SPRACHE SCHAFFT WIRKLICHKEIT
Kritik am Entwurf der ÖNORM A 1080 zur Regelung der Verwendung geschlechterneutraler Sprache
Der von Austrian Standards vorgelegte Entwurf zur ÖNORM A 1080, der die Verwendung geschlechtergerechter Sprache neu regeln soll, stößt bei Frauenreferentin Landesrätin Mag. Martina Berthold auf große Ablehnung: „Seit mehr als 20 Jahren setze ich mich für eine geschlechtergerechte Sprache ein, verwehre mich gegen das ‚Mitgemeintsein‘ und akzeptiere keine Generalklauseln oder Ausflüchte, dass das alles ja so kompliziert und unlesbar wird“.
Die Antworten auf ein Rundmail von Landesrätin Berthold an die Frauenministerin und ihre politischen Kolleginnen in den Ländern haben eine breite Kritik an den geplanten Normierungen gezeigt. Auch Bundesministerin Gabriele Heinisch-Hosek, Landesrätin Dr. Christine Baur (Tirol), Stadträtin Sandra Frauenberger (Wien), Landesrätin Verena Dunst (Burgenland) und Landesrätin Dr. Bettina Vollath (Steiermark) lehnen die Einschränkung der geschlechtergerechten Sprache ab.
Frauen müssen in der Sprache sichtbar sein
Art. 7 Abs. 2 B-VG besagt: „Bund, Länder und Gemeinden bekennen sich zur tatsächlichen Gleichstellung von Mann und Frau. Maßnahmen zur Förderung der faktischen Gleichstellung von Frauen und Männern insbesondere durch Beseitigung tatsächlich bestehender Ungleichheiten sind zulässig.“
Geschlechtergerechte Sprache sei ein wirksames Mittel, um dieses Ziel umzusetzen, so Berthold. Wer Frauen nicht benennt, macht sie unsichtbar. Das haben auch wissenschaftliche Untersuchungen bestätigt: Werden in Texten ausschließlich männliche Formen verwendet, assoziieren Testleserinnen und -leser auch hauptsächlich Männer mit den beschriebenen Personen. Der ÖNORM-Entwurf A 1080 widerspricht dem Ziel einer geschlechtergerechter Sprache in Kernpunkten völlig und ist daher abzulehnen.
Falls daran festgehalten wird, Richtlinien zur geschlechtergerechten Sprache im Rahmen einer ÖNORM festzulegen, müssten in die Erarbeitung solcher Regelungen auf jeden Fall das Bundesministerium für Bildung und Frauen, die Frauenreferentinnen der Landesregierungen, Sprach- und Kommunikationswissenschaftler/innen sowie Vertreter/innen von Gleichbehandlungsstellen einbezogen werden, betonte Berthold.