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26.06.2026 Presseaussendung

GRÜNE präsentieren 5-Punkte-Plan gegen Hitze in Salzburg

Thermometer vor Sonne

PRESSEINFORMATION

Martina Berthold, Klubobfrau der GRÜNEN im Salzburger Landtag

Kimbie Humer-Vogl, Abgeordnete der GRÜNEN im Salzburger Landtag

Salzburg schwitzt und die Klimakrise ist im Alltag angekommen. Während die Temperaturen im Land Richtung 40 Grad steigen, kritisieren die GRÜNEN das Vorgehen der schwarz-blauen Landesregierung als unzureichend. Es fehlt ein ambitionierter Plan, um das Land abzukühlen. Mit einem konkreten 5-Punkte-Plan fordern Klubobfrau Martina Berthold und Gesundheitssprecherin Kimbie Humer-Vogl einen echten Schutzschirm statt unkoordinierter Einzelmaßnahmen.

 

Die Fakten sind alarmierend: Österreich erwärmt sich doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt, 2024 war das wärmste Jahr in Salzburgs Messgeschichte – und es wird heißer. Im selben Jahr starben in Salzburg 48 Menschen an den Folgen der Hitze und die Dunkelziffer ist viel höher. Das sind doppelt so viele wie im Straßenverkehr. Hitze ist längst keine Ausnahmeerscheinung mehr, sondern eine ernsthafte Gesundheitsbelastung für Kinder, Senior:innen und chronisch Kranke. Das Rote Kreuz meldet heuer bereits um 40 Prozent mehr Einsatzzahlen als noch im Vorjahr. Die GRÜNEN betonen, dass Hitzeschutz eine Frage der sozialen Gerechtigkeit ist: Während Wohlhabende in klimatisierte Räume flüchten können, sind Menschen mit geringem Einkommen oft in überhitzten Wohnungen gefangen.

 

Martina Berthold (Klubobfrau der GRÜNEN im Landtag): „Ein gut gemeintes Merkblatt kühlt weder ein Klassenzimmer noch ein Pflegezimmer. Es braucht jetzt klare politische Entscheidungen, um die Salzburger:innen zu schützen. Die Landesregierung darf sich nicht aus ihrer Verantwortung stehlen und den Hitzeschutz allein auf die Eigenverantwortung der Salzburger:innen reduzieren. Wir brauchen jetzt echte Investitionen in die Infrastruktur. Von kühlenden Grünflächen bis hin zu einer Sanierungsförderung, die den sommerlichen Wärmeschutz fix verankert. Wer heute bei der Vorsorge spart, zahlt morgen mit der Gesundheit der Salzburger:innen.“

 

Kimbie Humer-Vogl (Gesundheitssprecherin der GRÜNEN): „Hitze ist kein Komfortproblem, sondern ein massives Gesundheitsrisiko, das soziale Ungleichheit zementiert. Während manche sich in klimatisierte Räume zurückziehen können, sind viele ältere Menschen oder Familien mit wenig Einkommen der extremen Hitze schutzlos ausgeliefert. Wir dürfen nicht warten, bis die Notaufnahmen überfüllt sind – wir brauchen jetzt einen Schutzschirm, der Gesundheit als Grundrecht für alle Salzburger:innen sichert, unabhängig vom Geldbeutel.“

 

Der 5-Punkte-Plan der GRÜNEN für ein kühleres Salzburg

 

  1. Gesundheitskompetenz zu Hitze ausbauen

Hitze wird noch immer gefährlich unterschätzt. Ein älterer Mann lehnt ein Hitzeschutzmerkblatt ab – er habe lang in Spanien gelebt, Hitze mache ihm nichts aus. Bei der Matura während der Hitzewelle gibt es klare Kleidervorschriften, aber kein Wasser für die Prüflinge. Zwei über 70-Jährige berichten stolz, in der Mittagshitze mehr als zehn Kilometer gelaufen zu sein – und ernten dafür Applaus. Umweltmedizinerin Dr. Claudia Traidl-Hoffmann bringt es auf den Punkt: „Es ist unfassbar, wie leichtsinnig Menschen bei Hitze sind.“

 

 

Dabei sind Hitzenotfälle fast zur Gänze vermeidbar, wenn man seine persönlichen Risiken und entsprechende Präventionsmaßnahmen kennt. So kann für Jugendliche eine Kombination aus Alkohol und Hitze zu bösen Überraschungen führen, für Straßenarbeiter:innen kann eine fehlende Kopfbedeckung tödlich enden und die bei Hitze nachlassende Wirkung von Medikamenten kann bei kranken Menschen zur ernsten Gesundheitsgefahr werden. Dazu kommt die generell negative psychische Auswirkung von Hitze, wie Agitiertheit, Aggression, Ermüdung und Konzentrationsschwierigkeiten, die die Achtsamkeit für sich und andere erheblich senkt.

 

 

Die GRÜNEN fordern daher eine Offensive für mehr Gesundheitskompetenz zu Hitzegefahren. Denn Hitze ist keine Gefahr, die nur Randgruppen betrifft – sie ist eine reale, zunehmende Gesundheitsgefahr, die von jedem einzelnen/jeder einzelnen ernst genommen werden muss. Das Gesundheitsrisiko Hitze muss priorisiert behandelt werden, gerade während Hitzetagen müssen Hitzewarnungen und Verhaltensempfehlungen in einer Dauerschleife kommuniziert werden.

 

 

  1. Hitzeschutz für vulnerable Gruppen: Kinder, ältere Menschen, Kranke und Menschen mit Behinderung

Die Klimakrise macht Gebäude im Sommer zur Gesundheitsfrage. Die Mehrheit der Schüler:innen und Lehrkräfte empfinden Hitze in Schulgebäuden als Belastung. In Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen beeinträchtigen überhitzte Räume Gesundheit und Genesung – Pfleger:innen und Ärzt:innen arbeiten zunehmend an der Belastungsgrenze.

 

 

Die GRÜNEN fordern ein umfassendes Maßnahmenpaket für alle betroffenen Einrichtungen: verbindliche Hitzeschutzpläne, funktionierende Außenbeschattung, Begrünung von Schulhöfen und Fassaden sowie kühle Aufenthalts- und Ruheräume. Energieeffiziente Kühlsysteme, thermische Sanierungen und konsequentes nächtliches Querlüften müssen ebenso Standard werden wie eine ausreichende Trinkwasserversorgung. Die bestehenden Sanierungsförderungen sind dabei konsequent auszuschöpfen. Denn eines muss gelten: Jeder Mensch hat das Recht auf eine gesunde Umgebung – unabhängig von Postleitzahl, Schulerhalter oder Pflegeträger.

 

 

  1. Hitzeschutz darf kein Privileg sein: Sozial treffsichere Förderung für außenliegenden Sonnenschutz

Wer es sich leisten kann, investiert in Verschattung, Klimaanlage oder thermische Sanierung. Wer es sich nicht leisten kann, bleibt in der überhitzten Wohnung. Hitzeschutz darf aber kein Einkommensprivileg sein – er ist ein Grundrecht.

 

Die GRÜNEN fordern daher ein sozial treffsicheres Förderprogramm für außenliegenden Sonnenschutz im Rahmen der bestehenden Sanierungsförderung. Außenjalousien, Markisen und Verschattungselemente sind wirksam, rasch umsetzbar und erschwinglich – wenn die Förderung stimmt. Denn Sanieren heißt nicht nur Heizkosten senken. Sanieren heißt auch, Menschen im Sommer vor Überhitzung zu schützen.

 

 

  1. Grünräume, Bäume, Trinkbrunnen und Entsiegelung: Das Land muss die Gemeinden unterstützen

Versiegelte Flächen heizen sich auf und speichern die Wärme – Asphalt und Beton verwandeln Ortszentren, Schulhöfe und Wohnviertel in Hitzeinseln. Dabei sind die Lösungen bekannt: Bäume spenden Schatten und kühlen durch Verdunstung; Entsiegelungen lassen Regenwasser versickern; Grünflächen senken die gefühlte Temperatur spürbar. Trinkbrunnen, beschattete Haltestellen und Cooling Spaces ermöglichen es Menschen, sich im öffentlichen Raum auch an heißen Tagen sicher aufzuhalten.

 

 

Doch viele Gemeinden verfügen weder über die finanziellen Mittel noch die planerischen Kapazitäten, solche Maßnahmen umzusetzen. Die GRÜNEN fordern ein Landesprogramm mit Fördermitteln, fachlicher Beratung und klaren Standards für Hitzeschutz im öffentlichen Raum. Ob Menschen im Sommer einen schattigen Platz, einen Trinkbrunnen oder einen kühlen Raum in ihrer Nähe finden, darf nicht vom Zufall oder vom Gemeindebudget abhängen. Hitzeschutz muss dort ankommen, wo Menschen leben.

 

 

  1. Koordinierung und Datenbasis – Salzburg braucht eine Hitze-Task-Force

Jedes Jahr das gleiche Bild: Erst wenn die Hitze da ist, beginnt das Puzzlespiel. Pflegeeinrichtungen, Gemeinden und Einzelpersonen handeln auf eigene Faust – mit unterschiedlichen Materialien, oft ohne Bezug zur Zielgruppe. Dabei wäre zielgruppengerechte Prävention entscheidend: mehrsprachig, barrierefrei, rechtzeitig – und mit Wiedererkennungswert. Dass Medikamente bei Hitze ihre Wirkung verändern, wissen die wenigsten. Für viele ältere oder psychisch kranke Menschen, bzw. ihre Betreuer:innen, ist das eine lebensrelevante Information. Die GRÜNEN fordern eine Hitzekoordinierungsstelle, die Maßnahmen ganzjährig bündelt, Infomaterial koordiniert und zielgruppen-fokussiert ausschickt und – nach dem Vorbild Frankreichs – Kälteorte organisiert und vulnerable Personen aktiv kontaktiert.

 

 

Gleichzeitig fehlt die Datenbasis. Hitzetote werden in Österreich nicht systematisch erfasst. Hochrechnungen aus Deutschland legen nahe, dass es dreimal so viele Hitzetote wie Verkehrstote gibt – auf Salzburg umgerechnet wären das für 2025 nicht 29, sondern rund 72 Hitzetote. Auch die Anzahl der Hitzenotfälle lässt sich nur ungefähr einschätzen. Das Rote Kreuz Salzburg spricht von rund 100 zusätzlichen Notfalleinsätzen in Hitzeperioden pro Tag, Tendenz steigend. Es braucht neue, innovative Ansätze, um den Zusammenhang zwischen der Umgebungs-Temperatur und individuellen Gesundheitskrisen zu präzisieren. Denn nur wer das Problem misst, kann es bekämpfen. Und auch der Erfolg von präventiven Hitzeschutz-Maßnahmen lässt sich ohne belastbares Zahlenmaterial nicht nachweisen.