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06.07.2022 Presseaussendung

STOL­PER­STEI­NE GEGEN DAS VER­GES­SEN

Stolpersteine

»Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen. Darin liegt der Kern dessen, was wir zu sagen haben.« (Primo Levi)

Bei meinen ersten Spaziergängen in Großgmain zu Beginn der 80er Jahre fiel mir immer das, dem Verfall preis- gegebene, Thanhäuslgut auf. Damals konnte man noch hineingehen und die Schönheit des Gebäudes erahnen.

Jetzt ist nur noch ein Steinhaufen übrig geblieben. Schade! Auch, wenn ein Gebäude langsam verfällt, bald endgültig verschwunden ist und der letzte

Stein weggeräumt wurde, sollten die Menschen, die darin einmal gelebt haben und deren Heimat das einmal war, nicht vergessen werden.

 

Das Thanhäuslgut war seit 1850 die Sommerresidenz, das Ferienhaus der jüdischen Familie Weiss aus Wien. Viele ihrer Mitglieder erlitten das gleiche Schicksal wie so viele andere jüdische Mitbürger*innen: Deportation und Ermordung in den Konzentrations- lagern. Ihr Haus in Großgmain wurde enteignet und einem Bayrisch Gmainer Bürger zugesprochen. 1956 wurde das Thanhäuslgut an die überlebenden Erben restituiert, die es dann verkauften.

 

Die Namen, die nicht vergessen werden sollen, sind Marie und Ludwig Weiss, deren Kinder Margarete Haas (geb. Weiss), Robert und Edina Weiss und Friederike Eidlitz (geb. Weiss). Und ebenso soll der Sohn einer Großgmainer Familie nicht vergessen werden, der in Hartheim umgebracht wurde.

 

Gerade heute, wo Zeichen der Vernichtung und Verachtung von Menschen an Großgmainer Häuserwänden und auf Plakaten wieder vermehrt auftauchen, können wir die Vergangenheit nicht ausblenden.

Vergangenheit ist auch immer wieder gegenwärtig. Wolfgang Sobotka sagte in seiner Gedenkrede zur Befreiung des Lagers Mauthausens: »… es muss eine Aufarbeitung der blinden Flecken unserer Vergangenheit geben …«

 

Wir haben bereits Kontakt zum Dachverband Salzburger Kulturstätten aufgenommen und werden eine entsprechende Initiative starten. Mit der Verlegung von Stolpersteinen in Großgmain soll deutlich gemacht

werden, dass auch in unserer Gemeinde, niemand vergessen wird, dem Unrecht und Leid zugefügt worden ist.

Porträtfoto Michaela Wagner
Michaela Wagner

Gemeindevertreterin

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