REDEN WIR DARÜBER: PSYCHISCHE GESUNDHEIT
Die Grünen Obertrum - Landläufig wird beim Thema Gesundheit zuerst der Körper bedacht. Dass auch seelisches Wohlbefinden nicht selbstverständlich ist, wird häufig übersehen. Gerade auf dem Land werden psychische Probleme oft noch immer totgeschwiegen, sehr zum Leidwesen der Betroffenen.
Man kann sich nicht aussuchen, ob man sich das Bein bricht oder psychisch erkrankt. Doch egal ob es das Bein ist oder die Psyche – jede*r Erkrankte* hat die gleiche Behandlung und Unterstützung verdient. Aussagen wie „Lass dich nicht so gehen!“ oder „Stell dich nicht so an!“ ignorieren nicht nur eine ernsthafte Erkrankung und die erkrankte Person, sie führen oft auch dazu, dass Betroffene sich noch mehr zurückziehen. Unverständnis führt oft zu weiteren seelischen Verletzungen, gerade wenn z.B. Abhängigkeitsverhältnisse bestehen.
Die angespannte Situation der letzten Monate, das dauerhafte „Aushalten-Müssen“ von Isolation und/oder Mehrbelastung bei gleichzeitig sehr eingeschränkten Möglichkeiten sich seelisch aufzutanken, haben bei vielen – besonders auch bei jungen Menschen – zu psychischen Symptomen geführt, etwa in Form von Depression, Suchtverhalten oder Burnout. Endlich finden immer mehr Menschen den Mut, über ihre Erfahrungen mit einer psychischen Krankheit zu sprechen und Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Ein wichtiger Schritt in Richtung: mehr psychische Gesundheit aller! Schließlich sind Krisen und Belastungssituationen ein Teil jedes Lebens. Je offener damit umgegangen wird, desto weniger das Leid für alle Beteiligten. Auch seelische Wunden brauchen Zeit und Fürsorge, um zu heilen.
So ist in der Arbeit mit Jugendlichen zu bemerken, dass Eltern zunehmend in der Lage sind, psychische Erkrankungen ihrer Kinder wahr- und ernst zu nehmen und entsprechende Maßnahmen zur Verbesserung der Situation einzuleiten. Ein Segen für die betroffenen Kinder! Sind ganze Familiensysteme überlastet (und hier geht es keinesfalls um das Auffinden von „Schuldigen“, Belastungssituationen haben immer lange Geschichten), ist eine Verbesserung oft nur sehr schwer möglich. Umso wichtiger sind dann Freund*innen, Schule oder Ausbildungsplatz und professionelle Hilfe.
In diesem Sinne: Nehmen wir seelische Schmerzen ernst und bieten wir Betroffenen unsere Unterstützung an. Mit Zuhören und „einfach da sein“, ist oft schon sehr viel geholfen. Professionelle Hilfe, Mut zur Veränderung und ein unterstützendes soziales Umfeld geben die nötige Hilfestellung, um wieder zurück zur Lebensfreude zu finden.
Uns GRÜNEN ist es ein Anliegen, dass Obertrum ein Ort ist, in dem offen mit jeder Art von Beeinträchtigung umgegangen wird und Unterstützung in jedem Fall als notwendig erkannt und auch geleistet wird. (MLF)