JETZT MUSS GESELLSCHAFT FÜR DIE PFLEGE DA SEIN!
KO Humer-Vogl spricht sich für österreichweite Ausbildungsoffensive aus, sieht Pflegelehre jedoch skeptisch
„Der heutige Tag der Pflege darf nicht nur Anlass für weiteres Händeklatschen sein, sondern sollte vor allem zum Anlass genommen werden, darüber nachzudenken, wie wir diese wichtige Berufsgruppe stärken können“, fordert die GRÜNE Klubobfrau LAbg. Kimbie Humer-Vogl zum heutigen Tag der Pflege. Und weiter: „Unsere Dankbarkeit für den hohen Einsatz während dieser Krise muss mit dem Versprechen einhergehen, dass wir gute Arbeitsbedingungen und bessere Gehälter in der systemrelevanten Pflege zur politischen Priorität machen“, so die GRÜNE Klubobfrau.
Schließlich habe die Coronakrise die Systemrelevanz der Pflege für unsere Gesellschaft eindrucksvoll verdeutlicht: „Die Pflegepersonen sind von der ersten Stunde an voll einsatzbereit gewesen und haben mit hoher Fachkompetenz ruhig durch die Krise geführt – auch indem sie große persönliche Opfer brachten, um der Verbreitung des Virus Einhalt zu gebieten“, so Humer-Vogl. Dafür gebühre ihnen Respekt, Anerkennung und vor allem dort, wo der direkte Kontakt mit Covid-19 gegeben war, auch finanzielle Zuwendung.
Ausbildungsangebot erweitern, jedoch Skepsis gegenüber Pflegelehre
Neben besserer Bezahlung und reduzierter Arbeitszeiten, sei auch über eine verbesserte Ausbildung nachzudenken. Denn Pflege bedeutet längst nicht nur einfache Pflegehandlungen durchzuführen, sondern, so Humer-Vogl: „Pflege erfordert ein Höchstmaß an fachlicher, sozialer, kommunikativer, psychischer und ethischer Kompetenz. Je besser vorbereitet Berufsanfänger*innen ihren Job antreten, umso eher werden sie diesen auch als erfüllend erleben.“
Die Pflege erfordert einen breiten Mix an unterschiedlichen Qualifikationen und Fertigkeiten, wie sie bereits jetzt in Österreich angeboten wird. Eine breit angelegte österreichweite Ausbildungsoffensive und eine Erweiterung sowie Flexibilisierung des Ausbildungsangebots sollen dazu beitragen, dass wir mehr Frauen und Männer für diesen Beruf gewinnen können. All diese Maßnahmen können dazu beitragen, die Arbeit in der Pflege wieder attraktiver zu machen. Schließlich sei die Pflege grundsätzlich ein erstrebenswertes Berufsfeld, sie ist krisensicher, bietet ein breites, abwechslungsreiches Aufgabenfeld und viele attraktive Dienstgeber.
Skeptisch sieht Humer-Vogl allerdings die aktuell diskutierte Pflegelehre: „Ich halte es für unverantwortlich, Jugendliche, die sich in einem hochsensiblen Entwicklungsstadium befinden, jene herausfordernden Pflegesituationen zuzumuten, zu denen es in der Pflege unweigerlich kommt“, so die GRÜNE Klubobfrau.
Anschließend spricht sich die GRÜNE Klubobfrau für bessere Arbeitsbedingungen aus: So brauche die Pflege Unterstützung durch entsprechende Expert*innen aus anderen Fachgebieten wie Psychologie, Ergotherapie, Physiotherapie, Seelsorge und Ärzteschaft. Außerdem müsse dem Pflegepersonal auch genügend Zeit für diese wichtige Vernetzungsarbeit zur Verfügung stehen. Ein verstärkter Fokus auf die Zusammenarbeit mit den PatientInnen selbst, sowie deren Angehörigen könnte, ähnlich wie in der Sozialpsychiatrie, für den Bereich der Pflege zielführend sein. „Hier werden aktuell viel zu oft Ressourcen liegen gelassen“, so Humer-Vogl.