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01.09.2016 Presseaussendung

"WIR BRAUCHEN EINE GÄSTE-MOBILCARD FÜR DEN PINZGAU!“

Pinzgauer Lokalbahn im Frühling. Auf den Bergen im Hintergrund liegt noch Schnee, die Wiesen sind bereits grün. Zielbahnhof: Zell am See

Gerade zur Urlaubszeit spitzt sich die Verkehrssituation im Pinzgau besonders zu. Der ORF führte dazu ein Interview mit Klubobmann Cyriak Schwaighofer, welches naturgemäß aus Platzgründen nur auszugsweise gesendet werden konnte. Hier für alle Interessierten das ungekürzte Interview.

ORF: Herr Schwaighofer, das Verkehrsproblem im Pinzgau, das wird ja von Jahr zu Jahr massiver, das zeigen einfach die Staus, die immer länger werden, das Verkehrschaos. Jetzt ist im Landesmobilitätskonzept der Pinzgau wieder ein bisschen stiefmütterlich behandelt worden, zumindest gibt’s keine Maßnahmen, die jetzt in naher Zukunft gesetzt werden sollen gegen diesen Verkehr. Was sagen denn da die Grünen dazu?

 

Schwaighofer: Na, zum einen muss ich sagen, stimmt das nicht so. Weil es gibt schon Maßnahmen, die halt landesweit gelten, damit auch für den Pinzgau, zum Beispiel die Frage der Verknüpfungen bei der Pinzgau-Bahn zwischen Bus und Bahn,. Etas was ganz notwendig ist, damit die Pinzgau-Bahn schneller werden kann oder zum Beispiel auch die Mobilcard ist erwähnt, die Karte, die es ähnlich in Südtirol gibt, die wir ganz dringend brauchen im Pinzgau, wenn im Sommer die vielen Sommerurlauber mit ihren Privat-PKWs dann diesen berühmten Stau in Zell am See-Schüttdorf verursachen.

 

 

ORF: Diese Mobilcard, von der ist aber noch nicht in naher Zukunft die Rede, oder?

 

Schwaighofer: Die Mobilcard ist ja nicht eine Sache, die nur das Land entwickelt, sondern das ist in erster Linie eine Frage an die Touristiker, die SalzburgerLand Tourismus und an die, die davon auch profitieren. Ich glaube, wir sind fast ein bisschen überrascht, wie enorm sich im Sommer die Ausflügler-Zahlen entwickeln. Wir sehen ja, dass diese Staus sich gerade um die Mittagszeit, wenn alle unterwegs sind, bilden, auch vor allem bei Schlechtwetter – ähnlich wie in Salzburg, ähnlich wie in Kitzbühel. Da muss man das Problem von der Seite angehen, das ist ein Aspekt. Also hier wirklich die Gäste dazu einzuladen und dazu zu bringen, dass sie möglichst gratis mit den Bussen und den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sein können.

 

Zum zweiten brauchen wir sicher auch noch schnellere Zugverbindungen und ich meine nicht schnellere Zugverbindungen nach Wien, sondern innerhalb dieses Raumes zwischen Saalfelden und Schwarzach und da wird man sich auch überlegen müssen, gibt’s kombinierte Systeme zwischen Bussen, die zubringen zu den Haltestellen, und Bahn oder brauchen wir mehr Park-and-Ride-Parkplätze.

 

Klar ist für uns, dass wir mit Individualverkehr dieses Problem nicht lösen können sondern wir müssen ganz stark mit gezielten Maßnahmen auf den öffentlichen Verkehr setzen, weil sonst graben wir uns selbst das Wasser ab: nämlich eine wunderschöne Landschaft zu haben, den Tourismus auszubauen, wenn wir ein Verkehrschaos verursachen und entsprechende Abgase haben und die Landschaft wieder kaputt machen.

 

 

ORF: Jetzt ist diese angedachte S-Bahn-Strecke von Saalfelden nach Schwarzach, die wird in naher Zukunft sicherlich nicht kommen, hat Landesrat Mayr mir heute gesagt, weil eine Zählung gezeigt habe, dass die Fahrgastzahlen nicht entsprechen, kann das der Schlüssel sein? Was sagen Sie dazu?

 

Schwaighofer: Nein, diese Meinung teile ich nicht ganz. Ich glaube, da müssen wir noch genauer hinschauen. Ich glaube nämlich schon, dass wir eine gut getaktete Verbindung zwischen Saalfelden, eigentlich bis Hochfilzen, bis in den Tiroler Raum, bis nach Schwarzach brauchen, da sind die Pendlerströme unterwegs, da sind auch die Erledigungen zu tätigen, in die Bezirkshauptstadt Zell am See und anderes, das wird sicher noch zu überdenken sein. Was man vielleicht nicht unbedingt braucht, ist jede kleine Haltestelle, weil diese ganz kleinen Haltestellen, die verzögern dann und verlängern einfach die Fahrzeiten. Wir brauchen innerhalb dieses Gebietes einen relativ flotten Takt, wo man mit dem Zug schneller ist als mit dem Auto.

 

 

ORF: Die Grünen sind ja dafür bekannt, dass sie auf den öffentlichen Verkehr setzen. Jetzt ist in Zell am See eigentlich die Infrastruktur vorhanden, aber sie wird nicht genutzt.

 

Schwaighofer: Na, da muss sich dann wirklich jeder selber bei der Nase nehmen, wenn die Infrastruktur da ist, wenn es einen Bürgerbus gibt in Schüttdorf, wenn es öffentliche Verkehrsmittel zu den Einkaufzentren nach Thumersbach, nach Schüttdorf gibt und sie werden nicht genutzt, dann müssen schon die Zellerinnen und Zeller oder die Leute in der Region sich bewusst werden, da ist man dann selber schuld, wenn sich Staus bilden und wenn man nicht mehr voran kommt.

 

 

ORF: Oder ist das Angebot nicht attraktiv genug?

 

Schwaighofer: Das Angebot muss man auch noch attraktiveren. Es müssen vielleicht die Preise noch günstiger werden, wir arbeiten ja auch daran, dass wir eventuell auch für die Bezirke 365 Euro-Tickets oder ähnliches schaffen, so dass wirklich der öffentliche Verkehr schnell, pünktlich und preisgünstig ist. Das muss das Ziel sein!

 

 

ORF: Was sagen Sie zu dem Vorwurf, dass das Verkehrsproblem auch irgendwo hausgemacht ist, mit diesen ganzen Gewerbegebieten, die man an die Stadtränder, an die Ortsränder verlegt hat?

 

Schwaighofer: Ja natürlich, das sind die Sünden der früheren Zeiten, wo man raumordnungspolitisch überhaupt nicht drauf geschaut hat, wo die Einkaufszentren sind, hinaus aus den Stadtzentren, hinaus an die Peripherie und natürlich erzeugt man da jede Menge Verkehr. Die Leute, die einkaufen und mehr einkaufen wollen, fahren nicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, sondern mit ihrem Auto und umso mehr war es auch notwendig, dass wir z.B. in der Landespolitik diesem Einkaufszentren-Wucher ein Ende gesetzt haben.

 

ORF: Vielen Dank, Herr Schwaighofer.

Schwaighofer: Gerne!

 

 

Interview von ORF-Redakteurin Carina Schwab mit KO Cyriak Schwaighofer zur Haltung der GRÜNEN zum Thema „Verkehrschaos im Pinzgau“ (so lautete die ORF-Anfrage) am 30.8.2016

Porträtfoto Cyriak Schwaighofer Sprecher BIG Goldegg und Vizebürgermeister
Cyriak Schwaighofer

Bezirkssprecher GRÜNE Pongau, Vizebürgermeister Goldegg

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