STARKE ORTE – STARKES LAND!
Junge wandern ab, Geschäfte sperren zu. Immer mehr Salzburger Gemeinden kämpfen mit Problemen wie diesen. LHStv. Astrid Rössler erklärt, warum „Ortskernbelebung“ zur Überlebensfrage wird.
Welche Chance haben Projekte zur Ortskernbelebung in Zeiten riesiger Einkaufszentren und Internet-Shopping?
Astrid Rössler: Die Chancen sind so gut wie nie zuvor. Die Landesregierung hat mit ihrem Ausbaustopp für große Handelsflächen eine Richtungsentscheidung getroffen. Diese Entscheidung war die Grundvoraussetzung, damit Maßnahmen zur Orts- und Stadtkernstärkung überhaupt wirken können. Nun sind die Gemeinden am Zug, diese Chance zu nutzen.
Wozu die Mühe mit der Belebung der Ortskerne?
Astrid Rössler: Wenn eine Gemeinde nicht in der Lage ist, eine gewisse Infrastruktur anzubieten, dann wird sie entweder zur Schlaf- oder zur Zweitwohnsitzgemeinde. Schon jetzt kämpfen zahlreiche Salzburger Gemeinden mit stagnierenden, zum Teil sogar rückläufigen Bevölkerungszahlen. Nichts zu tun, hieße, die bestehenden Siedlungsstrukturen aufzugeben. Das wollen wir nicht.
Die Wiederbelebung des kleinen Greißlers hat noch kaum wo funktioniert…
Astrid Rössler: Es geht nicht darum, wo man seinen Häupelsalat kauft. Sondern darum, in den Orts- und Stadtkernen wieder einen breiten Branchenmix zu verankern. Die Physiotherapie-Praxis gehört da genauso dazu wie der Blumenladen und das Elektro-Fachgeschäft. Das bringt Leben in die Zentren. Und natürlich soll es auch der Supermarkt sein, Supermärkte sind ausgezeichnete Frequenzbringer! Aber bitte im Ortszentrum und nicht draußen auf der Wiese.
Gehört es nicht zum modernen Leben dazu, dass ich in Ort A wohne, in B arbeite und in C einkaufe?
Astrid Rössler: Leider liegen Wohn- und Arbeitsstätte in der Regel nicht so schön nebeneinander wie A und B im Alphabet. Für viele Menschen bedeutet der Weg in die Arbeit, täglich viel Zeit mit Pendeln verbringen zu müssen. Und eines ist auch klar: Ob Shoppen oder Arbeit – je mehr Wege aufgrund ihrer Entfernung mit dem Auto zurückgelegt werden müssen, desto stärker nimmt die Lärm- und Schadstoffbelastung zu. Da lohnt es schon, darüber nachzudenken, wie man Geschäfte, Handwerker und Dienstleister und damit auch verstärkt Arbeits- und Ausbildungsplätze in unterschiedlichen Berufsfeldern in möglichst viele Ortskerne bringen kann.
Ortskernbelebung als Impuls für die Wirtschaft?
Astrid Rössler: Auch. Wem es gelingt, seinen Orts- oder Stadtkern mit Leben zu erfüllen, der wird die Kaufkraft in der Region halten können und weniger an große Zentren oder den Internethandel verlieren. Tatsächlich geht es aber um noch mehr: Der Revitalisierung unserer Zentren kommt eine höchst soziale Funktion zu. Ohne die Möglichkeit sich zu begegnen, gibt es keine Gemeinschaft. Man läuft sich öfter über den Weg, man trifft sich. Das Zusammenleben bekommt eine andere Qualität.
Wie viel werden die notwendigen Maßnahmen kosten, und woher soll das Geld bei knappen Kassen kommen?
Astrid Rössler: Bei den allermeisten Fragen geht es nicht ums Geld, sondern nur darum, es zu tun. Wenn Gemeinden diesen Weg gehen wollen, können sie jederzeit loslegen. Die Unterstützung des Landes haben sie.
SO BELEBT MAN EINEN ORTSKERN
Pulsierendes Leben oder öde Fadesse? Wie ein Ortskern wirkt, hängt von vielen Faktoren ab. Von zentraler Bedeutung ist ein Frequenzbringer: ein Supermarkt, ein Gastronomiebetrieb oder ein innerstädtisches Einkaufszentrum. Doch selbst scheinbare Nebensächlichkeiten wie die Fassade können darüber entscheiden, ob ein Kunde eintritt oder lieber draußen bleibt. Auch wichtig für die Aufenthaltsqualität: Plätze zum Verweilen.
Zur Frage der Ortskernbelebung liegt umfangreiches Expertenwissen vor. Dieses soll verstärkt in die regionalen Planungen einfließen.