TEMPO 80: KRONREIF-GUTACHTEN LAUT EXPERTEN UNSERIÖS + FALSCH
FPS-Antrag abgelehnt – Flexibles Tempolimit bleibt
Die Diskussion über Tempo 80 im Salzburger Landtag geriet zu einer Abrechnung mit der Behauptung von Gutachter Gerhard Kronreif, wonach das Tempolimit zu mehr Unfällen auf der Stadtautobahn geführt habe und die Verkehrssicherheit gefährdet sei. Sowohl Friedrich Schmidhuber von der Salzburger Verkehrspolizei als auch Umweltabteilungsleiter Othmar Gläser zerpflückten Kornreifs „Gutachten“ in allen wesentlichen Punkten. Ihr Resümee zu Tempo 80: Die Schadstoffe haben sich deutlich reduziert. Die Unfallauswertung für 2015 liege zwar erst im April vor, aber man könne bereits jetzt sagen, dass die Unfallzahl eher gesunken sei. Mit dem Antrag, der „Luft 80-er“ solle in Zukunft nur noch für Lastkraftwägen gelten, blieb die FPS im Landtag allein.
Friedrich Schmidhuber, Leiter der Verkehrsabteilung der Stadt Salzburg, führte im Landtagsausschuss aus, dass der gerichtliche Sachverständige Gerhard Kronreif sich nur rund 30 Unfälle angesehen habe, die auf Fahrspurwechsel zurückzuführen sind, und daraus eine Verdoppelung der Unfälle ableitet. Eine solche Interpretation nur aufgrund eine Viertels der Unfälle zu treffen, sei nicht seriös. Kronreif habe in seinem Gutachten wesentliche Parameter für die Verkehrssicherheit ignoriert, weshalb dieses weder als fachlich noch als wissenschaftlich fundiert bezeichnet werden könne. Die endgültige Auswertung der Unfallzahlen für 2015 werde es im April geben. Derzeit gehe er von sinkenden Unfallzahlen aus, so Schmidhuber.
Othmar Glaeser, Leiter der Umweltabteilung des Landes, betonte, die Art und Weise wie Kronreif in seinem Gutachten mit Daten operiere, sei „nicht nur unseriös, sondern schlichtweg falsch“. Kronreif hätte der Umweltabteilung seine Datengrundlage – trotz mehrmaliger Bitten – nie vorgelegt; zu einem gemeinsam vereinbarten Gesprächstermin sei Kronreif nicht erschienen.
Im Übrigen funktioniere Tempo 80 in anderen Städten sehr gut, betont Glaeser: „In Wien und Linz kommt man gut damit zurande. Warum das in Salzburg nicht der Fall sein soll, erschließt sich mir nicht.“
Die GRÜNE Verkehrssprecherin LAbg. Angela Lindner erinnert daran, dass Österreich zusammen mit Polen und Bulgarien nach wie vor zu den größten Bremsern strengerer Vorschriften zur Luftreinhaltung gehört. Das finden nicht nur die GRÜNEN bedenklich: „Die österreichischen Bemühungen in puncto Luftschutz sind auch aus Sicht der Europäischen Union nach wie vor mangelhaft“, betont Lindner. „Die EU hat deswegen kürzlich ein
Klagsverfahren gegen Österreich eingeleitet.“ Für Lindner ist das ein klarer Auftrag, die Luftreinhaltung und die damit verbundene Gesundheitsaspekte als Gesellschaft ernster zu nehmen. „Weitere Maßnahmen sind jedenfalls notwendig“, so die GRÜNE Verkehrssprecherin.