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17.03.2015 Presseaussendung

CHR.DOPPLER-KLINIK: ROLLE IM NATIONALSOZIALISMUS AUFARBEITEN

schwarzer Stoff mit Wassertropfen

„Müssen uns der Vergangenheit stellen und dürfen nicht den Mantel des Schweigens über die dunklen Kapitel unserer Geschichte ausbreiten!“

„Die Rolle der Christian Doppler-Klinik (CDK) während und nach der Zeit des Nationalsozialismus muss erforscht und aufgearbeitet werden“, fordert die GRÜNE LAbg. Kimbie Humer-Vogl und wird morgen, Mittwoch, einen entsprechenden Antrag im Landtag einbringen. „Viel zu lange galt die Auseinandersetzung mit der Medizin sowie dem Gesundheitssystem während der Zeit des Nationalsozialismus als Tabu-Thema und es wurde der Mantel des Schweigens über die Vergangenheit ausgebreitet. Wir müssen uns unserer Vergangenheit stellen. Das sind wir den Opfern schuldig.“

Der historische Bestand an medizinischen Krankenakten der CDK aus den Jahren 1850 bis 1969 – und somit auch sämtliche Akten aus der NS-Zeit – ist dem Salzburger Landesarchiv seit Kurzem zugänglich.

„Die CDK, während der NS-Zeit Landesheilanstalt für Nerven- und Gemütskranke genannt, spielte während des Nationalsozialismus eine mehr als unrühmliche Rolle“, führt LAbg. Kimbie Humer-Vogl aus. „Die Klinik beteiligte sich damals an der Aktion T4, also der systematischen Ermordung von 70.000 Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen. In der Zeit bis 1941 wurden insgesamt 262 Klinikpatienten und -patientinnen aus der Christian Doppler-Klinik abtransportiert und größtenteils in der Tötungsanstalt Hartheim ermordet.“

Wie ungenügend die Aufarbeitung der Geschichte bisher passierte, zeigt unter anderem die Wortwahl in einer Presseaussendung der SALK vom 26.2.2015 zur Rettung des Aktenarchivs. In dieser Presseaussendung heißt es: „Diese Krankenakte stellen nicht nur eine wertvolle historische Quelle (z.B. ‚Kriegszitterer‘ nach dem ersten Weltkrieg, NS-Euthanasie etc.) dar, sondern sie haben auch weiterhin medizinische Bedeutung, beispielsweise bei erblich relevanten Krankheiten.“

„Hier wird völlig unreflektiert die Sprache einer schrecklichen Ideologie übernommen, die 70 Jahre zurück liegt und unermessliches Leid für die Betroffenen sowie großen Schaden für die Stellung der Wissenschaft in Österreich angerichtet hat“, kritisiert die GRÜNE Landtagsabgeordnete Humer-Vogl.

Nach heutigem Wissensstand beteiligte sich die Salzburger Heilanstalt nach 1941 zwar nicht an der sogenannten „Wilden Euthanasie“. Fest steht aber, dass auch nach 1945 medizinisches Personal an der Klinik blieb, dessen Rolle in Bezug auf Nazi-Verbrechen nicht eindeutig geklärt war und ist. Unklar ist auch die Frage, inwieweit PatientInnen der CDK für medizinische Versuche während der NS-Zeit missbraucht wurden.

Darüber hinaus erfolgte auch lange nach 1945 die Feststellung und Bewertung von psychischen Krankheiten bzw. sozialen Auffälligkeiten nach dem erbbiologischen Konzept bzw. der erbbiologischen Ideologie der NS-Psychiatrie. Deshalb seien die Krankenakten nach 1945 dementsprechend kritisch zu beurteilen und müssten in einen wissenschaftshistorischen Zusammenhang gesehen werden, betont Humer-Vogl.

„Gerade in Hinblick auf das Wiederaufkeimen rechtsnationalistischer Gesinnungen in Salzburg, das sich in Form von erschütternden Aktionen wie Beschmierungen von Gedenktafeln und Denkmalen sowie der mehrfachen Zerstörung des Euthanasie-Mahnmals zeigt, dürfen wir uns dem Erinnern und Aufarbeiten nicht verschließen“, sagt die GRÜNE Abgeordnete abschließend.

Kimbie Humer-Vogl

Landtagsabgeordnete, Gemeindevertreterin Hallein

[email protected]
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