SALZBURG AG: SATTE GEWINNE MIT ATOMSTROM
Österreich soll 2015 atomstromfrei sein. Doch wie viel Atomstrom fließt aktuell noch in Salzburgs Haushalten? Die Salzburg AG verweigert eine lückenlose Offenlegung ihres lukrativen Stromhandels. Eine glaubwürdige Energiepolitik muss auf mehr Transparenz drängen.
Österreichs Energieversorger haben sich freiwillig dazu verpflichtet, keinen Atomstrom mehr zu liefern. An Haushalte ab Ende 2013 und an Industriekunden ab Ende 2015. Damit soll der Import von Graustrom – also Strom unbekannter Herkunft mit einem Atomstromanteil von etwa 26% – endgültig gestoppt werden.
Bisher ist die Salzburg AG dem klaren Auftrag, die Herkunft des von ihr vertriebenen Stroms lückenlos offenzulegen, nicht nachgekommen. Der Hintergrund: Die Salzburg AG kann nur 52% ihres Stromvertriebs aus Eigenerzeugung decken. Der Rest muss auf dem internationalen Markt zugekauft werden. Und dieser ist undurchsichtig. Auf Druck der Grünen hat die Salzburg AG eine Liste von in- und ausländischen Strompartnern vorgelegt, darunter eine Reihe bekannter Atomstromlieferanten wie EON oder RWE. Die Salzburg AG konnte nicht nachweisen, dass es sich tatsächlich um atomstromfreie Energieverträge handelt. Das erhärtet den Verdacht, dass bei Endkunden der Salzburg AG auch Atomstrom ankommt.
Beim Stromhandel hat das Unternehmen seine Aktivitäten in den letzten 10 Jahren verfünffacht und macht damit heute zweistellige Millionengewinne. Mittlerweile wird Strom an der Strombörse 5-10 Mal gehandelt, bevor er beim Kunden verbraucht wird. Bei diesen Geschäften ist die Herkunft des Stroms großteils unbekannt, im europäischen Durchschnittsmix sind zwischen 25 und 30% Atomstrom enthalten. Und in eben diesem Umfeld macht die Salzburg AG bis heute ihre Gewinne, während sie ihren Endkunden eine heile Öko-Welt ohne Atomstrom vorgaukelt.
Nach wie vor offen bleibt daher die heikle Frage des Stromhandels, der bei der Salzburg AG bereits 80% des gesamten Geschäftsvolumens ausmacht, während die Versorgung der Salzburger Haushalte und Betriebe nur mehr eine vergleichsweise geringe Rolle spielt. Eine glaubwürdige Energiepolitik wird ihre eigenen öffentlichen (!) Energieversorger in die Pflicht nehmen müssen. Der lukrative Stromhandel muss transparent und vor allem atomstromfrei werden, fordert die Grüne Landessprecherin Astrid Rössler: „Wenn wir als Land Salzburg wirklich gegen die Kernkraft sind und es gleichzeitig nicht möglich ist, Stromhandel ohne Atomstrom zu betreiben, dann muss unser Landesenergieversorger eben die Finger davon lassen.“