässer, Böden, Lebensmittel und Menschen wirksam geschützt werden“, so Berthold.